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Viele Pornos, kleines Gehirn Was Sex-Bilder anrichten

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Immer mehr Männer leiden unter zwanghaftem Pornokonsum.

(Foto: picture alliance / dpa)

Pornografie ist uralt und zählt bis heute zu den gesellschaftlichen Tabus. Obwohl der Markt riesengroß ist und der Konsum nur wenige Mausklicks entfernt, bekennen sich nur wenige zu ihrer Leidenschaft. Diese hat nicht nur angenehme Wirkungen.

Sex-Bilder begleiten die Menschheit bereits seit Jahrtausenden. Erste Darstellungen von menschlicher Sexualität stammen aus der Zeit vor der Antike. Von bemalten Vasen über Fotografien bis hin zu Filmen im Internet war es ein weiter Weg. Heute sind Pornos so beliebt wie nie zuvor. Immer mehr Menschen weltweit schauen sich immer häufiger Sex-Filme an. Das Internet macht einen diskreten, unkomplizierten und bezahlbaren Konsum möglich. Was Pornos auf körperlicher Ebene auslösen, können Konsumenten selbst erfahren. Was pornografische Darstellungen allerdings im menschlichen Gehirn bewirken, haben Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung in Berlin untersucht.

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Das Betrachten von pornografischen Bildern hinterlässt Spuren - auch im Gehirn.

(Foto: picture alliance / dpa)

"Wir wollten wissen, ob sich ein hoher Pornokonsum an bestimmten Strukturen im Gehirn erkennen lässt und wenn ja wo", erklärt Studienleiterin Simone Kühn in einem Gespräch mit n-tv.de. Dafür wurden 64 Männer im Alter zwischen 21 und 45 Jahren über eine Anzeige gesucht. Die Probanden wurden dann zu ihren Gewohnheiten in Bezug auf Pornokonsum befragt. "Seit wann oder wie viele Stunden pro Woche schauen Sie Pornos" gehörte zum Fragenspektrum der Forscher. Danach wurden die Gehirne der Studienteilnehmer mittels Magnetresonanztomografen durchleuchtet - einmal in Ruhe und ein anderes Mal, während sie sich pornografische Bilder ansahen. So konnten die Wissenschaftler sowohl die Gehirnstruktur als auch die Hirnaktivität der Probanden ermitteln.

Lassen Pornos das Gehirn schrumpfen?

"Wir konnten feststellen, dass es einen eindeutigen Zusammenhang zwischen der Hirnstruktur und der Intensität des Pornokonsums gibt", sagt Simone Kühn. Die Wissenschaftlerin und ihr Kollege Jürgen Gallinat, Psychiater an der Psychiatrischen Universitätsklinik der Charité im St. Hedwig-Krankenhaus in Berlin, konnten beweisen, dass die Männer, die häufiger Pornos konsumierten, in einem bestimmten Bereich im Gehirn weniger graue Substanz hatten als Männer mit geringerem Pornokonsum. Ganz konkret handelte es sich um den Bereich im Gehirn, der mit dem Belohnungssystem zu tun hat, dem sogenannten Striatum. "Diese Tatsache sagt jedoch nichts über die Intelligenz oder Denkfähigkeit der Männer aus", betont Kühn.

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Männerfantasien scheinen grenzenlos zu sein: Hier wurde im Juni 2013 die Erste Erotische Fußball-EM der Frauen in Berlin ausgetragen.

(Foto: picture alliance / dpa)

Durch die Untersuchung könne ebenso wenig geklärt werden, was Ursache und was Wirkung ist. Als o ob sich Männer mit kleinem Striatum häufiger Pornos ansehen oder ob häufiger Pornokonsum das Striatum schrumpfen lässt. Um das herauszubekommen, müsse man eine weitere Untersuchung, eine sogenannte Trainingsstudie, durchführen, erklärt Kühn weiter.

Bei dieser müssten Männer, die noch niemals Pornos konsumiert haben, über einen gewissen Zeitraum Pornos ansehen. Die Gehirne der Probanden würden dann vor, während und nach dem Ansehen der Sex-Bilder untersucht. "Eine solche Untersuchung wäre allerdings schwer zu realisieren und ethisch aus mehreren Gründen bedenklich", so die Forscherin.

Zum einen wäre es äußerst schwer, männliche Probanden zwischen 21 und 45 Jahren zu finden, die noch nie pornografische Darstellungen gesehen haben. Zum anderen wäre möglich, dass der erhöhte Pornokonsum zu einer Verminderung der belohnungsassoziierten Aktivierung im Striatum kommt. "Wenn das so wäre, dann wäre es möglich, dass die Probanden nach der Untersuchung Probleme im privaten sexuellen Bereich bekämen, weil sie diesen nicht mehr als belohnend erleben", so Kühn weiter.

Warum keine Untersuchung an Frauen?

"Frauen wären als Probanden besonders geeignet, da es eine große Zahl an Frauen gibt, die angeben, tatsächlich noch nie etwas mit Pornos zu tun gehabt zu haben", sagt Kühn. Dennoch wäre eine Untersuchung an Frauen nicht die gleiche wie an Männern.

Aus einigen Studien ist bereits bekannt, dass Frauen anders auf Pornos reagieren als Männer. Das liegt an der sogenannten Verachtungskomponente, die Frauen haben. So eine Ablehnung entsteht möglicherweise, weil die große Mehrzahl aller Pornos für Männer gemacht sind. "Vor der Untersuchung müssten also Pornos gefunden werden, die für Frauen wirklich attraktiv sind", sagt Kühn mit einem Lächeln.

Quelle: ntv.de