Wissen

Eindämmung der Dengue-ÜbertragungWas nicht fliegen kann, steckt nicht an

27.02.2010, 14:40 Uhr
15273175
Mücken übertragen das Dengue-Fieber. (Foto: picture-alliance/ ZB)

Wissenschaftler haben eine Methode entdeckt, mit der man die Übertragung des Dengue-Fiebers eindämmen kann: Wenn sich Weibchen ohne Flügel mit den nicht stechenden Männchen paaren, sind deren Nachkommen ebenfalls flugunfähig.

Das Dengue-Fieber ist die häufigste von Mücken übertragene Virusinfektion weltweit. Die Erreger des teils lebensbedrohlichen Leidens kommen in mehr als 100 tropischen und subtropischen Ländern vor. Eines der Ziele ist es daher, die übertragenden Moskitos der Art Aedes aegypti zu schwächen.

Das gelingt einem US-britischem Team im Laborversuch: Die Gruppe um Anthony James von der University of California in Irvine lässt Weibchen ohne Flügel entstehen. Wenn sie sich mit den nicht stechenden Männchen paaren, sind die Nachkommen ebenfalls flugunfähig. Solche Insekten gefährden den Menschen kaum. Die Resultate sind in den "Proceedings" der US-Akademie der Wissenschaften nachzulesen ("PNAS"). Gemäß den Statuten des Journals erklären die Autoren finanzielle Interessen an ihrer Arbeit: Einige Mitarbeiter arbeiten beim Unternehmen Oxitec Limited.

40 Prozent der Menschheit sind gefährdet

Jährlich gibt es 50 Millionen bis 100 Millionen neue Dengue-Fälle, schreiben die Wissenschaftler. 40 Prozent der Menschheit sind gefährdet. Die vier verschiedenen Dengue-Virus-Typen können ein weites Spektrum an mehr oder weniger ausgeprägten Krankheitszeichen hervorrufen: von häufig leichtem grippeähnlichen Unwohlsein mit Fieber, Muskel-, Glieder- und Kopfschmerzen bis zu seltenen, schweren Verläufen.

James und seine Kollegen konstruierten trickreich Weibchen ohne Flügel. Dazu wurden die Männchen genetisch modifiziert. Dies hat zur Folge, dass beim weiblichen Nachwuchs die Entwicklung der Flugmuskulatur zerstört ist. Die Männchen sind davon nicht betroffen, sie können also ausschwärmen, Weibchen suchen und befruchten. Aber auch die nächste Weibchen-Generation ist flugunfähig.

Jeder profitiert vom Kampf gegen die Mücken

Luke Alphey von der Firma Oxitec Limited Oxford (Großbritannien) erklärte in einer Mitteilung, dass das Verfahren auf die Art Aedes aegypti beschränkt sei, weil die Männchen sich nur mit "ihren" Weibchen paarten. Auch komme das Verfahren ohne Gift aus. Alphey hat zudem einen demokratischen Aspekt der Arbeit ausgemacht: In einem so behandelten Gebiet profitiere jedermann, ob arm oder reich, gleichermaßen vom Kampf gegen die Mücken.

In "PNAS" heißt es zudem, dass die Eier der Mücken resistent gegen das Austrocknen sind und sich lange Zeit lagern lassen. Damit könnte ein Vorrat angelegt werden, der bei Bedarf gezielt zum Einsatz kommen könnte, um in einem Gebiet schnell große Mengen gentechnisch veränderten Nachkommen freizusetzen. Die Forscher gehen davon aus, dass eine einheimische Mücken-Population binnen sechs bis neun Monaten wirkungsvoll unterdrückt werden kann.

Quelle: dpa