Exoten im OdertalWasserbüffel im Nationalpark
Touristenattraktion und Landschaftspflege: Im Nationalpark "Unteres Odertal" im nordöstlichen Brandenburg sollen Wasserbüffel heimisch werden. Der Clou an der Sache: Ein Kompromiss zwischen ökologischen und ökonomischen Interessen.
Landwirt Wolfgang Dehnert ist fasziniert von der Genügsamkeit der Wasserbüffel, die er neuerdings im Nationalpark "Unteres Odertal" weiden lässt. "Die fressen sogar Disteln und Brennnesseln, um die Kühe einen Bogen machen." In zwei bis drei Jahren will er das erste Büffelfleisch vermarkten. Bis dahin sollen die Tiere, die in Deutschland noch als Exoten gelten, auf den feuchten Oder-Überflutungsflächen grasen. Weil sie schwimmen können und – anders als Rinder – Sumpfland nicht scheuen, hofft der Nationalparkverein, künftig auf Polderflächen das Wasser nicht mehr abpumpen zu müssen und dennoch Landwirtschaft zu ermöglichen.
Zurück: Wiesenpieper und Braunkehlchen
Der Cottbuser Ökologe René Krawczynski bezweifelt nicht, dass das gelingen kann. Seit 2005 befasst sich der Wissenschaftler der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus (BTU) mit den unter anderem in Südeuropa verbreiteten Wasserbüffeln. Krawczynski hat an mehreren Projekten zur Ansiedlung der Tiere in Deutschland mitgewirkt und betreut seit dem Sommer 2008 im Dienste der Forschung Wasserbüffel, die in der renaturierten Spreeaue nördlich von Cottbus weiden.
Dort hat der Experte nach eigenen Worten bereits diverse positive Auswirkungen auf die Natur beobachtet. So brüteten dort inzwischen wieder vom Aussterben bedrohte Vogelarten wie Wiesenpieper und Braunkehlchen. "Wenn auf größeren Flächen das Wasser länger stehen kann, können Watvögel dort an trockeneren Stellen auch unbehelligt brüten, weil ihre natürlichen Feinde sie nicht erreichen", sagt der Vorsitzende des Nationalparkvereins, Thomas Berg. Zugleich seien die Flächen vom Menschen nutzbar. Die Verbindung von Ökologie und Landwirtschaft sei ein Hauptanliegen des Vereins. "Wir wollen naturnähere Zustände schaffen und zugleich die Landwirtschaft erhalten." Beim Wasserbüffel-Projekt hofft Berg auf wissenschaftliche Begleitung durch die BTU.
Vermarktung problematisch
Für Landwirt Dehnert, der die 160 Hektar große Büffelweide vom Verein gepachtet hat, ist bei aller Liebe zur Natur der ökonomische Aspekt entscheidend. Mit der Vermarktung sieht er Probleme auf sich zukommen. An Schlachtbetriebe seien Büffel nicht zu verkaufen: Noch sei ihr Fleisch – anders als der aus Büffelmilch hergestellte Mozzarella – hierzulande zu wenig bekannt. "Das geht nur über Selbstvermarktung."
Der gelernte Fleischer setzt auf sein handwerkliches Können, will sich aber noch nicht weiter äußern. Nur so viel: Man müsse mit dem als cholesterin- und fettarm geltenden Fleisch umzugehen wissen. Dabei haben sich Dehnerts Wasserbüffel in den ersten Tagen nach ihrer Ankunft aus dem Raum Bremen und Fulda gut im Uckermärkischen eingelebt, wie der Bauer berichtet. Die Tiere seien äußerst friedfertig und teils sogar handzahm. "Meine sechsjährige Enkelin hat ohne Angst einen großen Bullen gestreichelt."
Die bis zu 800 Kilogramm schweren Tiere faszinieren auch Nationalparkbesucher, hat er festgestellt. Den Reiz der Exoten will sich nach Worten von Wissenschaftler Krawczynski die Stadt Storkow (Oder-Spree) zunutze machen: Dort werde überlegt, am Berg unterhalb der gerade wieder aufgebauten Burg Büffel weiden zu lassen – als Touristenattraktion und zur Landschaftspflege.