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Verrückte Naturphänomene Wenn es Frösche regnet

Auch in Zeiten rasanter Supercomputer und starker Industrieroboter hat die Natur noch immer viele der erstaunlichsten Erfindungen und Phänomene zu bieten. Einmal mehr macht das der Wissenschaftsjournalist Rolf Froböse deutlich: In seinem neuen Buch "Wenn Frösche vom Himmel fallen. Die verrücktesten Naturphänomene" (Wiley-VCH) beschreibt er Merkwürdigkeiten und Rekordleistungen, die die Leser staunen lassen. Die Beispiele zeigen, dass viele menschliche Entwicklungen hinter den natürlichen Vorbildern zurückbleiben.

Winzige Rekordlieferanten

Der erste Teil des Buches ist den winzigen und daher vielfach unbemerkten Rekordlieferanten gewidmet: den Bakterien, Viren und Pilzen. Mikroben produzieren Plastik und erzeugen Strom, harren in extremer Kälte ebenso aus wie in kochend heißen Quellen oder zersetzen Atommüll und giftige Sprengstoffe. Froböse beschreibt dabei auch einen Giganten unter den Bakterien: Thiomargarita namibiensis, die Namibische Schwefelperle. Der weiß schimmernde "Blauwal" unter den Bakterien sei mit 0,75 Millimetern Durchmessern mit bloßem Auge erkennbar und ist auf einer Briefmarke des Landes verewigt.

Tierische Geschosse

Weitere Kapitel sind natürlichen Vorbildern menschlicher Erfindungen gewidmet. So ist zu lesen, dass etliche Tiere schon lange vor den Chinesen – der erste historische überlieferte Raketenstart fand 1232 in deren Kaiserreich statt – Geschosse auf Angreifer abfeuerten. Meeresschnecken schießen dafür kleine Pfeile ab, Seeanemonen feuern aus Nesselzellen. Ausführlich beschreibt Froböse auch verschiedene Naturkatastrophen, darunter die verheerenden Auswirkungen der Hurrikane im Jahr 2005 sowie der schlimmsten Tornados der vergangenen Jahrzehnte. Auch besonders heftigen Hagelschauern und verheerenden Staubwolken aus der Sahara sind Kapitel gewidmet.

Woher kam der Froschregen?

Spannend zu lesen sind die vielen eingefügten Augenzeugenberichte, beispielsweise über den Fang von Zitteraalen, durch Straßen geisternde Kugelblitze – und vom Himmel regnende Frösche. Entsprechende Beobachtungen habe es zum Beispiel in Frankreich, Russland und Griechenland gegeben, schreibt der Autor. Ursache für den Froschregen sei der "Staubsaugereffekt" von Windhosen, die über Seen oder dem Meer Wasser mit allem darin schwimmenden Getier mitrissen und kurz darauf anderswo "ausspuckten". Zu lesen ist in "Wenn Frösche vom Himmel fallen" auch, dass nicht das Tote Meer mit seinem Salzgehalt von 28 Prozent das salzigste Gewässer weltweit ist, sondern der Don Juan Pond, ein nur 75 Zentimeter tiefer See im Osten der Antarktis. Wegen seines Salzgehaltes von 40 Prozent friert er erst bei Temperaturen unter minus 60 Grad Celsius. Auch ein Kurzkrimi findet sich im Buch: Kenntnisse über das Blut von Spinnen helfen darin zwei Ermittlern dabei, einen Todesfall aufzuklären.

Weiter Bogen

Froböse spannt einen gewaltigen Bogen über alle möglichen Themen. Anspruch und Bedeutung unterscheiden sich bei den Sprüngen zu neuen Bereichen mitunter gewaltig, zudem ist einer Kuriosität mitunter unverhältnismäßig viel, einer anderen wiederum missverständlich wenig Raum gewidmet. Eher Loseblattsammlung als gut strukturiertes Übersichtswerk, sind die Texte teilweise recht komplex formuliert und deshalb sicher nicht jedem Laien leicht verständlich. Ausgeglichen wird dieses Manko dadurch, dass das Sammelsurium eine Fülle aufwendig recherchierter Informationen und spannender, kurzweiliger Fakten enthält, die den meisten Lesern neu sein dürften. Rolf Froböse studierte Chemie, war wissenschaftlicher Mitarbeiter der Max- Planck-Gesellschaft und arbeitete schließlich als Wissenschafts- und Wirtschaftsjournalist.

Von Annett Klimpel, dpa

Quelle: ntv.de

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