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Ost-West-Unterschiede Wer Reis anbaut, muss kooperieren

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Ein Bauer pflügt mit zwei Haflingern ein Feld in Sachsen-Anhalt: Weizenbauern brauchen keine große Gemeinschaft wie Reisbauern, um ihre Felder zu bestellen.

(Foto: picture alliance / dpa)

Sage mir, was du anbaust und ich sage dir, wie du bist: Die "Reis-Theorie" erklärt Unterschiede zwischen östlicher und westlicher Kultur. Sie besagt: Ob unsere Vorfahren Reis oder Weizen angebaut haben, trägt dazu bei, wie individuell oder kollektivistisch wir veranlagt sind.

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Gemeinschaftsarbeit: Bäuerinnen setzen Reispflanzen in ein Feld in Deli Serdang auf Sumatra, Indonesien.

(Foto: dpa)

Die verschiedenen Methoden beim Anbau von Reis und Weizen könnten nach einer Studie mit zu den Unterschieden zwischen östlicher und westlicher Kultur geführt ha ben. Während die Reiszucht in Asien schon wegen der aufwendigen Bewässerung ein gemeinschaftliches Vorgehen der Landbevölkerung erforderlich mache, könnten Weizenbauern unabhängiger arbeiten, was ihre größere Individualität erkläre, besagt die "Reis-Theorie", die Forscher aus China und den USA im US-Fachjournal "Science" darstellen.

In Umfragen stellten die Forscher klare Zusammenhänge  zwischen Kollektivismus oder Individualismus und der jeweiligen Bepflanzung der Felder mit Reis oder Weizen fest. "Die Idee ist, dass Reis wirtschaftliche Anreize zur Kooperation gibt und solche Kulturen über viele Generationen stärker ineinandergreifend sind, während Gesellschaften, in denen jeder einzelne weniger vom anderen abhängig ist, mehr Freiheit für Individualismus haben", wird der führende Wissenschaftler Thomas Talhelm zitiert, der vier Jahre in China gelebt hat.

Individualismus und Gemeinschaftssinn

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Bäuerin in einem Weizenfeld in Yunnan im Südwesten Chinas.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Die Studie erweitert die Bewirtschaftungstheorie, die bisher nur zwischen Hirten und Getreidebauern unterscheidet. Um historische, politische und kulturelle Unterschiede auszuklammern, wurde allein in China geforscht, wo im Süden Reis und im Norden Weizen angepflanzt wir d und sich Nord- und Südchinesen in ihrem Verhalten unterscheiden. An sechs Orten wurden 1162 Han-Chinesen auf Individualismus, Analysefähigkeit und Gemeinschaftssinn getestet.

"Das Reis anbauende südliche China ist mehr voneinander abhängig und denkt ganzheitlicher als der Weizen züchtende Norden", schreiben die Wissenschaftler der Universitäten von Virginia und Michigan sowie der Beijing Normal University und der South China Normal University in Guangzhou. Die Differenzen zwischen Nord- und Südchina spiegelten sich zwischen östlichen und westlichen Kulturen wider.

Bewässerungsnetze erfordern Kooperation

Für die Unterschiede gebe es einfache Erklärungen: Bewässerungsnetze für Reisfelder und Wassernutzung erforderten Kooperation. Ganze Dörfer bauten die Kanäle. Der Wasserverbrauch einer Familie beeinflusse die Nachbarn. Der Arbeitseinsatz sei mindestens doppelt so groß wie beim Weizen. Familien müssten sich deswegen bei der Ernte gegenseitig helfen.

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Nach getaner Arbeit: Nepalesische Bauern tragen ihre Gerätschaften vom Reisfeld nach Hause.

(Foto: dpa)

Kooperation beim Reisanbau sei wirtschaftlich gesehen also  wertvoller. Enge Beziehungen basierten auf Gegenseitigkeit. Verhalten, das Konflikte auslöse, werde vermieden. Dagegen bräuchten Weizenbauern nur den Regen und könnten sich viel mehr um ihre eigenen Felder kümmern, ohne allzu sehr von Nachbarn abzuhängen, erläutern die Forscher. Die befragten Chinesen waren meist Universitätsstudenten, die nicht einmal selber auf Feldern gearbeitet haben.

Reis-Weizen-Grenze in China

Nach der "Reis-Theorie" wird die Kultur über Jahrtausende weitergegeben. "Einfach gesagt: Man muss nicht Reisbauer sein, um die Reiskultur geerbt zu haben", so die Forscher. Um Klimafaktoren auszuschließen, wurden auch Chinesen entlang der Reis-Weizen-Grenze Chinas getestet, wo sich die Unterschiede trotz der geringen Distanz beider Gruppen bestätigten. "Wir stellen fest, dass die Reis-Theorie teilweise Unterschiede zwischen Ost und West erklären kann", fassen die Autoren zusammen.

Außer der Bewirtschaftungstheorie gibt es noch andere Thesen, die kulturelle Unterschiede erklären wollen. So geht die Modernisierungshypothese davon aus, dass Menschen mit wachsendem Wohlstand gebildeter, kapitalistischer und damit individueller und analytischer werden. In Japan, Südkorea oder Hongkong sind die Menschen aber trotz größeren Reichtums kollektivistisch geblieben.

Eine andere Theorie geht davon aus, dass Gesellschaften mit einer höheren Verbreitung von Krankheitserregern enger zusammenrücken. Solche Pathogene kommen aber bei höheren Temperaturen häufiger vor. Heißeres Klima stehe aber wiederum mit Reisanbau in Zusammenhang, heben die Forscher hervor. Der ausgeprägtere Gemeinschaftssinn sei eher mit den Erfordernissen der aufwendigen Anpflanzungsmethode zu erklären, vermuten sie.

Quelle: n-tv.de, abe/dpa

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