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Reine Glückssache?Wo man heute noch Gold findet

23.10.2013, 11:16 Uhr
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Wohl bekomms: Die höchste Goldkonzentration fanden die Forscher in den Blättern der Eukalyptusbäume. (Foto: Arnaud Gaillard/Wikipedia/CC BY-SA 1.0)

Nicht nur in China wächst der Bedarf an Rohstoffen und wertvollen Erzen immens. Nach neuen Lagerstätten wird intensiv gesucht. Wissenschaftler sind dabei zu einer überraschenden Erkenntnis gelangt: Gold wächst auf Bäumen. Beinahe.

Es ist eine ungewöhnliche Fundstelle: Ausgerechnet in Eukalyptusbäumen haben australische Forscher winzige Teilchen Gold entdeckt. Wie sie dort hinkommen, war für die Wissenschaftler schnell geklärt: Vermutlich seien die Goldpartikel von den Bäumen aus dem Boden gesogen und nach oben gepumpt worden, so Geochemiker Melvyn Lintern, einer der Autoren der Studie. "Der Eukalyptus agiert wie eine hydraulische Pumpe."

Die Wissenschaftler der Commonwealth-Forschungsorganisation CSIRO machten ihre Entdeckung in der rohstoffreichen Region Kalgoorlie in Westaustralien, wo es im späten 19. Jahrhundert einen großen Goldrausch gab. Das Gold lagert dort 35 Meter unter der Erde. Für die weit in die Tiefe reichenden Wurzeln der Eukalyptusbäume ist das eine erreichbare Entfernung.

Viel schmaler als ein Haar

Die Wissenschaftler wiesen die Teilchen mithilfe von Röntgenbildern in Blättern, Ästen und Rinden nach. Die höchste Konzentration fanden sie in den Blättern. Da das Gold wahrscheinlich giftig für die Pflanze sei, werde es vermutlich in die äußersten Extremitäten weitergeleitet, damit möglichst wenig schädliche biochemische Reaktionen stattfinden könnten, erklären die Forscher.

Laut den Autoren der Studie, die im Fachblatt "Nature Communications" veröffentlicht wurde, werden die Goldblätter wohl kaum einen neuen Goldrausch auslösen: Die in den Bäumen gefundenen Partikel seien nur ein Fünftel so breit wie menschliches Haar - und nur auf den hoch entwickelten Röntgenbildern sichtbar. Für die Herstellung eines einzigen Goldrings müssten daher circa 500 Bäume ausgebeutet werden.

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Das Witwatersrand-Goldfeld in Südafrika ist die größte Lagerstätte der Welt. Mehr als 40.000 Tonnen Gold hat sie bislang geliefert, mehrere Zehntausend Tonnen sind noch vorhanden. Allerdings liegen sie so tief (fast 4000 Meter), dass ihr Abbau nur bei hohen Goldpreisen wirtschaftlich ist. (Foto: imago stock&people)

Ihre Erkenntnisse halten die Forscher dennoch für nützlich. Denn die Untersuchung des Mineraliengehalts in den Pflanzen mit dieser Methode könne Hinweise auf Mineralien unter der Erde geben. Neben Gold könne so auch Zink oder Kupfer nachgewiesen werden. Da damit keine teuren Bohrungen nötig seien, würden Kosten gespart und die Umwelt geschont, so Lintern.

Vulkanzonen sind interessant

Weltweit sind Forscher damit beschäftigt, große Vorkommen wertvoller Metalle zu entdecken. Doch ein solcher Fund hat noch immer viel mit Glück zu tun. Bei nur etwa einer von tausend untersuchten geologischen Formationen lohnt es sich, eine Fördermine zu errichten. Geologen beschäftigen sich daher zunehmend mit den Mechanismen, die riesige Lagerstätten von Kupfer, Gold, Silber, Platin und anderen Metallen, aber auch von Diamanten hervorbringen.

Eine wichtige Rolle spielen da sogenannte Subduktionszonen. Das sind Gebiete, in denen eine Erdplatte unter eine andere taucht und im heißen Erdmantel allmählich eingeschmolzen wird. In diesen Gebieten gibt es sehr häufig aktive Vulkane und auch große Vorkommen von vulkanischem Gestein. Aus neueren Erkenntnissen über diese Gebiete hat Jamie J. Wilkinson vom Imperial College London wichtige Mechanismen herausgefiltert, die zur Bildung von riesigen Erzlagerstätten führen können. "Vulkanische Erzlagerstätten sind die Quelle großer Mengen von Kupfer, Molybdän, Gold und Silber, die von Menschen verwendet werden", so Wilkinson im Fachmagazin "Nature Geoscience". Es sind die unterirdischen Magmakammern und das umgebende Gestein, wo sich nach und nach durch bestimmte chemische und physikalische Vorgänge Metalle anreichern.

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Um 1 Gramm Feingold zu schürfen (Mitte), musste hier ein Goldsucher rund 50 Tonnen (2 LKW-Kipper) Flusssedimente mit seiner Sandpfanne waschen. (Foto: picture-alliance/ dpa)

Das braucht natürlich seine Zeit. Bei Kupfer-, Molybdän- und Goldvorkommen in vulkanischem Gestein dauert es 700.000 Jahre, bis eine riesige Lagerstätte der Erze entstanden ist. Als riesig gilt eine Reserve, so Jeremy P. Richards von der University of Alberta in Kanada, wenn sie mehr als 100 Tonnen Gold oder mehr als zwei Millionen Tonnen Kupfer umfasst. Je nach Definition würden jedoch auch bis zu dreifach höhere Zahlen genannt, betont Richards.

Erdbeben führen zu Metallanreicherung

Der Wissenschaftler untersuchte auch riesige Gold- und Silber-Vorkommen, die nicht unbedingt auf vulkanische Aktivität zurückzuführen sind. Bei diesen Mineralabscheidungen aus Flüssigkeiten bei Temperaturen zwischen 200 und 100 Grad spielen Erdbeben eine wichtige Rolle für hohe Metallkonzentrationen. Die bei Beben entstehenden Gesteinslücken füllen sich schnell mit Wasser, welches verdampft und weiteres Wasser aus dem Gestein zieht. So reichern sich in der Lücke die im Wasser gelösten Metalle an.

Einen anderen Ansatz verfolgen die Forscher William L. Griffin, G. C. Begg und Suzanne Y. O’Reilly von der Macquarie University in Australien. Sie plädieren dafür, bei Modellen zur Entstehung von Erzen die gesamte Lithosphäre (Erdkruste und oberster Teil des Erdmantels) einzubeziehen. Die Litosphäre "spielt eine bedeutende Rolle in der Entstehung von Erz aus Magma", so die Wissenschaftler. Sie schlagen vor, jenen Teil des Erdmantels, der zur Lithosphäre unter Kontinenten gehört, auf Struktur, Alter und Zusammensetzung zu erkunden und in Karten zu verzeichnen. Die geologischen Muster könnten dann Hinweise auf geeignete Orte für die Erkundung großer, metallreicher Erzlagerstätten geben. - So hat das Glück Methode.

Quelle: ntv.de, asc/AFP/dpa