Wasser und TücherWundermittel Wickel
Wenn der Hals kratzt oder der Bauch drückt, greifen viele Menschen zu rezeptfreien Medikamenten. Doch auch mit feuchten Wickeln und Auflagen kann man die verschiedensten Beschwerden lindern.
Wenn der Hals kratzt oder der Bauch drückt, greifen viele Menschen zu rezeptfreien Medikamenten. Doch es gibt günstige Alternativen: "Mit feuchten Wickeln und Auflagen kann man die verschiedensten Beschwerden lindern", sagt Antonius Pollmann vom Zentralverband der Ärzte für Naturheilverfahren und Regulationsmedizin in Freudenstadt (Baden-Württemberg). Schädliche Nebenwirkungen müssen nicht befürchtet werden. Die wesentlichen Zutaten -Wasser und Tücher -sind in jedem Haushalt vorhanden, sie müssen nur richtig angewandt werden.
Je nach Einsatzgebiet sind kalte oder warme Wickel gefragt. "Kalte Wickel werden vorrangig eingesetzt, um dem Körper Wärme zu entziehen, also bei Fieber oder bei Entzündungen", erklärt Pollmann. Zum Senken von hohem Fieber hat sich der Wadenwickel bewährt. "Er bleibt so lange auf der Haut, bis sich das feucht-kalte Tuch erwärmt hat. Das dauert gut eine halbe Stunde." Kalte Wickel können erneuert und mehrmals nacheinander angewandt werden. Allerdings darf der Patient nicht frieren.
Bleiben kalte Wickel 45 bis etwa 75 Minuten lang auf dem Körper, produzieren und stauen sie Wärme. Dadurch wird der Stoffwechsel angeregt und Krampfzuständen entgegen gewirkt. "Derselbe Effekt wird mit Wickeln erzielt, die gleich heiß angelegt werden und so lange auf dem Körper bleiben, wie sie als angenehm empfunden werden", sagt German Schleinkofer von der Sebastian-Kneipp-Schule in Bad Wörishofen (Bayern).
Ob kalt oder heiß: Wickel anzulegen ist vergleichsweise einfach, einige Regeln müssen aber beachtet werden. Auf keinen Fall sollte der Patient frieren, wie Schleinkofer erklärt. Ein warmes Fußbad und eine Tasse Tee sind gute Einstimmer, die außerdem für Entspannung sorgen. "Rauchen, der Genuss von Kaffee oder schwarzem Tee sollten hingegen vermieden werden: Das verengt die Blutgefäße und könnte die Wirkung reduzieren", warnt Heidrun Holstein von der Patientenberatung der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg in Karlsruhe.
Die meisten Wickel bestehen aus drei Lagen: einem feuchten Innentuch, einem trockenen Zwischentuch und dem wärmenden Außentuch. "Das Innentuch sollte aus hygienischen Gründen besonders gut waschbar und außerdem luftdurchlässig sein", rät Heidrun Holstein. So kann die Feuchtigkeit verdunsten und der Wärme-oder Kältereiz zu Stande kommen. "Ideale Materialien sind Leinen oder Baumwolle." Als Zwischentuch ist ebenfalls Baumwolle gut geeignet. Die Außenschicht kann aus Wolle oder Frottee bestehen.
Die zu behandelnde Körperstelle muss vom Wickel komplett abgedeckt sein. Das jeweils äußere Tuch sollte immer etwas größer sein als das darunter liegende. Der Wickel darf weder zu locker noch zu fest sitzen -entscheidend ist, dass der Patient sich wohl fühlt. Dafür muss auch die Temperatur stimmen. Sie wird entscheidend durch die Feuchtigkeit des Innentuches geregelt: Soll der Wickel den Körper zur Produktion von Wärme anregen, muss das Innentuch gut ausgewrungen werden. Soll er Wärme entziehen, kann das Tuch etwas feuchter sein.
Während sich Hals, Arme, Beine und Bauch gut umwickeln lassen, ist das bei der Brust schwieriger. Bei Atemwegsbeschwerden ist daher eine Auflage aus einem mehrfach gefalteten Tuch eine Alternative. Das gilt auch für punktuelle Beschwerden wie Insektenstiche. "Auflagen sind in der Regel kleinflächiger als Wickel. Außerdem halten sie die Wärme länger als Wickel", sagt Fachlehrer Schleinkofer.
Die heilende Wirkung von Wickeln und Auflagen kann durch Zusätze unterstützt werden. "Ein kalter Wickel mit Wirsing-oder Kohlblättern lindert Beschwerden in heißen, geröteten Gelenken", erklärt Pollmann. Die Kohlblätter werden mit einer Küchenrolle gequetscht, so dass die Rippen aufbrechen und Saft austritt. Dann werden sie versetzt wie Dachziegel auf die zu behandelnde Stelle gelegt und mit einem feuchten Innen-und einem weiteren Tuch umwickelt. Eine wärmende Hülle ist nicht notwendig.
Zinnkraut wirkt bei rheumatischen Beschwerden und Schwellungen. Speisequark kommt in kalten Wickeln bei Neurodermitis, Sonnenbrand oder Insektenstichen sowie bei Entzündungen im Hals-und Rachenbereich zum Einsatz. Fein gehackte Zwiebeln und zerdrückte, gekochte Kartoffeln gelten als gute Zusätze bei Ohrenschmerzen oder Erkrankungen der Atemwege. Kamille hemmt Entzündungen und beruhigt.
"Wenn die Beschwerden trotz Wickeln oder Auflagen mehrere Tage andauern, ohne dass eine Besserung eintritt, sollte ein Arzt aufgesucht werden", rät Holstein. In Absprache mit dem Mediziner können die Hausmittel meist begleitend zu einer Therapie mit Medikamenten weiter eingesetzt werden. Wer aber unter Thrombose, Herzerkrankungen oder Asthma leidet, sollte vorsichtshalber bereits vor der Anwendung von Wickeln den Arzt befragen.
Eva Neumann, dpa