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Es gibt kaum mehr Auffangkapazitäten für das radioaktive Wasser.
Es gibt kaum mehr Auffangkapazitäten für das radioaktive Wasser.(Foto: dpa)

Tepco sieht keinen Zusammenhang: Fukushimas Ex-Direktor hat Krebs

Schon länger gibt es Gerüchte um die Krankheit des ehemaligen Direktors von Fukushima. Nun ist klar: Er leidet an Speiseröhrenkrebs - der AKW-Betreibers Tepco hält aber einen Zusammenhang mit der Atomkatastrophe für "extrem unwahrscheinlich". Japan will indes seine Atomtechnologie weiter exportieren.

Der ehemalige Direktor des havarierten japanischen Atomkraftwerks Fukushima hat Speiseröhrenkrebs. Der 56-jährige Masao Yoshida, der Ende November aus gesundheitlichen Gründen von seinem Posten zurückgetreten war, habe bei einem Besuch der Anlage selbst darüber gesprochen, teilte die Betreiberfirma Tepco mit. "Er sorgte sich um die Spekulationen in den Medien über seine Krankheit", sagte eine Sprecherin. Eigentlich habe er sich in Ruhe auf seine Behandlung konzentrieren wollen, dann aber doch entschieden, offen damit umzugehen, um die Gerüchte zu beenden.

Yoshida (2.v.l) im September 2010.
Yoshida (2.v.l) im September 2010.(Foto: REUTERS)

Tepco zufolge ist es aber "extrem unwahrscheinlich", dass Yoshidas Krebserkrankung in direktem Zusammenhang mit der Atomkatastrophe in Fukushima steht. Sollte die direkte Aussetzung radioaktiver Strahlung überhaupt diese Krebsform auslösen, würde es mindestens fünf und im Durchschnitt normalerweise zehn Jahre dauern, bis er sich ausbreite, sagte die Tepco-Sprecherin unter Berufung auf Angaben von Ärzten. Ob Yoshida operiert worden sei und welche Behandlung er bekomme, sagte die Sprecherin nicht.

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Yoshida hatte das Atomkraftwerk seit Juni 2010 und damit auch nach dem am 11. März geleitet. Damals waren mehrere Reaktoren der Anlage schwer beschädigt worden. Es kam zur schlimmsten Atomkatastrophe seit dem Unglück von Tschernobyl im Jahre 1986. Wegen der Strahlenbelastung mussten etwa 80.000 Menschen ihre Häuser in der Gegend um das Atomkraftwerk verlassen. Unter extremen Bedingungen koordinierte Yoshida die Aufräum- und Reparaturarbeiten an den Reaktoren, deren Brennstäbe teilweise schmolzen und große Mengen von Radioaktivität freisetzten.

Tepco leitet doch kein Wasser ins Meer

Erst kürzlich meldete Tepco ein erneutes Leck in Fukushima.
Erst kürzlich meldete Tepco ein erneutes Leck in Fukushima.(Foto: REUTERS)

Unterdessen wurde bekannt, dass Tepco nun doch kein Strahlendes Wasser soll ins Meer aus dem havarierten Atomkraftwerk Fukushima ins Meer pumpen will. Nach Gesprächen mit Fischerei-Verbänden habe sich Tepco gegen den jüngst vorgestellten Plan entschieden, wie eine Unternehmenssprecherin erläuterte. Tepco-Geschäftsführer Junichi Matsumoto sagte, das Unternehmen werde versuchen, weitere Tanks zu bauen und mehr Wasser aufzubereiten, um es zur Kühlung zu nutzen.    

Tepco wollte im Frühjahr weniger stark belastetes Wasser ins Meer ablassen. Weil ständig Grundwasser in die Anlage fließe, müssten jeden Tag 200 bis 500 Tonnen Wasser aufgefangen und gelagert werden, hatte Tepco erklärt. Tepco gingen die Lagermöglichkeiten langsam aus, die Speicherkapazitäten von 155.000 Tonnen könnten um März herum ausgeschöpft sein.  

Im April hatte Tepco bereits zehntausende Tonnen leicht verstrahltes Wasser abgelassen, um Platz für stärker kontaminiertes Wasser zu schaffen. Dieser Schritt wurde von Anrainerstaaten wie China und Südkorea scharf kritisiert.

Parlament beschließt Export von Atomtechnologie

Japan will seine Atomtechnologie exportieren.
Japan will seine Atomtechnologie exportieren.(Foto: REUTERS)

Ungeachtet der Atomkatastrophe will Japan seine Kernkraftwerkstechnologie weiter exportieren. Das Parlament segnete entsprechende Japan sucht AKW-Käufer mit Jordanien, Russland, Südkorea und Vietnam ab. Japan hatte sich mit diesen Ländern bereits vor dem Unfall in Fukushima in Folge des Erdbebens und Tsunamis vom 11. März auf eine solche Zusammenarbeit im zivilen Bereich verständigt. Mit der Zustimmung des Oberhauses des Parlaments, in dem die Opposition die Mehrheit hat, ist der Weg für den Export japanischer Atomtechnologie an diese Länder nun geebnet. Die Beratungen im Parlament waren nach Beginn der Katastrophe in Fukushima zeitweilig ausgesetzt worden.

Der seit September amtierende Ministerpräsident Yoshihiko Noda sprach sich jedoch auch im Sinne der diplomatischen Beziehungen dafür aus, die getroffenen Vereinbarungen mit den vier Staaten zu erfüllen. Die japanische Industrie hofft, Atomkraftwerksanlagen an Jordan und Vietnam sowie Reaktorteile an Südkorea liefern zu können. Russland könnte Japan eine stabile Versorgung mit Kernbrennstoff sichern. Japan hat bereits bilaterale Atomvereinbarungen mit sieben Ländern: Australien, Großbritannien, Kanada, China, Frankreich, Kasachstan und den USA sowie mit der Europäischen Atomgemeinschaft (Euratom).

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Quelle: n-tv.de

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