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Der Angeklagte hatte ein umfassendes Geständnis abgelegt.
Der Angeklagte hatte ein umfassendes Geständnis abgelegt.(Foto: dpa)

Tod einer Rostocker Prostituierten: Täter handelte aus Mordlust

Das Urteil "lebenslang" kommt nicht überraschend. Zu grausam war der Mord an einer ukrainischen Prostituierten in Rostock im Jahr 2012. Auch nach dem Urteil herrscht Fassungslosigkeit über das Verbrechen.

Fast regungslos hört der junge Mann dem Vorsitzenden Richter am Landgericht Rostock zu, wie dieser das wegen Mordes gefällte Urteil "lebenslang" begründet. Was bleibt ist die Fassungslosigkeit über das grausame Verbrechen. Der Richter kann ebenso wenig wie ein Gutachter erklären, warum ein freundlich wirkender 22 Jahre alter Mann an einem Samstag im November 2012 zwei Jahre alte Mordfantasien in die Tat umsetzt und eine ukrainische Prostituierte tötet.

In seinen Gedanken habe der Täter schon einen früheren Ausbilder oder auch seine Cousine getötet, sagt der Richter, der sich auf das Geständnis des inzwischen Verurteilten bezieht. Solche Fantasien können Menschen eigen sein, wie er hinzufügt. Doch die Lektüre über Serienmörder oder Spaß am Schlachten eines Schweines, den der Verurteilte nach eigenen Angaben hatte, können nicht als ausreichende Erklärung für diesen Mord genügen, den der Richter "grausam und barbarisch" nennt. "Die Triebfeder war Mordlust", sagt er.

Bis ins Detail plante der heute 23 Jahre alte Metzger-Auszubildende den Mord an der 52 Jahre alten Prostituierten, die damals erst kurze Zeit in der Rostocker Wohnung arbeitete. Als Opfer sei sie völlig austauschbar gewesen, ein Zeichen für Mordlust. "Er wollte dieses Hochgefühl erleben", sagt der Richter. Der Verurteilte tötete die Frau mit Stichen in Bauch und Rücken sowie mit Schnitten in den Hals. Das Messer aus dem Lehrbetrieb hat eine 18 Zentimeter lange Klinge.

Furchtbare Erinnerungen

Die Tat hat der Verurteilte selbst bereits am ersten Prozesstag als schrecklich bezeichnet. "Dieser Schrei, dieses Gesicht, das kann kein Film oder Bestseller-Autor beschreiben." Der Richter betont aber in seiner Urteilsbegründung zweimal, wie der Mann nach eigener Aussage gelacht hat, als die Frau starb.

Der Plan schien perfekt. Als die Tote nach acht Tagen gefunden wurde, waren die Ermittler völlig ratlos. Der Täter wusste, selbst wenn seine Fingerabdrücke gefunden worden wären - in einer Wohnung mit dieser Art von Publikumsverkehr wäre dies kein starkes Indiz gewesen. Seiner Mutter hatte er nach eigenen Angaben vor der Tat erklärt, dass er zu einer Hausschlachtung gehe, um eventuelles Blut an den Kleidern erklären zu können. Aus der Wohnung der Ukrainerin habe er 90 Euro mitgenommen, um an einen Raubmord glauben zu lassen.

Verfolgt und bedrängt von der eigenen Tat aber stellte er sich und legte ein umfassendes Geständnis ab. Ohne dieses wäre eine Aufklärung womöglich nie möglich gewesen, waren sich die Prozessbeteiligten einig. Eine Tatsache, die ihm beim Urteil die Feststellung der besonderen Schwere der Schuld ersparte und ihm in 15 Jahren die Rückkehr in die zivile Gesellschaft ermöglichen kann.

"Man fragt sich natürlich, ob er krank ist", sagt der Richter. Es gebe aber keine Hinweise darauf. Laut psychiatrischem Gutachter war der Mann bei seiner Tat kühl und rational, es gebe keine Anzeichen von Impulsivität oder Sadismus, Bewusstseinstrübung oder klinisch relevanten Persönlichkeitsstörungen. "Ein organisierter Tätertyp mit kalter Aggression", hatte der Gutachter festgestellt.

Der junge Mann selbst, der in einer Band Gitarre spielte und eigene Lieder schrieb, konnte das Geschehen in seinem Hirn kaum beschreiben. Er schilderte aber, wie er das Verbrechen heute sieht: "Das ist nichts Schönes, einen Menschen zu töten. Das hat niemand verdient", sagte er am ersten Prozesstag erschrocken von sich selbst. Mit seinem Geständnis wollte er wohl reinen Tisch machen - "dafür muss ich geradestehen", sagte er.

Quelle: n-tv.de

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