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Seit dem Beginn des Bundeswehreinsatzes in Afghanistan fielen 52 deutsche Soldaten. Dass 2012 niemand ums Leben kam, hat die Truppe laut ranghohen Militärs auch besserer Ausrüstung zu verdanken.
Seit dem Beginn des Bundeswehreinsatzes in Afghanistan fielen 52 deutsche Soldaten. Dass 2012 niemand ums Leben kam, hat die Truppe laut ranghohen Militärs auch besserer Ausrüstung zu verdanken.(Foto: REUTERS)

Militärs preisen Sicherheitslage: 2012 fällt kein Bundeswehrsoldat

Ranghohe Militärs sind sich einig: Die Sicherheitslage in Afghanistan verbessert sich deutlich. Ein Beleg dafür ist ihrer Meinung nach unter anderem, dass seit mehr als eineinhalb Jahren kein Deutscher mehr gefallen ist. Selbst von Frieden mit den Taliban ist die Rede.

Erstmals seit Beginn des Einsatzes in Afghanistan hat die Bundeswehr im vergangenen Jahr keinen Toten zu beklagen. Der Kommandeur der Internationalen Schutztruppe Isaf für Nordafghanistan, Bundeswehr-General Erich Pfeffer, und der Wehrbeauftragte Hellmut Königshaus sehen vor diesem Hintergrund eine "Trendwende" im deutschen Einsatzgebiet. "Die Sicherheitslage im Norden Afghanistans hat sich in den vergangenen 18 Monaten deutlich verbessert", sagte Pfeffer. Zuletzt war am 2. Juni 2011 ein deutscher Soldat getötet worden. Seit Beginn des Afghanistan-Engagements vor elf Jahren starben 52 Bundeswehr-Soldaten, 34 davon bei Angriffen und Anschlägen.

Königshaus führte die positive Entwicklung der Sicherheitslage in Nordafghanistan unter anderem auf die deutlich verbesserte Ausrüstung der Bundeswehr zurück. "Die Gefährdung der Soldaten hat auch deswegen abgenommen, weil wir sie nicht mehr mit offenen Campingwagen durchs Gebirge schicken, sondern weil wir geschützte Fahrzeuge in ausreichender Zahl haben", sagte er. "Wir haben bei der Schutzausrüstung ein Niveau erreicht, das wirklich am oberen Rand dessen liegt, was auch bei den Verbündeten üblich ist."

1000 Soldaten auch nach 2014 in Afghanistan

In der Vergangenheit hatte der Wehrbeauftragte des Bundestags immer wieder Ausrüstungsdefizite beklagt. Er pochte jetzt darauf, dass die deutschen Soldaten auch nach dem offiziellen Ende des Nato-Kampfeinsatzes 2014 ausreichend geschützt werden. "Dass dafür Sicherungskräfte zur Verfügung gestellt werden müssen, ist klar." Königshaus geht davon aus, dass die Bundeswehr auch nach 2014 mit mindestens 1000 Soldaten in Afghanistan bleiben muss. "Das ist eine Entscheidung des Deutschen Bundestages auf Grundlage eines Antrages der Bundesregierung. Die genannte Zahl erscheint mir jedoch nicht zu groß."

Die internationalen Truppen sollen ab 2015 vor allem zur Ausbildung und Beratung der einheimischem Sicherheitskräfte in Afghanistan bleiben. Pfeffer hält allerdings auch dann noch deutsche Opfer für möglich. "Beim Einsatz von Streitkräften können Sie das Risiko von Tod und Verwundung nie ausschließen", sagte er. "Aber ich bin sicher, dass alle notwendigen Maßnahmen des Eigenschutzes und der Rettungskette vorbereitend getroffen werden."

Die Verbesserung der Sicherheitslage schließt Pfeffer nicht nur aus der reinen Statistik. "Wesentliches Kennzeichen dafür ist vor allem die zunehmende Fähigkeit der afghanischen Sicherheitskräfte, diese Vorfälle eigenständig zu beherrschen." Aus der Bevölkerung würden afghanische Armee und Polizei zunehmend unterstützt. Im abgelaufenen Jahr hätten die einheimischen Sicherheitskräfte "schrittweise und erfolgreich die Verantwortung bei der Planung und Durchführung der Sicherheitsaufgaben" übernommen. Sie seien mittlerweile bei praktisch allen Operationen in Nordafghanistan federführend.

Vermittler glaubt an Frieden

Auch der ranghohe Vermittler zwischen radikal-islamischen Taliban und der Internationalen Schutztruppe (Isaf), Mohammed Masoom Staneksai, zeigt sich zuversichtlich. Er erwartet, dass die Parteien in dem Land bald ein dauerhaftes Friedensabkommen verabschieden könnten. Alle beteiligten Parteien sähen mittlerweile ein, dass niemand den jahrelangen Konflikt auf militärischem Wege gewinnen könne, erklärte Staneksai. Die Regierung in Kabul hoffe dabei, die Taliban in eine politische Bewegung umwandeln zu können. Auch die gefürchtete Rebellengruppe Hakkani werde sich Friedensverhandlungen anschließen, wenn die Taliban formalen Gesprächen zustimmten, sagte der Unterhändler voraus.

Zuletzt gab es Anzeichen dafür, dass die Regierung in Kabul ihrem Ziel etwas näher kommt, die Taliban vor dem Abzug der Nato-Truppen Ende 2014 zur Niederlegung der Waffen zu bewegen. Auch das Nachbarland Pakistan, dem die Unterstützung der Taliban vorgeworfen wird, hat verstärkt angedeutet, die afghanische Regierung und die USA bei dem Bemühen um dauerhafte Stabilität wie bereits seit langem versprochen nun ernsthaft unterstützen zu wollen.

Immer mehr afghanische Soldaten sterben

Auch bei jüngsten Gesprächen in Frankreich habe unter den Konfliktparteien Einigkeit darüber geherrscht, dass nun endlich ein Verhandlungsprozess nötig sei, erklärte Staneksai, der 2011 bei einem Selbstmordanschlag der Taliban schwer verletzt wurde. "Sinn und Zweck eines Friedensprozesses ist, das alle Afghanen Teil des politischen Systems sind", sagte Staneksai, der im britischen Cambridge studiert hat und Erfahrungen als Beauftragter für Entwaffnung in dem afghanischen Konflikt gesammelt hat. "Dieser Friedensprozess sollte nicht nur ein Deal zwischen ein paar Leuten oder zwischen der Regierung und den Taliban sein, sondern alle sollten davon profitieren, und alle sollte sich davon für sich persönlich eine friedliche Zukunft versprechen." Schon in diesem Jahr könne es einen Durchbruch bei den Friedensbemühungen geben, auch wenn die Geschehnisse in dem Land unvorhersehbar seien, erklärte Staneksai.

Ein Dämpfer für all diesen Optimismus müssten allerdings Statistiken des Bundesverteidigungsministeriums darstellen. Demnach stiegen mit dem Anteil des Einsatzes von afghanischen Soldaten und Polizeikräften an der Sicherheitsverantwortung deren Verluste drastisch. 2012 starben laut dem Ministerium 1056 afghanische Soldaten - die höchste Zahl seit dem Sturz der Taliban 2001.

Quelle: n-tv.de

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