Politik

Afghanistan-Einsatz wird ziviler: AA führt das Wiederaufbauteam

Symbolträchtige Übergabe im nordafghanischen Kundus: Das Auswärtige Amt führt an sofort alleine das dortige Wiederaufbauteam. Die verbesserte Sicherheitslage erlaubt, dass die Bundeswehr immer weiter in den Hintergrund tritt.

Sieht nicht sehr friedlich aus: Versorgungskonvoi der Bundeswehr im Feldlager in Kundus.
Sieht nicht sehr friedlich aus: Versorgungskonvoi der Bundeswehr im Feldlager in Kundus.(Foto: dpa)

Zwei Jahre vor dem Ende des Nato-Kampfeinsatzes in Afghanistan zieht sich die Bundeswehr in ihrem nördlichen Einsatzgebiet weiter aus der Verantwortung zurück. Das Auswärtige Amt (AA) übernahm die Führung über das zivil-militärische Wiederaufbauteam (PRT) in Kundus, dem bislang eine Doppelspitze aus Bundeswehr und AA vorstand. "Unser Afghanistan-Engagement bekommt zunehmend ein ziviles Gesicht", teilte Außenminister Guido Westerwelle mit. Ein Bundeswehr-Sprecher in Kundus sagte: "Wir treten als Militärs in die zweite Reihe zurück." Die Sicherheitslage in der Region habe sich deutlich verbessert.

Das AA teilte mit, Leiter des PRT Kundus werde mit Helmut Landes ein erfahrener Diplomat. Landes hatte zuvor das Wiederaufbauteam im nordöstlichen Feisabad geführt, das im vergangenen Monat an die Afghanen übergeben worden war. Das Wiederaufbauteam in Kundus - das letzte der einst zwei deutschen PRT - soll bis Ende kommenden Jahres geschlossen werden. Die Schließung bedeutet aber nicht zwingend die Aufgabe des dortigen Camps oder den Abzug aller deutschen Soldaten.

In dem Feldlager in Kundus sind auch Truppen stationiert, die schon bislang nicht dem Befehl des militärischen Kommandeurs in Kundus, sondern dem des Regionalkommandos Nord der Internationalen Schutztruppe Isaf in Masar-i-Scharif unterliegen. Noch ist nicht entschieden, welche Standorte in Afghanistan von der geplanten Isaf-Nachfolgemission von 2015 an genutzt werden sollen. Derzeit sind nach Angaben der Bundeswehr gut 2000 Isaf-Soldaten in Kundus stationiert, davon mehr als 1100 Deutsche.

Abzug nach Plan

Westerwelle teilte mit: "Der Abzug der deutschen Truppen wird planmäßig umgesetzt. Dies haben wir mit unserem Vorschlag für ein neues Afghanistan-Mandat unterstrichen." Westerwelle und Verteidigungsminister Thomas de Maizière hatten am Vortag vorgeschlagen, die Bundeswehrtruppe in Afghanistan bis Ende Februar 2014 von derzeit 4760 auf 3300 Soldaten zu verkleinern. Das Kabinett soll am 28. November entscheiden, das letzte Wort hat der Bundestag.

Im Juli hatte die Bundeswehr bereits die Verantwortung für die Sicherheit in der Provinz Kundus an die Afghanen übergeben. Seit Beginn des Bundeswehr-Einsatzes in Kundus Ende 2003 wurden in der Provinz 15 deutsche Soldaten bei Anschlägen und Angriffen getötet - mehr als in jeder anderen Region Afghanistans. Insgesamt kostete der Afghanistan-Einsatz 52 Soldaten der Bundeswehr das Leben, 34 davon starben bei Anschlägen und Angriffen.

Seit mehr als 17 Monaten hat die Bundeswehr am Hindukusch keinen Gefallenen zu beklagen. Im nordafghanischen Einsatzgebiet der Truppe kommt es aber immer wieder zu Angriffen, bei denen auch Deutsche verletzt werden.

Quelle: n-tv.de

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