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Prostitution ist in Frankreich verboten.
Prostitution ist in Frankreich verboten.(Foto: picture-alliance/ dpa)

Prostituierte von der Straße holen: Paris streitet um Bordell-Verbot

In Frankreich gibt es etwa 18.000 bis 20.000 Prostituierte. Sie arbeiten illegal und ohne Schutz. Das soll mit der Wiedereröffnung von Bordellen geändert werden.

Ein wenig genervt wirken die Polizisten, als sie die Prostituierten auffordern, endlich mit ihrer Demonstration zu beginnen. Einer der Wartenden kann sich ein Lachen nicht verkneifen: "Das ist das erste Mal, dass die Polizei uns auf der Straße haben will." Dann beginnt der Protestzug der weiblichen, männlichen und transsexuellen Sexarbeiter, der auf der Pariser Rue de Médicis am eleganten Park Jardin du Luxembourg entlangführt. Mit Plakaten und Sprechchören fordern die Prostituierten eine Legalisierung ihrer Arbeit. Das Medieninteresse ist ihnen gewiss, denn in Frankreich ist eine lebhafte Debatte über die Wiedereröffnung von Bordellen entbrannt.

Diese sind seit 1946 in Frankreich verboten. Eine Abgeordnete der konservativen Regierungspartei UMP will das nun ändern. "Wir müssen den Prostituierten Räume schaffen, in denen sie arbeiten können", sagt Chantal Brunel. Jetzt müssten die Frauen heimlich arbeiten, in Außenbezirken und Wäldern, ohne jeden Schutz vor Gewalt und von kriminellen Zuhältern regelrecht "versklavt". "Wir sind das Land der Menschenrechte. Wir können das nicht zulassen", meint Brunel.

Mit Bordellen gegen Prostitution kämpfen

Bordelle bieten zum Beispiel mehr Schutz vor kriminellen Zuhältern.
Bordelle bieten zum Beispiel mehr Schutz vor kriminellen Zuhältern.(Foto: picture-alliance/ dpa)

Dabei weiß die Abgeordnete eine Mehrheit der Franzosen hinter sich: In einer kürzlich veröffentlichten Umfrage sprechen sich 59 Prozent der Befragen dafür aus, Bordelle wieder zu erlauben. Das Innenministerium hat eine Arbeitsgruppe eingerichtet, um, wie Brunel es ausdrückt, "über die Prostitution in ihrer Gesamtheit zu sprechen". Dabei müsse eines aber klar sein: Sollten Bordelle wieder erlaubt werden, dann gelte es, Prostitution außerhalb der Etablissements streng zu bekämpfen, sagt Brunel. Überhaupt sei sie keine Verfechterin der Prostitution: "Ich will, dass es keine Prostitution mehr gibt. Aber es wäre Wunschdenken zu glauben, dass dies Realität werden könnte. Vor dieser Wahrheit dürfen wir nicht mehr unsere Augen verschließen."

Bei Jean-Sébastien Mallet stellen sich bei solchen Sätzen die Nackenhaare auf. "Prostitution ist immer Gewalt an Frauen", sagt der Mitarbeiter der Organisation Fondation Scelles, die der sexuelle Ausbeutung von Frauen den Kampf angesagt hat und ein rigoroses Vorgehen gegen Prostitution fordert. "Keine Frau übt diesen Beruf wirklich freiwillig aus." Daher müsse alles getan werden, um die Zahl der Sexarbeiterinnen zu begrenzen. "In Frankreich gibt es etwa 18.000 bis 20.000 Prostituierte. Wenn man wieder Bordelle einführen würde, würde sich diese Zahl verdreifachen."

Prostituierte gegen Bordelle

Auch bei den Prostituierten, die auf der Rue de Médicis demonstrieren, kommt der Vorstoß der UMP-Abgeordneten nicht besonders gut an. "Die Debatte um Bordelle ist vollkommen anachronistisch", sagt Gilda von der Prostituierten-Vereinigung Gewerkschaft der Sexarbeit. "Das Problem ist nicht, dass vor 60 Jahren die Bordelle geschlossen wurden, sondern dass uns die heutigen Gesetze am Arbeiten hindern." Sexarbeiter müssten als normale Selbstständige anerkannt werden und ihren Beruf ausüben dürfen, wo sie wollten.

Besonders stark in der Kritik steht ein Gesetz aus dem Jahr 2003, das dem Straßenstrich den Garaus machen sollte. War vorher nur das "aktive" Anwerben von Freiern verboten, können die Prostituierten nun auch für das "passive" Warten auf Kundschaft verurteilt werden. Der Innenminister, der das umstrittene Gesetz damals durchboxte, der heutige Staatschef Nicolas Sarkozy, sagte seinerzeit: "Ich sehe nicht, in wessen Namen man Pariser dazu verurteilen sollte, auf ihrem Nachhauseweg Spaliere von Prostituierten, Zuhältern und den dazu gehörigen Kunden abzugehen." Ob der als Hardliner geltende Sarkozy sich heute für eine Liberalisierung im Rotlicht-Milieu erwärmen kann, ist zumindest zweifelhaft.

Quelle: n-tv.de