Mittwoch, 23. Juni 2010
Blockade durch Streik in Griechenland: Urlauber sitzen fest
Viele Griechenland-Urlauber sitzen wegen eines Streiks im Hafen von Piräus fest. Aus Angst vor einer Welle von Reise-Stornierungen plant die Regierung in Athen, Touristen für Unannehmlichkeiten zu entschädigen.
Touristen warten im Fährhafen in Piräus: Mitglieder der Kommunistischen Partei (KKE) und der ihr nahestehenden Gewerkschaft (PAME) verhindern ...
(Foto: AP)
Ein wilder Streik hat den größten Hafen von Griechenland lahmgelegt. Mitglieder der Kommunistischen Partei (KKE) und der ihr nahestehenden Gewerkschaft (PAME) verhinderten in Piräus vom frühen Morgen an das Auslaufen der Fähren zu den Ägäis-Inseln. Hunderte Touristen mussten stundenlang im Hafen in der glühenden Sonne ausharren. Viele wurden vorübergehend in Hotels der Stadt untergebracht. Um die Mittagszeit gingen rund 3000 Mitglieder der kommunistischen Gewerkschaft in Athen auf die Straße und demonstrierten friedlich gegen die Sparmaßnahmen der Regierung.
Die Seeleute setzten sich mit ihrem Protest gegen die Sparpolitik der Regierung über die Entscheidung eines Gerichts hinweg, das den Streik am Vorabend für illegal erklärt hatte. In einigen Fällen kam es zu Tumulten mit Gewerkschaftsmitgliedern, wie das Fernsehen zeigte. Der Streik sollte um Mitternacht enden.
Gerichtsentscheidung "egal"
Die kommunistischen Gewerkschafter erklärten, ihnen sei "egal", was die Gerichte in Sachen Streik entschieden. "Recht ist das Recht des Arbeiters", skandierten sie immer wieder. Der internationale Seeverkehr zwischen Italien und Griechenland in Adria und Ionischem Meer sei von dem Ausstand nicht betroffen, hieß es im Radio.
Die zwei größten Gewerkschaftsverbände des privaten und des staatlichen Sektors (GSEE und ADEDY) wollen am 29. Juni abermals mit landesweiten Streiks gegen die Sparmaßnahmen protestieren. Das Paket der Regierung sieht unter anderem einen Einstellungsstopp im öffentlichen Dienst und Gehaltskürzungen für Beamte vor sowie erhebliche Einsparungen im Sozialbereich und die Erhöhung des Rentenalters von 61 auf 65 Jahre. Die Griechen müssen bis Ende 2012 rund 30 Milliarden Euro sparen. Damit soll ein drohender Staatsbankrott angewendet werden.
Touristen sollen entschädigt werden
Der Tourismus, eine wichtige Säule der griechischen Wirtschaft, leidet unter den andauernden Streiks. Die Hotelierskammer von Athen rief die Seeleute auf, ihre Streiks bis zum Saisonende einzustellen. Die Tourismuseinnahmen seien in den ersten fünf Monaten des Jahres um etwas mehr als zehn Prozent gesunken. Die Branche könne keine weiteren Schläge mehr vertragen, hieß es.
Um einer Welle von Stornierungen zuvorzukommen, hat die Regierung in Athen versprochen, Touristen für Unannehmlichkeiten zu entschädigen. So würden zusätzliche Hotel- sowie Reisekosten übernommen, kündigte Kulturminister Pavlos Geroulanos an. Der Tourismus macht rund 17 Prozent des Bruttoinlandsprodukts aus.
abe/dpa/AFP
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