Wirtschaft
Wann der Börsengang stattfindet, steht noch nicht fest.
Wann der Börsengang stattfindet, steht noch nicht fest.(Foto: REUTERS)

Wall Street reibt sich die Hände: Twitter will an die Börse

Twitter nimmt seinen Börsengang in Angriff. Für die Techbranche dürfte der Schritt eines der wichtigsten Ereignisse seit Jahren werden. Denn private Investoren bewerten Twitter mit mehr als 10 Milliarden Dollar.

Twitter wagt sich an die Börse. Das Unternehmen aus San Francisco teilte konsequenterweise per Tweet mit, es habe bei der US-Börsenaufsicht SEC einen vertraulichen Antrag für eine Neuemission eingereicht. Weitere Einzelheiten nannte Twitter aber nicht.

Bei einem vertraulichen Antrag müssen die Börsenanwärter zunächst keine Finanzdaten veröffentlichen. Diese kann Twitter nun solange unter Verschluss halten, bis das Unternehmen klarer bei den Aussichten für den Börsengang sieht und der anvisierte Termin näher rückt. Erst kurz vor der Roadshow vor Investoren müssen Details bekanntgegeben werden. Allerdings muss ein Bewerber bestimmte Kriterien erfüllen. Dazu zählt ein Umsatz unter 1 Milliarde Dollar. Laut dem Marktforscher eMarketer ist Twitter auf dem Weg, in diesem Jahr Werbe-Erlöse von 583 Millionen Dollar zu erzielen. Werbung ist die Haupteinnahmequelle des Dienstes.

Durch die Geheimhaltung kann Twitter nun auch in Ruhe eventuelle Fragen mit der Börsenaufsicht klären. Das kann vor bösen Überraschungen schützen: So hatte die SEC die Bilanzierung im Prospekt des Schnäppchenportals Groupon öffentlich als zu kreativ kritisiert - was zu Negativschlagzeilen und letztlich zu einer Korrektur des Zahlenwerks führte.

Börsianer sind sich uneins

"Das heißt, sie haben etwas zu verbergen", sagte der Analyst Trip Chowdhry von Global Equities Research mit Blick auf den vertraulichen Antrag. "Wir wissen nicht, wie es dem Unternehmen seit zwei Jahren geht. Das stellt die Glaubwürdigkeit der Firmenführung infrage." Einen "großen Erfolg" für den Börsengang erwartet hingegen der Investor Lou Kerner. Er verwies auf das enorme Wachstum von Twitter sowie die "Love Story" der Märkte mit den sozialen Netzwerken.

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Wie US-Medien anmerkten, wählen im Silicon Valley mittlerweile viele Unternehmen den vertraulichen Weg. Es sei aber das erste Mal, dass eine Firma diesen Schritt auch öffentlich mache, schrieb die renommierte Technologie-Website "All Things D".

Analyst Max Wolff von Greencrest Capital geht davon aus, dass der Dienst noch im laufenden Jahr die Gewinnschwelle knackt. Dazu tragen dann auch die vermehrten Marketingmöglichkeiten über Twitter bei. Für mehr Einfluss dürfte auch eine SEC-Entscheidung sorgen: Sie hat Unternehmen erlaubt, auch wichtige Informationen wie Quartalszahlen über die Kommunikationsplattform zu verbreiten.

Banken stehen Schlange

Bis zum eigentlichen Börsengang kann es jedoch noch Monate dauern - und er kann letztlich auch abgeblasen werden. In der nächsten Zeit dürften beteiligte Banken zunächst die Nachfrage der Anleger nach den Twitter-Aktien ausloten, erst ganz am Ende wird der Preis festgelegt.

Die Pläne haben bereits alle namhaften Wall-Street-Banken auf den Plan gerufen, die alle eine Rolle beim Börsendebüt spielen wollen. Kreisen zufolge wird Goldman Sachs Konsortialführer. Für die beteiligten Geldhäuser dürfte sich der Twitter-Börsengang auszahlen. Sollte Twitter lediglich zehn Prozent seiner Anteile an die Börse bringen, könnten die Konsortialbanken zusammen bis zu 50 Millionen Dollar einnehmen, wie aus Berechnungen von Freeman & Co. hervorgeht.

Infos für die Welt in Sekundenschnelle - Twitter macht es möglich.
Infos für die Welt in Sekundenschnelle - Twitter macht es möglich.(Foto: REUTERS)

Twitter hatte sich erst vor wenigen Tagen mit der Übernahme einer Online-Werbefirma schick für die Börse gemacht. Der Multimillionen Dollar schwere Zukauf MoPub hilft Unternehmen, Werbung in mobilen Apps zu schalten. Das Werbegeschäft auf Smartphones und Tablets war bei Facebook zum Zeitpunkt des Börsengangs im Mai 2012 ein Schwachpunkt gewesen.

In den vergangenen Monaten war immer wieder über einen bevorstehenden Börsengang von Twitter spekuliert worden. Der katastrophal gelaufene Börsenstart von Facebook vor einem Jahr dürfte jedoch abschreckend gewirkt haben. Der Facebook-Kurs war nach der von Pannen überschatteten Neuemission zunächst eingebrochen. Mittlerweile haben die Anleger aber das Vertrauen in Facebook wiedergewonnen, und die Aktie erreichte im Laufe des Donnerstags einen neuen Höchststand. Das könnte für Twitter das Startsignal für den eigenen Sprung aufs Parkett gewesen sein.

An Relevanz stark gewonnen

Der Wert von Twitter wurde zuletzt auf 10 Milliarden bis 15 Milliarden Dollar geschätzt. Der Börsengang könnte damit zu einem der größten in der Technologieszene in diesem Jahr werden. Zum Vergleich: Facebook ist nach der Erholung des Aktienkurses rund 109 Milliarden Dollar wert.

Das im Jahr 2006 gegründete Unternehmen ist eines der am schnellsten wachsenden sozialen Online-Netzwerke und hat nach eigenen Angaben mehr als 200 Millionen aktive Nutzer weltweit. Einer Analyse der Webseite "Statistic Brain" zufolge hat die Kommunikationsplattform sogar mehr als 500 Millionen aktive Nutzer und wächst täglich um 135.000 Mitglieder.

Twitter hat sich rund um den Globus zu einem häufig eingesetzten Kommunikationsmittel entwickelt, täglich werden mehr als 400 Millionen Tweets abgesetzt. Die Twitter-Nutzer können sich untereinander vernetzen und Kurzbotschaften verschicken. Diese Tweets dürfen maximal 140 Zeichen lang sein. Oft werden dabei auch Verlinkungen zu Internetseiten, Fotos oder anderen Dokumenten versendet.

Nicht nur in der Unterhaltungsbranche erfreut sich Twitter großer Beliebtheit. Viele Sänger und Schauspieler wenden sich über die Kommunikationsplattform an ihre Fans. Der kanadische Teeniestar Justin Bieber hat mehr als 44 Millionen "Follower", also Nutzer, die seine Kurznachrichten verfolgen. Der führende Politiker ist US-Präsident Barack Obama, der immerhin auf mehr als 36 Millionen "Follower" kommt.

Die Plattform, die anfangs als Netzwerk zum Austausch von Belanglosigkeiten belächelt wurde, hat in den vergangenen Jahren stark an politischer und gesellschaftlicher Relevanz gewonnen. Die Demonstranten in der arabischen Welt nutzten Twitter, um die staatliche Zensur zu umgehen und ihre Aktivitäten zu koordinieren. Beim Bombenanschlag auf den Marathon in Boston war Twitter eine der besten Informationsquellen.

Quelle: n-tv.de

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