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Umleitung in den Süden Lufthansa fliegt nicht nach Tokio

Die drohende Verstrahlung Tokios beeinträchtigt den internationalen Flugverkehr. Die Lufthansa steuert die japanische Hauptstadt vorerst nicht mehr an und verlagert Flüge in Städte im Süden des Landes. Große Touristikkonzerne sagen zudem ihre Reisen nach Japan ab.

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Ein Lufthansa-Airbus am Frankfurter Flughafen: LH fliegt zunächst nicht mehr nach Tokio.

Die Lufthansa fliegt wegen der Atomkrise zunächst nicht mehr nach Tokio. Die Flüge werden in die etwas weiter südlich gelegenen Städte Osaka und Nagoya umgeleitet. Die Fluggesellschaft will ihre Flüge nach Japan aber grundsätzlich aufrechterhalten. Diese Entscheidung gelte bis einschließlich kommenden Sonntag (20. März). "Dann bewerten wir die Lage neu", sagte ein Lufthansa-Sprecher. Auch Air China und EVA Airways strichen Verbindungen nach Tokio, andere Airlines prüfen ähnliche Schritte.

Der Lufthansa-Sprecher sagte, die Fluggesellschaft habe die Entscheidung, Tokio nicht mehr anzufliegen, "aus verschiedenen Gründen" getroffen. Das Unternehmen wolle auf diese Weise weiterhin "einen ausreichend stabilen Service" anbieten. Die mögliche Gefahr durch Strahlung nach dem Unfall im Atomkraftwerk Fukushima sei nicht ausschlaggebend gewesen, aber in die Entscheidung "sicherlich eingeflossen".

"Keine große Welle an Stornierungen"

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Die Lufthansa lässt aus Japan ankommende Flüge seit 12. März auf Radioaktivität überprüfen.

(Foto: dpa)

Die Lufthansa ließ in München und Frankfurt zwei Maschinen überprüfen, die am Montag aus Tokio zurückgekehrt waren. Dabei sei keine radioaktive Strahlung festgestellt worden, erklärte ein Firmensprecher. Dennoch habe sich Deutschlands größte Airline dafür entschieden, Tokio vorerst nicht mehr anzusteuern. Zwei Flüge, die am Dienstag aus München und Frankfurt starten, werden statt Tokio nun die Städte Osaka und Nagoya ansteuern. Sie liegen südwestlich von Tokio und sind weit vom Katastrophen-Reaktor in Fukushima entfernt. Zudem gibt es planmäßig zwei weitere Lufthansa-Flüge nach Osaka und Nagoya. "Wir gehen davon aus, dass wir diesen Sonderflugplan bis zum Wochenende fliegen können", sagte der Sprecher. Alle Flüge - auch in Richtung Japan - seien gut besetzt. "Es gibt keine große Welle an Stornierungen."

Viele großen Fluggesellschaften wie American Airlines, Delta Airlines und Air-France-KLM steuern Tokio derzeit noch an, ziehen parallel dazu jedoch Mitarbeiter aus Tokio ab. Air-France-KLM habe sämtliche Crew-Mitglieder nach Osaka verlegt, sagte ein KLM-Sprecher. Nach Angaben der US-Flugbehörde FAA ist durch eine Flugverbotszone derzeit sichergestellt, dass alle Maschinen in Japan einen großen Bogen um den Reaktor in Fukushima fliegen, von dem radioaktive Strahlung ausgeht. Sollte sich die Situation in Fukushima verschlimmern und größere Gebiete verstrahlt werden, sei die Behörde darauf vorbereitet, Flüge umzuleiten.

"Sobald in Tokio radioaktive Strahlung gemessen wird, werden alle Flüge eingestellt", ist sich Jörg Handwerg von der Pilotenvereinigung Cockpit (VC) sicher. Wenn Flugzeuge durch eine radioaktive Wolke fliegen, würden Crew und Passagiere verstrahlt. "Die relativ dünne Außenhülle der Flugzeuge bietet dagegen keinen Schutz", sagte Handwerg. "Zudem wird permanent Luft von außen für die Belüftung der Kabinen angepumpt." Anders als bei der Aschewolke nach dem Vulkanausbruch auf Island lasse sich Radioaktivität relativ einfach messen. "Alle Fluggesellschaften werden deshalb sofort Konsequenzen ziehen, sobald Strahlung in Tokio gemessen wird." Bisher sei das nicht der Fall gewesen.

Reiseveranstalter sagen Reisen ab

Nach Angaben einer Sprecherin des Deutschen Reiseverbands (DRV) sagten die meisten Veranstalter ihre Japan-Reisen bis Ende März oder Mitte April ab. Auch der größte deutsche Reiseanbieter TUI teilte mit, alle Reisen nach Japan bis zum 4. April seien gestrichen worden. Dies betreffe aber nur etwa ein Dutzend Touristen, sagte ein Sprecher. Bei Japan-Reisen handele es sich um einen "einen sehr kleinen Markt". Im vergangenen Jahr besuchten nach DRV-Angaben 124.000 Deutsche Japan.

Der zweitgrößte deutsche Reiseveranstalter Thomas Cook sagte seine Reisen nach Japan bis zum 31. März ab. Betroffen seien davon nur "nur wenige" Reisen. Während des Erdbebens waren demnach keine Thomas-Cook-Kunden vor Ort.

Quelle: n-tv.de, dpa/rts/AFP

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23.04.09