Auto

Verbindung von Spaß und Nutzen Auf Klassikerfahrt bei der Creme21 Youngtimer Rallye

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Dass dieser Renault 21 die Creme21-Rallye fährt, kann und will er kaum verhehlen.

(Foto: Patrick Broich)

Young- und Oldtimer dienen als Alltagsklassiker und als Gelegenheitsfahrzeuge für besondere Anlässe. Im Rahmen der Creme21 Rallye hatte ntv.de ausgiebig Gelegenheit, den Renault 21 und den VW Golf R32 zu fahren. Während der Franzose längst Oldie-Status hat, ist der Wolfsburger erst auf dem Weg dahin.

Wenn man in diesen Zeiten die Nachrichtenlage verfolgt, kann einem angst und bange werden. Eine Krise jagt die nächste - Inflation, Klimakrise und Krieg, was kommt noch? Schlechte Nachrichten für überflüssigen Genuss-Konsum, und in diese Kategorie fallen wohl auch klassische Autos mit dem einzigen Zweck, Spaß zu bringen.

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Trotz Schürze mit großen Lufteinlässen wirkt der VW R32 dezent.

(Foto: Patrick Broich)

Doch ist das wirklich so? Historische Autos respektive solche, die auf dem Weg sind, respektable Klassiker zu werden, können wunderbar auch dem Zweck der Alltagsmobilität dienen. Und sie sind nachhaltig, denn sie wurden ja bereits gebaut und verbrauchen für die Produktion schon mal keine Energie mehr. Außerdem frisst ihr Unterhalt nicht viel Brot - 191 Euro Steuer jährlich (H-Kennzeichen) und erschwingliche Versicherungsprämien lassen sich auch mit schmaleren Portemonnaies bedienen.

Natürlich kann man sie auch für eine etwaige Creme21-Rallye einsetzen, in deren Rahmen mehr als 200 lustig gemischte Klassiker sich fünf Tage lang dem Fahrgenuss hingeben und rund 1000 Kilometer vorwiegend Bundes- und Landstraßen abspulen. Beim Namen "Creme 21" bedienten sich die Gründer der Rallye der ehemaligen Henkel-Kosmetikmarke, unter der seit den frühen Siebzigerjahren bis Mitte der Achtziger Kosmetika verkauft wurden und die heute eine eigene Marke ist. Das knallige Orange des originalgetreu verwendeten Markenlogos verströmt dabei jede Menge Siebzigerjahre-Flair.

Creme21-Rallye bedeutet Spiel und Spannung

Für einen ausgiebigen Test, wie man auf längeren Strecken mit einem Gefährt aus längst vergangenen Tagen klarkommt, hat sich ntv.de unter die Teilnehmer der seit 2001 jährlich stattfindenden Ausfahrt gemischt und das Spiel beziehungsweise die Spielchen mitgespielt, die im Laufe der Tage dutzendfach bevorstehen und entsprechend gewertet werden. So kann man unterwegs beispielsweise dazu aufgefordert werden, in einen Koffer mit 21 metallenen, von alten Autos abgelösten Modellschriftzügen aus Blech zu schauen. Exakt 21 Sekunden lang darf man sich den Inhalt einprägen, um dann irgendwann später die Summe von deren Zahlen-Bestandteilen auszuspucken. Es ist ja immer schön, bei etwas gewinnen zu können.

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Schlicht ist gefällig - das klare Design des Franzosen ist typisch Achtziger.

(Foto: Patrick Broich)

Warum fiel die Wahl ausgerechnet auf einen Renault 21? Nun, er passt mit seinem Modellnamen wunderbar zu dieser Tour, die soeben auch noch zum 21. Mal stattfand. Außerdem war er verfügbar und stellt im Feld unter zig Mercedes-S-Klassen oder Porsche 911 eine erfrische Alternative dar. Die Mittelklasse-Baureihe kam bereits im Jahr 1986 auf den Markt. Das hier ausgeführte spätere Exemplar der Phase II (so nennt man bei Renault die Unterteilung der Serien) hat immerhin auch schon 32 Jahre auf dem Buckel und verfügt dank Dreiwegekatalysator über so sauberes Abgas, dass die Vergabe einer grünen Plakette für die Einfahrt in jegliche Innenstädte hierzulande problemlos möglich ist. Zwar dürfen Fahrzeuge mit historischem Kennzeichen eh immer in den Stadtkern, aber um die Platte mit dem "H" hat sich der Besitzer bisher schlicht noch nicht gekümmert.

Wenig Power und ein bisschen Luxus im R 21

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Original sind die Applikationen in Orange nicht, aber auffällig.

(Foto: Patrick Broich)

Unter der Haube des klar gezeichneten Franzosen werkelt ein 1,7 Liter großer Vierzylinder-Ottomotor mit 90 PS - klingt nach ziemlich wenig Power aus heutiger Sicht. Allerdings muss der durchaus kultiviert laufende Einspritzer auch nur knapp über 1000 Kilogramm schleppen. Und so wird aus der kantigen Mittelklasse eine recht quirlige Angelegenheit mit leichtgängig schaltbarem Fünfganggetriebe und Servolenkung. Die ist bei der luxuriösen GTS-Ausstattung ebenso frei Haus wie Bordcomputer, Zentralverrieglung und sogar ein elektrisches Glas-Schiebedach.

An Komfort mangelt es dem ausgewogen federnden Renault also nicht. Gegen das Abspulen langer Autobahnetappen mag allenfalls das kurze Übersetzungsniveau sprechen. In dieser Disziplin wirken sich heutige Vielgang-Getriebe drehzahlsenkend und damit spritsparend aus. Leisere Motorgeräusche sind obendrein die Folge.

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Das kantige Kombiinstrument passt wunderbar zum Äußeren des R 21.

(Foto: Patrick Broich)

Dass der Besitzer dieses R-21-Exemplars ein Creme21-Fan durch und durch ist, beweist die Teilfolierung in der Creme21-"Hausfarbe", die er extra für die Ausfahrt noch hat anbringen lassen. Er habe den Renault schließlich eigens für die Veranstaltung gekauft, bekundet er. Es braucht nicht viel Geld, um an einen spannenden Oldie zu kommen - ausgezeichnet erhaltene 21er zum Beispiel sind mit rund 5000 Euro bequem eingekauft. Dieser ausgestorbene Renault ist in der breiten Masse der Altauto-Liebhaber kein sonderlich begehrtes Objekt, davon profitieren seine Interessenten. Andererseits ist das ungeliebte Auto ein Individualist - wenn das keine Win-win-Situation ist.

Die Motoren des Einundzwanzigers laufen übrigens problemlos, weglassen sollte man die Finger indes von Versionen mit Automatikgetriebe. Korrosionsgefahr besteht bei den vorderen Längsträgern. Auch auf die Schweller im Bereich der hinteren Türen sollte ein Blick geworfen werden sowie auf die Stellen um die Wagenheberaufnahmen. Für nutzwertorientierte User könnte insbesondere die Kombivariante von Interesse sein.

Golf IV R32 - knapp 20 Jahre alter "Youngtimer"

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Zwei markante Auspuffendrohre kennzeichnen den Golf IV R32.

(Foto: Patrick Broich)

Nach dem kleinen Ausflug im alten Renault geht es wieder hinter das Lenkrad des von Volkswagen bereitgestellten Golf R32, in dem ntv.de den Landstraßentrip vom Nürburgring nach Speyer hauptsächlich verbringt. Wirklich, im schärfsten Golf der vierten Generation? Wie die Zeit vergeht - 2002 debütierte die rasante Ausgabe des bodenständigen Evergreen und Bestsellers aus Wolfsburg.

Erkennungsmerkmale: Zwei säuberlich in den sportiv abgewandelten Heckstoßfänger eingearbeitete Auspuffendrohre (die Frontschürze präsentiert sich ebenfalls im Racer-Style) bekunden, dass unter der Motorhaube exakt der 3,2 Liter große Sechszylinder arbeitet, der auch die zeitgenössische Luxuslimousine Phaeton antreibt.

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Der großvolumige Sechszylinder des Golf IV R32 ist ein Sahnestückchen.

(Foto: Patrick Broich)

Solch raue Hubraum-Mengen in einer Kompaktklasse wären heute undenkbar. Aber dafür gibt es statt Vierzylinder-Geplärre anno 2022 vornehm-sonore Klänge. Je nach Drehzahl entwickelt der quer eingebaute Sechsender auch mal brummige Frequenzen, aber meist ist er eine Wohltat. Und die hier zu bewerkstelligenden Etappen mit teils deftigen Steigungen schnupft der Power-Golf lässig mit niedriger Tourenzahl. Die Anforderung der kleinstmöglichen Übersetzung per Kickdown erledigt der Automat prompt, worauf übrigens nachhaltiger Druck im Kreuz zu spüren ist.

Obwohl der R32 seinerzeit als Athlet angetreten war, verströmt er durchaus eine komfortable Note, wozu auch das Doppelkupplungsgetriebe passt. Wenngleich die früheste Ausführung dieser Automatik-Variante noch nicht ganz so geschmeidig schaltet wie moderne Ausführungen, ist der Allradler ein ungeahnt dankbarer Langstrecken-Kandidat. Die Niedersachsen müssen unglaublich stolz auf das seinerzeit noch von Technikergenie Ferdinand Piëch vorangebrachte Getriebe gewesen sein, nicht umsonst widmen sie ihm sogar einen Platz im Modellschriftzug.

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Leder und Metalldekor machen den Golf-Innenraum luxuriös.

(Foto: Patrick Broich)

Ansonsten ist der knapp 20 Jahre alte "Youngtimer" ein ziemlich modernes Auto, dessen Navigationssystem mit - zugegeben ziemlich pixeliger - Farbkarte sogar heute noch Richtung Ziel navigiert. Wenn auch mit ausgeprägt langsamer Rechenleistung.

Wer jetzt Lust auf den exotischen Golf verspürt, muss erstens lange suchen (unverbastelte Exemplare sind rar). Zweitens kosten gute Offerten gerne 20.000 Euro oder mehr. Autofans mit Faible für besonders seltene Fahrzeuge sollten nach der viertürigen Golf IV R32-Version Ausschau halten - von ihr werden lediglich 500 produzierte Einheiten kolportiert. Glücklich, wer einen ergattern kann.

Quelle: ntv.de

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