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Mit Technik des iX BMW 2er Active Tourer - völlig neues Auto

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Der Autor im Gespräch mit Thomas Liedtke, Projektleiter BMW 2er Active Tourer Plug-In-Hybrid (Mitte) und Markus Haberer, Produktmanager BMW 2er Active Tourer (rechts).

(Foto: BMW)

Mit dem neuen 2er Active Tourer startet BMW im Segment der sportlichen Kompakt-Vans noch einmal durch. Nicht nur, dass der Bayer das modernste Auto aus München, den iX, bei vielen Details beerbt, er kommt auch mit einer üppigen Ausstattung zu einem erstaunlichen Preis auf den Markt.

Der eine oder andere mag überrascht sein, dass BMW im Zuge der SUV-Begehrlichkeiten der Kundschaft den Mut aufbringt und sich nach sieben Jahren aufmacht, den 2er Active Tourer neu aufzulegen. Denn die Zeit der sportlichen Vans scheint eigentlich vorbei und das beste Beispiel dafür kommt mit dem 2er Gran Tourer aus dem eigenen Haus. Der Siebensitzer wird den Sprung in die nächste Generation jedenfalls nicht schaffen. Mögen es die Verkaufszahlen sein oder auch Immageprobleme, die eine Neuauflage verhindern, Fakt ist, der neue 2er Active Tourer dürfte davon nicht betroffen sein, denn an diesem Fahrzeug ist wirklich alles neu!

Der Blickwinkel machts

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Hohe Front, größere Niere und schmale LED-Scheinwerfer kennzeichnen die Vorderseite des BMW 2er Active Tourer.

(Foto: BMW)

Zwar sah der 2er Active Tourer noch nie wie ein langweiliger Van aus, aber ein bisschen hausbacken erschien er mit Blick auf die anderen BMW-Modelle schon. Das dürfte sich jetzt noch einmal ändern. "Die Front ist jetzt höher, die Niere größer, es gibt nur noch LED-Leuchten, die flacher bauen und so Front und Heck viel dynamischer als beim Vorgänger erscheinen lassen", erklärt Markus Haberer, Produktmanager BMW 2er Active Tourer. Aber nicht nur, dass der Wagen viel sportlicher wirkt als sein Vorgänger, er ist auch gewachsen. In der Länge um 3,2 Zentimeter auf 4,39 Meter, um 2,4 Zentimeter auf 1,82 Meter in der Breite und um 2,1 Zentimeter auf 1,58 Meter in der Höhe. Was zum Vorgänger gleich geblieben ist, ist der Radstand mit 2,67 Meter. "Wir haben übrigens bewusst darauf geachtet, dass die Maße dicht am Vorgänger bleiben, denn wir wissen, dass die Kundschaft weltweit die hohe Flexibilität bei kompakten Abmessungen geschätzt hat", erklärt Haberer.

Interessant sind zwei Dinge, wenn man den 2er Active Tourer umläuft: Zum einen wirkt das Fahrzeug aus verschiedenen Blickwinkeln mal wie ein Hatch, mal wie ein Crossover, zum anderen fehlen am sehr dynamisch gezeichneten Heck die Endrohre. "Das ist bei dieser Baureihe generell so gemacht, nicht nur bei den Plug-in-Hybriden", erklärt Haberer. Allerdings betont der Manager, dass es nicht das Ziel war, die jeweilige Motorisierung zu verbergen und so zu tun, als gäbe es keinen CO2-Ausstoß. Hier handle es sich um eine Entscheidung für das Design und für die Beigaben der Aerodynamiker, die so in der Lage waren, zum Beispiel eine zusätzliche Abrisskante für die Luftzirkulation zu bilden.

Plug-in-Hybrid mit 326 PS und 80 Kilometern rein elektrisch

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Am Heck des BMW 2er Active Tourer gibt es keine sichtbaren Endrohre mehr.

(Foto: BMW)

Womit wir auch gleich bei den zu erwartenden Motorisierungen für den neuen 2er Active Tourer wären. Die wohl wichtigste Antriebsart sind die zwei Plug-in-Hybride, dessen Produktionsstart für Juli 2022 geplant ist, und insofern können aufgrund der noch nicht abgeschlossenen Homologation an dieser Stelle noch nicht alle Daten vermeldet werden. "Die E-Maschine ist die, die auch im iX3 und i4 verwendet wird. Die ist natürlich skaliert, denn einen so großen Elektromotor wie bei den anderen Modellen brauchen wir hier nicht", so Thomas Liedtke, Projektleiter BMW 2er Active Tourer Plug-in-Hybrid. "Wichtig ist, dass wir jetzt aber einen Flachspeicher statt eines Sattelspeichers verwenden. Das heißt nichts anderes, als dass der Akku hier wie bei einem Elektroauto in Unterflurbauweise zwischen den Achsen liegt", so Liedtke weiter. Die entscheidenden Vorteile sind: mehr Energieinhalt, 80 Kilometer rein elektrische Reichweite nach WLTP, mit 7,4 kW doppelte Ladeleistung, volle Ladung in 2 Stunden 30 Minuten, gestiegener Tankinhalt auf 47 Liter für den Langlauf und ein Kofferraum, der in der Größe mit 406 Litern dem der Verbrenner gleicht. Lediglich im Unterboden gibt es da bei den Verbrennern noch etwas mehr Platz.

Die Kombination aus Dreizylinder an der Vorderachse und E-Motor an der Hinterachse bleibt. Nur, dass es jetzt neben dem 225e einen 230e gibt, der mit einer Systemleistung von 326 PS und einer Sprintzeit von 5,7 Sekunden auf Tempo 100 für den Moment den stärksten 2er Active Tourer markiert. Ach und noch was: Der neue Plug-in-Hybrid hat im Gegensatz zum Vorgänger jetzt auch eine vollelektrische Anhängerkupplung, die den Fahrer in die Lage versetzt 1,4 Tonnen an den Haken zu nehmen. Natürlich gibt es auch abseits der Plug-in-Hybride weitere Motorisierungen. Darunter mit dem 223i einen 48-Volt-Mild-Hybrid, dessen 2,0 Liter Vierzylinder mit 204 PS von einem im Getriebe verbauten E-Motor mit 19 PS unterstützt wird, was zu einer Systemleistung von 218 PS führt und einem maximalen Drehmoment von 360 Newtonmetern. Der Sprint auf Landstraßentempo gelingt hier in sieben Sekunden und den Durchschnittsverbrauch gibt BMW mit maximal 6,6 Litern nach WLTP an.

7-Gang-DSG für alle Modelle der Serie

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Die allgemeine Größe des Kofferraums, ohne Unterboden, ist mit 406 Litern für alle Modelle des BMW 2er Active Tourer gleich.

(Foto: BMW)

Zudem wird es zwei neue Dreizylinder-Ottomotoren geben, die jeweils aus 1,5 Litern Hubraum ihre Kraft schöpfen. Der stärkere Antrieb in Form des 220i ist mit 170 PS Nennleistung ebenfalls ein 48-Volt-Mild-Hybrid, der kleinere und damit das Einstiegsmodell, ist der 218i mit wie gehabt 136 PS. Tatsächlich wird es auch noch einen Vierzylinder-Diesel der neuesten Generation im Angebot geben. Neben Kolben aus vergütetem Stahl mit Grafitbeschichtung der Schäfte, aktivere Ölabscheider und zusätzlicher Reinigung der aus der Zylinderkopfhaube kommenden Verbrennungsgase zur Reduzierung von Verbrauch und Emissionen, wurde auch der Wirkungsgrad der zweistufigen Turboaufladung optimiert. In Daten heißt das: 150 PS, 360 Newtonmeter maximales Drehmoment, 8,8 Sekunden auf Tempo 100 und einen WLTP-Verbrauch von 5,3 bis 4,8 Liter, wobei der CO2-Ausstoß bei 138 bis 125 g/km liegt.

Was am Ende alle Motorisierungen eint, ist die neue Ausführung des 7-Gang Doppelkupplungsgetriebes. Das wird in allen Modellen Serie sein, denn ein manuelles Schaltgetriebe oder die Achtgang-Wandler-Automatik wird es für den 2er Active Tourer nicht mehr geben. "Für das 7-Gang-DSG haben wir uns aus mehreren Gründen entschieden", so Haberer, "es ging hier um Effizienz, die Möglichkeit, es für alle Antriebsarten zu nutzen und mit Blick auf den Bauraum der optimale Kompromiss". "Auch der CO2-Thematik kommt das Getriebe entscheidend entgegen", ergänzt Liedtke.

Cockpit aus dem BMW iX

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Das Curve Display gehört zur Basisausstattung des neuen BMW 2er Active Tourer.

(Foto: BMW)

Während die Antriebe ja eher zu den unsichtbaren Änderungen beim 2er Active Tourer gehören, ist der neue Innenraum eine echte Überraschung, ja fast schon ein Eyecatcher. Denn den Fahrer empfängt serienmäßig in allen Modellen ein Curved Display, das sich aus einem 10,25 Zoll großen Zentral-Display und einem 10,7 Zoll großen Control Display zusammensetzt. Eine Kombination, wie sie das erste Mal nur im vollelektrischen BMW iX zu sehen war. "Auch die schwebende Armauflage, die so nur möglich ist, weil es keine Handschaltgetriebe mehr gibt, entspricht der im iX", schwärmt Haberer. Auffällig ist aber auch, dass das Head-up-Display wieder, zwar elegant gerahmt, aber dennoch als Plexiglasscheibe aus dem Dashboard wächst und nicht, wie in dieser Klasse eigentlich üblich, in die Frontscheibe projiziert wird. "Der Grund dafür", erklärt Haberer, "ist der, dass die Frontscheibe extrem flach steht. Hier ein Bild so in die Scheibe zu projizieren, dass man es gut erkennen kann, würde bedeuten, dass wir die Technik dafür hätten in den Motorraum bringen müssen."

Auch die Sitze im 2er Active Tourer sind neu. Ein Umstand, der an dieser Stelle gar nicht erwähnenswert wäre, gäbe es nicht die Neuerung der Massage über die Lordosenstütze. "Die Luftkammern im Rücken, die sonst nur als Stütze dienen, können in der Aktivsitz-Funktion jetzt auch den Rücken massieren", beschreibt Haberer. Eine wirklich cleverer Idee, die, so die Erfahrung des Autors bei einer ersten Sitzprobe, ganz hervorragend funktioniert. "Die Sitze sind übrigens mit Sensatec bezogen", wirft Haberer ein. "Das ist ein Kunstleder, das nachhaltig hergestellt wird und dank seiner durchgehenden Perforierung sich beim Klimakomfort auch in Europa durchsetzen dürfte", mutmaßt der Produktmanager.

Der iDrive-Controller muss weichen

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In der Seitenlinie könnte der 2er Active Tourer auch ein typisches BMW SUV sein.

(Foto: BMW)

Mit den iX-Beigaben ist auch die neueste Software-Generation des BMW Operating Systems 8 in den 2er Active Tourer gelangt und das soll die Interaktion zwischen Fahrer und Fahrzeug in die digitale Zukunft katapultieren. Eine der vielen Funktionen ist die Möglichkeit, dass der Fahrer über die Innenraumkamera und seine App zu jeder Zeit einen Blick in sein Fahrzeug werfen kann. Im Falle eines Diebstahls zeichnet die auch auf, wobei die Daten dann aus der Ferne abgerufen und der Polizei ausgehändigt werden können. "Wichtig für den Fahrer ist aber das Bedienelement am Lenkrad", wirft Haberer ein. "Das neue iDrive ist so, dass viele der Contents, die bis dato in den mittleren Displays waren, beim 2er Active Tourer in die Fahrerachse gewandert sind, was für deutlich weniger Ablenkung beim Führen des Fahrzeugs sorgt." Dazu gehören neben dem serienmäßig verfügbaren Apple Carplay und Android Auto auch Navigationshinweise, Audio-Listen oder Telefon-Listen, sie sind jetzt direkt im Sichtfeld des Fahrers. Die Steuerung über den bei vielen BMW-Fahrern so beliebten iDrive-Controller gibt es im 2er Active Tourer aber nicht mehr. Hier wird das Ganze nur noch über Sprache, den Touchscreen in der Mittelkonsole oder die schon erwähnte Lenkradtaste bedient.

Ach und noch etwas: BMW verspricht für den 2er Active Tourer eine lernende Software. So soll zum Beispiel selbst die Klimaautomatik die Wünsche und Vorlieben des Fahrers speichern und für die Zukunft in wohlige Temperaturen umsetzen. "Wenn Sie zum Beispiel ein paar Mal die Lenkradheizung, Sitzheizung oder Lüftung in Abhängigkeit von der Außentemperatur individuell eingestellt haben, dann wird das Fahrzeug das lernen und sich mehr und mehr automatisch genau danach richten", erklärt Haberer. "Selbst die Fahrerassistenzsysteme", so Haberer weiter, "werden anhand der Fahrbahnbedingungen, Witterung und Geschwindigkeit vom Fahrzeug selbstständig eingestellt. Der Fahrer kann jetzt über das Menü eingreifen und auch hier wird sich die Software die Daten merken und beim nächsten Mal danach handeln."

Der Preis ist erstaunlich

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Nicht nur, dass es nachhaltige Sitzbezüge in Lederoptik für den BMW 2er Active Tourer gibt, in der Lordosenstütze ist auch die Massagefunktion enthalten.

(Foto: BMW)

Bleibt letztlich wie immer die Frage nach dem Preis. Bei so vielen Neuerungen müsste man eine deutliche Preissteigerung annehmen. Doch wider Erwarten hält BMW die Preise erstaunlich klein. Das Einstiegsmodell in Form des 218i startet bei 34.750 Euro. Das ist etwas teurer als das momentane Basismodell, aber hier wird auch deutlich mehr geboten: Curve Display, 7-Gang-DSG, BMW-Maps-Navigation, Sprachbedienung, ein automatischer Parkassistent mit 12 Sensoren, Rückfahrkamera, elektrische Heckklappe, Zwei-Zonen-Klimaautomatik, Sportlenkrad, Leichtmetallräder und LED-Leuchten an Front und Heck.

Nimmt man den aktuellen 218i mit DSG zum Vergleich, liegt man hier bei 34.500 Euro. Interessant noch der Preis für den starken 48-Volt-Mild-Hybrid, der als 223i bei 41.000 Euro startet. Die beiden Plug-in-Hybride sind ab 43.950 Euro (225e xDrive) und 47.550 Euro (230e xDrive) beim Händler auszulösen, wobei hier noch die staatliche Förderprämie abgezogen werden kann. Als Letztes sei der Preis des Diesels genannt, der 218d startet bei 38.500 Euro.

Quelle: ntv.de

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