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Haar im Wind und M am Heck BMW 4er Cabrio - Frischluft und Fahrfreude

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Optisch mit großer Niere aufgewertet geht das BMW 4er Cabrio an den Start. In seiner momentan potentesten Form als M440i Drive.

(Foto: Uwe Fischer)

Seit 2013 gibt es das 4er Cabrio. In der Neuauflage fährt der Sonnenanbeter erstmals wieder mit einem Stoffverdeck. Das hat eigentlich nur Vorteile und ist eine stimmige Ergänzung zur großen Niere und dem noch sportlicheren Fahrverhalten, das man vor allem im M440i erleben kann.

Die Cabrio-Tradition von BMW reicht mit dem 326 bis in das Jahr 1936 zurück. Seit dieser Zeit weht unter dem Zeichen des blau-weißen Propellers auf Wunsch an schönen Tagen das Haar der Insassen im Fahrtwind. Das erste 4er Cabrio gab es allerdings erst im Jahr 2013.

Bis heute hat es sich weltweit 800.000 Mal verkauft und erfreut sich - wen wundert's - vor allem in den USA größter Beliebtheit. Ob das daran liegt, dass dort die von BMW als "Expressive Performer" und "Elegance Creator" definierte Kundschaft in großer Zahl zu finden ist, oder nur an dem in einigen Teilen des Landes schöneren Wetter, soll hier nicht weiter erläutert werden. Vielmehr soll es darum gehen, wie sich der neue Sonnenanbeter aus München fährt und was er zu bieten hat.

Soft- oder Hard-Top?

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Die Geräuschkulisse des Sechszylinders im M440i ist trotz Klappensteuerung verhalten, aber immer noch präsent.

(Foto: Uwe Fischer)

Da wäre zum Beispiel die bei vielen BMW-Fans immer noch polarisierende große und vertikal ausgerichtete Niere, die das Cabrio einfach mal vom Coupé übernommen hat. Dazu gibt es klar ausgerichtete Linien der Motorhaube, die nach Aussage der Designer "wie die Konturen der LED-Scheinwerfer auf die Niere zustreben". Das soll die Sportlichkeit des 4er Cabrio ebenso unterstreichen wie die flache und gestreckte Seitenansicht, die der Bayer nicht zuletzt dank des neuen Soft-Tops bekommt. Tatsächlich hat man sich bei BMW nach zwei Generationen 4er-Cabrio mit Hard-Top in der Neuauflage für ein Stoffdach entschieden.

Das mag für einige so streitbar sein wie die schon angesprochene Optik der Front, hat aber in Summe ganz klare Vorteile: Da wäre zum einen die Gewichtseinsparung von bis zu 40 Prozent zu nennen. Hinzu kommt tatsächlich auch ein akustischer Komfort im Innenraum, weil in der Bewegung weniger Masse beruhigt werden muss. Und wer jetzt glaubt, dass die Windgeräusche bei hohen Geschwindigkeiten deutlicher zu hören sind, der kann an dieser Stelle beruhigt werden. Selbstredend kann das nicht in Gänze gekapselt werden, aber es gleicht im Innenraum eher einem Säuseln als einem tobenden Orkan. Den gibt es übrigens auch nicht, wenn man offen fährt. Der Fahrtwind wird hier sehr elegant über die Passagiere in der ersten Reihe gehoben, was im Zusammenspiel mit dem aufgesetzten Windschott und dem optionalen Nackenfön auch das offene Fahren bei weniger frühlingshaften Temperaturen möglich macht.

Der macht eine gute Figur

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Auch mit geschlossenem Verdeck macht der M440i eine gute Figur.

(Foto: Uwe Fischer)

Auch im geschlossenen Zustand macht das Verdeck etwas her. Die im sogenannten "Papierwaben-Verfahren" gefertigten "Flächenspriegel-Elemente" mit der bündig eingefassten Glas-Heckscheibe sorgen dafür, dass sich das Verdeck straff über die Fahrgastzelle spannt. Dabei zeichnen sich weder Konturen noch das Verdeckgestänge in der Oberfläche ab, wie man es bei anderen Stoffdächern kennt.

Einen Hauch mehr Kopffreiheit bietet das Textildach gegenüber dem Hard-Top: Es verschafft Fahrer und Beifahrer fünf Millimeter mehr Platz über dem Haupt. Apropos Platz: Davon gibt es jetzt auch im Kofferraum mehr. Wer offen fährt, kann im Gepäckabteil immer noch auf 300 Liter Stauraum zugreifen. Ist das Verdeck geschlossen, sind es mit ein paar Handgriffen sogar 385 Liter und damit 15 Liter mehr als beim Vorgänger. Geöffnet und geschlossen ist das Dach in 18 Sekunden bei bis zu 50 km/h.

Ob offen oder geschlossen, wer die Spitze der von BMW postulierten "Freude am Fahren" erleben möchte, wählt die Topmotorisierung im M440i. Nicht nur, dass der Reihensechszylinder mit 48-Volt Startergenerator den Ingenieuren der M GmbH mit gewichtsoptimierten Kolben und Pleul sowie einem Twin-Scroll-Turbolader mit indirekter Ladeluftkühlung versehen wurde. Er schöpft seine Kraft von 374 PS auch aus drei Litern Hubraum und stellt bereits ab 1900 Kurbelwellenumdrehungen ein maximales Drehmoment von 500 Newtonmetern zur Verfügung. Das wiederum wird blitzartig durch das 8-Gang-Steptronic-Getriebe bei Bedarf an alle vier Räder weitergereicht. Wer hier den Fahrmodus-Schalter auf Sport oder gar Sport + stellt, sprintet mit einem nachdrücklichen Tritt auf das Gaspedal in 4,9 Sekunden auf Landstraßentempo. Und das dank der serienmäßigen M Sportabgasanlage untermalt mit einem markanten Klangbild. Zugegeben, die einst abgefeuerten Salven klingen jetzt verhaltener und sind weit von dem einst an dieser Stelle beschriebenen BMW M340i entfernt.

Sportler bis in die letzte Kurve

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Wie gewohnt schmiegt sich der Innenraum auch im BMW M440i um Fahrer und Beifahrer.

(Foto: Uwe Fischer)

Das wird den einen freuen, den anderen ärgern. Recht machen kann man es den Menschen eh nicht. Außer mit den Fahreigenschaften des M440i. Die stehen nämlich außer Frage und befinden sich auf einem ganz hohen Level. Was nicht zuletzt an der Lamellenkupplung im Verteilergetriebe liegt, die in jeder Situation für ein vollvariables Antriebsmoment an Vorder- und Hinterrädern sorgt. Und trotz einer BMW-typischen hinterradbetonten Abstimmung des Systems war der Bayer auch bei noch so zackigem Kurvenlauf nicht aus der Ruhe zu bringen.

Wie an der Schnur gezogen folgt er den Lenkbefehlen des Fahrers und das bei erstaunlichen Geschwindigkeiten. Einer derart beherzten Fahrt kommt natürlich auch das adaptive M Sportfahrwerk entgegen. Im Zusammenspiel mit Lenkung, Dämpfung, Fahrpedalkennlinie, Schaltdynamik, M Sportdifferenzial und optionaler M Sportbremsanlage wird aus dem 4er Cabrio hier ein echter Straßensportler. Nun könnte der eine oder andere schon die Zähne beim nächsten Schlagloch klappern hören. Aber weit gefehlt: Auch hier haben die M-Ingenieure ganze Arbeit geleistet und die Spannbreite zwischen Sportlichkeit und Komfort so gestreckt, dass selbst in der schärfsten Gangart ausreichend Fahrkomfort vorhanden bleibt. Na, und wer es am Ende auf Komfort anlegt, der bekommt ihn in ganzer Breite.

Viele nette Beigaben

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In der zweiten Reihe des 4er Cabrio geht es eng zu.

(Foto: Uwe Fischer)

Das gilt auch für die Fahrassistenzsysteme. Frontkollisionswarner, Speed Limit Info und Spurverlassenswarner sind jetzt bereits in der Serienausstattung enthalten. Für Vielfahrer empfiehlt sich der optionale Driving Assist. Darin enthalten sind ein kamera- und radarbasierter Spurwechsel-, Heckkollisions- und Querverkehrswarner. Zudem unterstützt das System den Fahrer beim leidigen Stop-and-Go-Verkehr. Ebenfalls optional sind die aktive Navigationsführung und der Rettungsgassenassistent, der in entsprechenden Situationen die Gasse für herannahende Rettungskräfte bildet.

Ein Feature soll an dieser Stelle nicht unerwähnt bleiben: der Drive Recorder. Der nutzt die Kameras der Fahrassistenzsysteme zur Aufnahme von Videobildern rund um das Fahrzeug. Wahlweise können die dann später auf dem Control Display abgespielt oder über eine USB-Schnittstelle exportiert werden. So lassen sich zum Beispiel reizvolle Strecken festhalten und teilen oder auch Kollisionen nachvollziehen. Bis zu 20 Sekunden lange Aufnahmen vor und nach dem Aufprall werden gespeichert und können dann als Beweismittel dienen.

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Der Kofferraum des BMW 4er Cabrio bietet dank des Stoffverdecks fast Platz wie in einer Limousine.

(Foto: Uwe Fischer)

Nun darf aber nicht verschwiegen werden, dass diese netten Beigaben und der Spaß in einer solch offenen Fahrmaschine auch ihren Preis haben. Mindestens 75.900 Euro müssen Interessenten investieren, um sich in die Ledersportsitze mit Lehnenverbreiterung fallen lassen zu können. Das preiswerteste Frischluftvergnügen bietet BMW mit dem 440i, der mit Vierzylinder und 184 PS ab 54.800 Euro in der Liste steht, oder für Vielfahrer gibt es den Vierzylinder-Diesel mit 190 PS ab 57.300 Euro.

Wer hier natürlich die Optionsliste in vollen Zügen genießt, kann den Preis deutlich in die Höhe treiben, spart dann aber mit Sicherheit beim Verbrauch. Denn während der Diesel mit maximal 5,5 Liter im Drittelmix nach WLTP im Datenblatt eingetragen ist, bringt es der Einstiegsbenziner auf 7,4 Liter und der Sechszylinder geht hier mit 8,4 Litern aus dem Rennen. Real erfahren war es sogar ein Liter mehr. Aber wie gesagt, bei flotter Gangart.

Quelle: ntv.de

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