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Dynamischer geht keiner ums Eck BMW 7er - Sportler über der S-Klasse

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Den größten Kritikpunkt erfuhr der neue 7er BMW für seinen mächtigen Kühlergrill. Aber der hat seinen Sinn.

(Foto: Holger Preiss)

Im Segment der Luxusgleiter war es in den letzte Jahren um das Schlachtschiff aus München etwas still geworden. Jetzt wollen die Bayern zu neuer Größe auflaufen und dafür sorgt nicht nur der Kühlergrill der BMW 7er-Reihe.

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Auch das Heck des 7er BMW wurde überarbeitet, soll jetzt noch eigenständiger wirken.

(Foto: Holger Preiss)

Seit 1977 gibt es den Kampf der Giganten im Luxussegment. Denn genau seit diesem Jahr hat BMW mit dem 7er der Konkurrenz aus Stuttgart, die mit der S-Klasse scheinbar unangefochten vorneweg fuhr, einen probaten Gegner an die Seite gestellt. In den letzten Jahren ist es still geworden im Wettstreit der Luxusliner. Mercedes hatte mit der neuen S-Klasse bereits vor sechs Jahren vorgelegt und vor zwei Jahren aufgefrischt. Zwei riesige Bildschirme überspannen hier die Armatur, Ambientelicht und Entspannungsfunktionen machen den Innenraum zur Wohlfühloase und ein ganzes Heer von Assistenzsystemen sorgt für die Sicherheit der Insassen.

Wo bleibt der 7er?

Und wo bleibt der 7er? Zu jener Zeit im Hintergrund. Klar - er war nie weg, immer da, aber erst jetzt holen die Bayern mit einer mehr als gelifteten 7er-Reihe zum Gegenangriff aus. Nicht nur, dass auch in den Luxus-Bayern alles gepackt wird, was das Reisen angenehm macht, das Design hat sich zudem tapfer am Geschmack der interessantesten Zielgruppen in China und den USA orientiert. So ist nämlich der um fünf Zentimeter gewachsene Kühlergrill in Form der BMW-Niere zu erklären. Anders als von vielen Journalisten harsch kritisiert, soll hier eine Lanze für die wuchtige Front gebrochen werden. Denn tatsächlich macht sie das, was sie soll: sie stärkt "die Präsenz". Würde sie es nicht tun, wäre es wohl auch gar keinem aufgefallen und unbeschrieben geblieben.

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Man mag es nicht glauben, aber der 7er ist die wohl dynamischste Art der Oberklassen-Beförderung.

(Foto: Holger Preiss)

Die größte Angst der Kritiker könnte die sein, dass der "überdimensionierte" Grill ein eklatanter Gegensatz zur Performance eines BMW ist und wahrscheinlich als aerodynamische Katastrophe den Wagen wie ein Segel im Wind auffängt. Mitnichten, der cW-Wert liegt bei 0,27. Bei einer ersten Ausfahrt mit dem 750i zeigte sich das 5,12 Meter lange Schiff als die wohl dynamischste Luxuslimousine, die es derzeit am Markt gibt. Man könnte auch sagen, der Wagen ist das Auto für den Oligarchen auf der Flucht. Zugegeben - der V8 unter der Haube, der seine Kraft aus 4,4 Litern Hubraum schöpft und 530 PS leistet, ist eine Offenbarung. Der Achtender, dessen Twin-Scroll-Turbolader zwischen den im 90-Grad-Winkel angeordneten Zylinderbänken platziert sind, geht mit einer unglaublichen Leichtigkeit an die Arbeit. Er bewegt die zwei Tonnen Lebendgewicht so souverän, dass der Fahrer glaubt, ein deutlich leichteres Fahrzeug unter den Pedalen zu haben.

Behände wie ein Hase

Noch deutlicher wird der Wille zur Dynamik beim Kurvenlauf. Behände wie ein Hase schlägt der 7er seine Haken und das bei einem Radstand von 3,07 Metern. Grund für die Lust an der Kurve ist nicht nur die elektromechanische Zahnstangen-Servolenkung, sondern vor allem die fein ausbalancierte Integral-Aktivlenkung, die die elektromechanische Vorderrad-Lenkung und die variable Lenkübersetzung mit einer lenkbaren Hinterachse kombiniert. Wer also mit Schmackes um die Kurve schlenzt, hat eine geringere Lenkradbewegung, weil die gleich den Vorderrädern bis zu drei Grad einschlagen. Wer jetzt noch das Fahrwerk strafft und die Gaskennlinie samt Schaltpunkten der Acht-Gang-Steptronik per Fahrmodischalter schärft, wird erstaunt sein, wie wenig Gewicht sich von den schon erwähnten zwei Tonnen in die Kurve zu legen scheint. Also noch mal: Eine bessere Querbeschleunigung, als sie der 7er hat, gibt es momentan in dieser Klasse nicht.

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Der Innenraum des 7er BMW wird bei entsprechend georderten Optionen zur Wohlfühloase der Reisenden.

(Foto: Holger Preiss)

Aber der große Bayer kann natürlich auch in der Längsbewegung überzeugen. Wer den Fahrmodus auf Sport gestellt hat und spontan aufs Gaspedal tritt, wird kaum eine Zehntelsekunde Bedenkzeit haben, bevor der Achtender seine 750 Newtonmeter maximales Drehmoment auf beide Achsen wirft und die 245er Pneus sich in den Asphalt krallen, um dann mit mächtigem Bumms anzuschieben. In diesem Moment bleibt nur zu hoffen, dass sich die zweite Reihe bereits in den elektrisch verstellbaren Einzelsitzen weit zurückgelehnt hat, der Kopf sanft in der kuschlig weichen Kopfstütze ruht, denn in exakt 4,0 Sekunden beschleunigt der Luxusgleiter seine trägen Massen auf Landstraßentempo. In der Spitze sind die obligaten 250 km/h angezeigt.

"Hey BMW, ich bin müde"

Wer den Raketenstart im Fond heil überstanden hat, darf sich über die Freizeitgestaltung Gedanken machen. Will er arbeiten, Wohlfühlfunktionen wie Massage, Temperatur, Musik und Beleuchtung mit einem Sprachbefehl wie "Hey BMW, ich bin müde" einleiten oder sich über das am Rücksitz befindliche Tablet mit Entertainment versorgen lassen? Alles kein Problem, denn der 7er gleitet selbst im Sportmodus souverän und auf Wunsch tonlos über das, was anderen Autofahrern als Schlagloch oder Querfuge in die Lenden fährt. Die Verantwortung dafür übernimmt ein serienmäßig verbautes adaptives Fahrwerk mit elektronisch geregelten Dämpfern und einer Zweiachs-Luftfederung mit automatischer Niveauregulierung. Auch die Höhe des Fahrzeugaufbaus lässt sich dadurch steuern. Auf schlechten Wegen oder bei Garagenauffahrten mit recht spitzem Rampenwinkel kann der Aufbau um zwei Zentimeter angehoben werden.

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Aufgeräumt, übersichtlich und dem Fahrer zugewandt: der Arbeitsplatz des Piloten im 7er BMW.

(Foto: Holger Preiss)

Die Luftversorgung der Federung wird übrigens radindividuell geregelt und kann dadurch auch eine ungleichmäßige Beladung kompensieren. Wer also den Kofferraum, der immerhin 515 Liter Stauraum bietet, blöde bepackt, muss keine Angst haben, dass ihm auf der Flucht oder bei der verspäteten Abfahrt zum Termin die unglückliche Gewichtsverteilung aus der Bahn wirft. Apropos schnelle Reise: Natürlich muss, wer mit hoher Leistungsanforderung unterwegs ist, auch mit einem entsprechenden Verbrauch leben. Während das Datenblatt für den 750i im Drittelmix 12,5 Liter vermerkt, können es in der Realität schon mal an die 20 Liter sein, die aus dem 78 Liter fassenden Tank gesaugt werden. Bei normaler Fahrweise ist aber eher mit knapp 14 Litern zu rechnen.

Hybrid fürs ökologische Gewissen

Wen an dieser Stelle das ökologische Gewissen plagt und wer dennoch nicht auf den Luxus und die Sportlichkeit eines 7er verzichten möchte, der könnte sich durchaus mit dem 745e anfreunden. Hier schiebt die Mischung aus Reihensechszylinder-Benziner und Elektromotor ebenfalls knapp zwei Tonnen an. Die Systemleistung liegt bei 394 PS, das maximale Drehmoment bei 600 Newtonmetern. Der Sprint von 0 auf 100 km/h gelingt in 5,2 Sekunden und in der Spitze ist natürlich auch Tempo 250 möglich. Allerdings wird das nicht das Ziel des ökologisch Getriebenen sein. Für ihn ist interessanter, dass die rein elektrische Reichweite zwischen 54 und 58 Kilometern liegt, der 12-kWh-Speicher in 4,4 Stunden bei 3,7 kW (16A 230V) wieder zu 100 Prozent geladen ist und rein elektrisch eine Spitzengeschwindigkeit von 140 km/h erreicht wird.

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Ein ganzes Heer von Assistenten unterstützt auf Wunsch den Fahrer eines 7er BMW.

(Foto: Holger Preiss)

Ansonsten lässt sich zu den Fahreigenschaften nichts anderes sagen als das, was schon für den 750i gilt. Naja, mit einem Unterschied: Der 745e kann akustisch bei Weitem nicht so schön aus den Endrohren feuern wie der Achtender mit klappengesteuerter Abgasanlage. Das machen aber auch die Diesel nicht. Ja, auch drei Diesel hält BMW für den 7er bereit. Ein Reihensechszylinder leistet hier zwischen 265 und 400 PS, wobei das maximale Drehmoment von 620 bis 760 Newtonmeter reicht. Aus dem Stand beschleunigen sich die Selbstzünder in 6,1 Sekunden bis 4,6 Sekunden auf Tempo 100 und werden ebenfalls mit einem Vmax von 250 km/h angegeben. Alle Motorvarianten sind Euro 6d-Temp zertifiziert.

Feines von den Assistenten

So unterschiedlich die Möglichkeiten beim Vortrieb, so gleich die Optionen der Assistenzsysteme. Serienmäßig gibt es eine Geschwindigkeitsregelung mit Bremsfunktion. Optional ist die Aktive Geschwindigkeitsregelung mit Stop-and-Go-Funktion erhältlich. Zusätzlich kann über die Verkehrszeichenerfassung auch gleich das vorgeschriebene Tempo eingehalten werden. Natürlich hat der 7er auf Wunsch auch einen Driving-Assist, der beim Verlassen der Spur zwischen 70 und 210 km/h helfend eingreift und den Wagen sanft auf den rechten Weg bringt. Das ist nicht neu, funktioniert hier aber deutlich besser als das System im BMW X2. Na gut, die spielen ja wohl auch nicht in der gleichen Liga. Wer so richtig auf Nummer sicher gehen will, der ordert für seinen 7er den Driving Assistant Professional. Das Komplettpaket beinhaltet hier den Lenk- und Spurführungsassistent einschließlich Stau- sowie Spurhalteassistent mit aktivem Seitenkollisionsschutz.

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Während der Kofferraum des 7er BMW 515 Liter fasst, sind es beim Hybrid nur noch 420 Liter Stauraum.

(Foto: Holger Preiss)

Hier ist auch eine navigationsgestützte Anpassung an das Fahrtempo enthalten. Bei der Annäherung an Kurven, Kreuzungen oder Kreisverkehre wird die Geschwindigkeit hier entsprechend verändert. Das ist nicht mehr neu, Mercedes und auch Porsche arbeiten mit dem gleichen System. Aber es sollte nicht unerwähnt bleiben. Ebenso wenig wie der Rückfahrassistent: Der kann sich nämlich einen Weg von bis zu 50 Metern merken und den ohne Zutun des Fahrers wieder zurücklegen. Das funktioniert ganz ausgezeichnet. Sollte sich in der Zwischenzeit ein Hindernis in den Weg gestellt haben, kommt der Wagen selbstredend davor zum Halten.

Werfen wir am Ende noch einen Blick auf die Preise, die für einen Luxusliner in Form des 7er zu berappen sind. Den günstigsten Einstieg in die Luxusklasse der Bayern bietet der 730d mit 88.690 Euro. Für den750i xDrive werden dann schon 117.490 Euro fällig, während der Plug-in-Hybrid in Form des 745e ab 101.290 Euro startet.

Quelle: n-tv.de

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