Mehr Elektro, China und RetroDas sind Motorradtrends und neue Bikes des Jahres 2026

Nach dem Zulassungs-Schock 2025 sortiert sich die Zweiradbranche neu. E-Bikes holen auf, Chinesen drängen weiter vor, Klassiker feiern Comebacks.
Nach dem Boomjahr 2024, das von Vorzieheffekten aufgrund einer neuen Abgasnorm profitierte, folgte 2025 die ernüchternde Korrektur: Der deutsche Motorradmarkt schrumpfte im zu Ende gehenden Jahr um rund ein Viertel.
Der dramatische Rückgang der Neuzulassungen, der alle Segmente traf, war allerdings weniger einer schwindenden Lust am Motorradfahren als vielmehr einer bereinigten Realität nach dem künstlich aufgeblähten Vorjahr geschuldet. Allerdings bremsten auch wirtschaftliche Unsicherheiten und ein zurückhaltendes Konsumklima den Absatz größerer Freizeitanschaffungen.
Vorsichtiger Optimismus
Auf die Saison 2026 blickt die Branche trotz einer allgemein schwierigen Wirtschaftslage mit vorsichtigem Optimismus. Der Euro-5-Sondereffekt ist abgearbeitet, viele Hersteller setzen auf Modelloffensiven mit einem wachsenden Angebot preislich attraktiver Bikes. Dass sich die Nachfrage stabilisieren könnte und sich vielleicht ein moderates Wachstum einstellt, ist eine nicht ganz unberechtigte Hoffnung.
Einen Kontrapunkt zum darbenden Gesamtmarkt setzten 2025 elektrische Zweiräder. Zwar bleiben Einspurstromer in Deutschland weiterhin ein kleines Segment, doch jüngste Zahlen geben Anlass zur Hoffnung: Bis Ende November wurden gut 2.300 elektrisch angetriebene Kraft- und Leichtkrafträder neu zugelassen, was einem Plus von mehr als 70 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht.
Von einem Elektro-Boom wie bei den Pkw ist die Zweiradbranche in absoluten Zahlen allerdings weit entfernt. Doch die Dynamik nimmt auf Kundenseite wie auch im Produktangebot Fahrt auf.
Signal Richtung Elektrozukunft
Ein wichtiges Signal Richtung Elektrozukunft setzt Honda mit der neuen WN7. Zwar löst auch sie weder das Grundproblem hoher Preise noch die weiterhin begrenzte Reichweite, doch zeigt der weltweit größte Motorradhersteller damit unmissverständlich, dass er das Thema ernsthaft vorantreibt.
Das Reichweitendilemma will Verge Motorcycles hinter sich lassen. Beim Modell TS ersetzt eine neue Feststoffbatterie den bisherigen Lithium-Ionen-Akku und soll die Reichweite auf rund 600 Kilometer steigern. Allerdings bleibt die TS mit einem Preis von deutlich über 36.000 Euro ein exklusives Angebot.
Deutlich günstiger dürften die neuen E-Modelle C6 und S6 von Royal Enfield ausfallen, die weniger mit Reichweite als mit Design und technischer Eigenständigkeit punkten. Sollten die Preise das für Royal Enfield typische niedrige Niveau erreichen, eröffnet sich hier echtes Marktpotenzial.
Neues im Rollersektor
Parallel startet Honda im Rollersektor mit CUV e:, der die lästige 45-km/h-Grenze souverän durchbricht. Direkt dahinter reiht sich Suzuki mit dem über 70 km/h schnellen e-Address ein, während LiveWire und Kymco zwei kräftige Maxiscooter vorbereiten.
Peugeot Motocycles bringt die kultige Mofa 103 als Elektrobike der 50er- und 125er-Klasse zurück. Zero hat mit dem LS1 erstmals einen eigenen E-Roller vorgestellt, der 100 km/h schnell und 170 Kilometer weit fahren soll. Auch der deutsche Newcomer XYTE will mit dem Pendler-Dreirad One, eine Mischung aus Piaggio MP3 und BMW C1, elektrisch durchstarten.
Kampf ums Überleben oder Wartemodus
Doch nicht alle Elektropioniere schaffen den Sprung in die Serie. Um einige Startups und internationale Newcomer ist es wieder still geworden. Marken wie Zapp, Ultraviolette oder Naon verharren trotz Ankündigungen im Wartemodus.
Gleichzeitig kämpfen etablierte Anbieter wie Govecs mitsamt der E-Schwalbe ums Überleben. Die Beispiele zeigen, wie hart der Wettbewerb geworden ist - und wie schwierig es selbst mit Retrobonus ist, gegen preisaggressive und technologisch zunehmend reife Anbieter aus China zu bestehen.
Bemerkenswert allerdings: Auch Niu, Horwin, Yadea und Segway tun sich bisher schwer, in Deutschland über begrenzte Nischen hinauszukommen.
Chinesisches Selbstbewusstsein
Der Löwenanteil des Markts wird auch 2026 den klassischen Verbrennungsmotorrädern gehören - und vor allem hier drängen chinesische Hersteller mit großem Selbstbewusstsein nach vorn. Auf der EICMA in Mailand war ihre wachsende Präsenz eindrucksvoll sichtbar. Benelli, F.B. Mondial, Kove, Voge oder Benda präsentieren zunehmend mehr Modelle mit ausgefeilter Technik und starkem Design zu attraktiven Preisen.
Benellis erfolgreiche TRK-Familie wächst gleich zweifach: Die neue TRK 602 X führt das Bestseller-Konzept der TRK 502 fort, während die große TRK 902 Stradale/Xplorer den Aufstieg ins 900er-Segment markiert. Auch andere Marken wie F.B. Mondial drängen mit dem neuen Bobber-Modell Spartan 600 in höhere Hubraumsphären vor.
Kove und Voge zielen mit sportlichen Mittelklasse-Racern auf jüngere Käufer. Besonders ambitioniert zeigt sich Benda: Das Konzept P51 kombiniert einen 250er-Boxermotor nach BMW-Vorbild mit Elektromotor - ein Hybridansatz, der 62 PS Systemleistung und Sprintwerte unter vier Sekunden verspricht.
Mit ZX Moto tritt zudem ein weiterer Newcomer an, der vom Crosser bis zum 135-PS-Dreizylinder-Sportbike 820RR eine komplette Modellpalette mitbringt. Auch im Adventure-Segment herrscht Bewegung. Moto Morini belebt die Kanguro 300 wieder, CFMoto hebt mit der 1000MT-X Komfort und Leistung auf ein höheres Niveau, und Kove schiebt mit der 800X GT eine tourentaugliche Mittelklasse-Enduro nach.
Trend zu preislich attraktiven, alltagstauglichen Mittelklassebikes
Auffällig ist bei etablierten Herstellern aus Japan und Europa der Trend zu preislich attraktiven, alltagstauglichen Mittelklassebikes. Suzukis neue SV-7GX hebt den legendären 90-Grad-V2 der SV 650 in ein modernes Crossover-Konzept, während Triumph die Trident 800 als sportliches Naked Bike knapp über 10.000 Euro positioniert.
Kawasaki belebt die KLE 500 als zeitgemäße Adventure-Neuinterpretation wieder, während Ducati mit der Neuauflage der Monster 900 Retro-Stil und moderne Technik verbindet. BMW startet mit der rund 7.200 Euro teuren Enduro F 450 GS ebenfalls einen Angriff auf die Mittelklasse.
Ein paar Comebacks gibts auch
Das Modelljahr 2026 wird zudem von einigen Comebacks begleitet. Die englische Kultmarke Norton, inzwischen Teil des finanzstarken TVS-Konzerns, greift mit den über 200 PS starken Modellen Manx und Manx R einerseits im Superbike-Segment an und wagt mit der Atlas zugleich den Vorstoß in die Enduro-Mittelklasse.
MV Agusta setzt mit der Rückkehr der Brutale ein deutliches Signal für italienische Eigenständigkeit nach turbulenten Jahren. Dazu kommen Comebacks längst vergessener Namen: Phelon & Moore mit der edlen, von Pininfarina mitgestalteten Capetown 7X, streng limitiert auf 595 Exemplare, oder Moto Parilla und Morbidelli, die mit chinesischem Rückhalt ihre Renaissance planen.
Zwei parallele Bewegungen
So zeigt der Blick auf 2026 zwei parallele Bewegungen: Die Elektromobilität tastet sich weiter voran, jedoch langsam und unter rauen Marktbedingungen.
Gleichzeitig erlebt der klassische Motorradsektor eine bemerkenswerte Vielfalt und Dynamik - angefacht durch chinesische Hersteller, aber ebenso getragen von etablierten Marken, die mit frischen Modellen den Nerv einer preisbewussteren Kundschaft treffen wollen.