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Mit 5,45 Metern ist der S 600 kürzer als der Ur-Maybach, bietet aber im Innenraum wesentlich mehr Platz.
Mit 5,45 Metern ist der S 600 kürzer als der Ur-Maybach, bietet aber im Innenraum wesentlich mehr Platz.
Donnerstag, 15. Januar 2015

Mercedes will es noch mal wissen: Die Steigerung von Luxus heißt Maybach

Von Holger Preiss

Eigentlich war der Maybach schon abgeschrieben. Doch jetzt belebt Mercedes den Namen neu und schafft eine Submarke. Auf Basis der S-Klasse fährt jetzt ein Luxusschiff als Maybach S 600. Purer Luxus für die Superreichen dieser Welt. Denn mit 200.000 Euro ist man in der zweiten Reihe im siebten Himmel.

Nachdem Mercedes den Maybach Ende 2012 sanft einschlafen ließ, wird er nun erneut zum Leben erweckt. Nicht so wie es damals gedacht war, als eigenständiges Modell, sondern als Submarke der S-Klasse. Mercedes-Maybach S 600 nennen die Stuttgarter die Spitze des Luxus, die noch 20 Zentimeter über die Langversion der normalen S-Klasse hinausragt.

Wie im "President Wilson"

Das Maybach-Logo ist das alte, alles andere ist neu.
Das Maybach-Logo ist das alte, alles andere ist neu.

Unter der Haube arbeitet absolut tonlos der bekannte Sechsliter-Zwölfzylinder mit 530 PS und 830 Newtonmetern Drehmoment. In nur 5,0 Sekunden beschleunigt der Luxusliner über die schon bekannte, aber komplett überarbeitete 7-Gang-Automatik auf Tempo 100. Wenn er das macht, dann natürlich im Sportmodus. In dem wird das Triebwerk dann auch hörbar. Nicht wie ein V8 von AMG, aber er gibt Ton. Aber ein Maybach ist mit seinen zwei Tonnen Leergewicht per se keine Rennmaschine. Zumal der eigentliche Luxus eines V12 natürlich in seiner Laufruhe liegt. Um die unter Beweis zu stellen, wurde früher ein Fünfmarkstück auf den Motorblock gestellt und Vollgas gegeben. Fiel es um, konnte es kein echter Zwölfzylinder sein. Die Gefahr besteht hier nicht. Wer also noch ein Fünfmarkstück und mindestens 187.842 Euro hat, kann es ausprobieren. Exakt so viel kostet das Prachtstück mit dem Maybach-Logo an der C-Säule.

Viel Geld? Nicht wirklich. Das verschiedene Original der von Mercedes 2002 wiederbelebten Luxusmarke, die ihre Hochzeit noch vor dem Zweiten Weltkrieg feierte, lag zwischen 400.000 und 530.000 Euro. Nicht zuletzt dürfte es am Preis gelegen haben, dass sich in zehn Jahren lediglich 3500 Käufer für den reanimierten Luxusgleiter fanden. Wer jetzt in einen S 600 einsteigt, kann sich für die verbleibende Summe bis zur halben Million den Wagen so mit Luxus vollstopfen, dass er das Gefühl hat, im "President Wilson", dem wohl teuersten Hotel der Welt, abgestiegen zu sein. Dazu gehört das Wärmekomfortpaket mit beheizbaren Armlehnen ebenso wie das Burmester High-End 3D-Surround-System mit 24 Lautsprechern, 24 Verstärkerkanälen und insgesamt 1540 Watt Systemleistung. Allein diese zwei Features schlagen mit gut 10.000 Euro zu Buche.

Das Volant bedeutet hier nichts

Unter den Füßen im Fond liegt echtes Schafsfell.
Unter den Füßen im Fond liegt echtes Schafsfell.

Entscheidet sich der "Schnäppchenjäger" unter den Maybach-Käufern für die Einstiegsversion mit dem ebenfalls nicht unbekannten und durchaus potenten V8, der 455 PS leistet, muss er lediglich 134.000 Euro über den Tisch des Händlers reichen. In diesem Fall wäre sogar noch das Jahresgehalt für einen Chauffeur drin. Und den braucht man in einem Maybach auch. Selber fahren gilt hier nichts. Der eigentliche Luxus sind hier die zwei separaten Sitze im Fond, nicht das Volant.

Denn genau an dieser Stelle summieren sich die kleinen und großen Dinge, die das Leben in einem Maybach so ungemein angenehm machen können. Mercedes verspricht, in der zweiten Reihe das leiseste Auto der Welt zu haben. Und tatsächlich ist die Dämmung so gemacht, dass Rollgeräusche keine Chance haben. Das ist auch der extra für den Maybach entwickelten Reifenmischung geschuldet, die die sonst so unangenehme Frequenz bei 200 Hertz restlos ausfiltert. Hinzu kommt eine Dämpfung zwischen den Sitzen und der Karosserie, die für weitere Ruhe sorgt. Und so hat man während der Fahrt im Maybach nicht das Gefühl zu fahren, sondern eher zu gleiten. Dabei ist es fast egal, ob man sich für die Luftfederung oder das ABC-Fahrwerk entscheidet. Wobei erstgenanntes noch einen deutlichen Komfortpunkt bekommt.

Mach dich lang, Dirk

Die Silberkelche gehören wie im Ur-Maybach dazu.
Die Silberkelche gehören wie im Ur-Maybach dazu.

Bei einer Gesamtlänge von 5,45 Metern muss auch ein Dirk Nowitzki keine Angst mehr haben, er könne die Beine nicht ausstrecken. In keinem anderen Auto der Welt, so Entwicklungschef Hermann Storp, kann der Beifahrersitz so weit nach vorne geschoben werden wie im Maybach. Wenn der Fondpassagier sich lang macht, findet er sich auf feinstem Nappaleder wieder. Das ist selbstredend nicht mit dem "normalen" Leder aus der Optionsliste anderer Serienfahrzeuge vergleichbar. Fein wie Handschuhleder, bedeckt es sogar den Fahrzeughimmel und wird in unterschiedlichen Strukturen angeboten. Wer es für die Polster mit Rautenmuster und V12-Logo wählt, zahlt erneut knapp 4000 Euro dazu.

Die Füße der Fondpassagiere stehen - und hier möchte man die Schuhe ausziehen - auf echtem Lammfell. Hinter der Mittelarmlehne finden sich der Kühlschrank und die schon im Ur-Maybach mitgeführten zwei Silberkelche, die, wenn überhaupt, dann nur mit Champagner gefüllt werden sollten. In die Armatur eingelassen zeigt eine IWC-Uhr, was die Zeit geschlagen hat. Zur Wohlfühlatmosphäre gehört auch ein ganz eigener Maybach-Duft, der aber nur verströmt werden kann, wenn das Air-Balance-Paket geordert wurde. Fehlen dürfen auch die Holzapplikationen und die verchromten Zierleisten nicht. Die Liste der Zutaten ist lang und insofern verwundert es nicht, dass Produktmanager Martin Hülder den Begriff "Schnäppchen" im Zusammenhang mit einem Maybach gar nicht gerne hört. Er sieht hier vielmehr ein Understatement zu Rolls Royce und Bentley. "Wir gehen davon aus, dass ein Maybachkäufer mindestens 200.000 Euro für sein Fahrzeug ausgibt."

Hier gibt es nur ein Getränk: Champagner.
Hier gibt es nur ein Getränk: Champagner.

Immer noch ein Klacks für die Klientel, die Mercedes für sein Traumschiff im Visier hat. Es sind die sogenannten Ultrareichen. Das sind Menschen, die ein verfügbares Vermögen von 30 Millionen Euro vorweisen können. Zurzeit gibt es davon 211.000 auf der Welt. Bis 2019 soll die Zahl auf 250.000 steigen. Eine Zielgruppe, die auch andere Premiumhersteller im Blick haben. So wird VW in Kürze versuchen, mit dem Phaeton nachzuziehen und auch BMW stellt seinen neuen 7er bereits in diesem Jahr vor. Storp sieht es gelassen. "Die müssen erst mal zeigen was sie haben", so der Entwicklungschef. "Und wenn sie dann wirklich besser sind, dann werden wir sie wieder einholen." Im Augenblick sind die Stuttgarter, was Technik und Assistenzsysteme betrifft, aber Benchmark. Deshalb wundert es auch nicht, dass die Idee Maybach weiter ausgebaut werden soll. Mit einer Langversion, die dann über sechs Meter misst, einem Cabrio und einem Pulman. Jenem Auto, das als Papamobil zur Legende wurde. Schade nur, dass der Papst Franziskaner ist und lieber mit einem Citroen C4 durch die Lande fährt.

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Quelle: n-tv.de