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Unmögliches möglich gemacht Ducati Diavel 1260 S - vom Teufel geritten

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So ungelenk die Ducati Diavel 1260 S aussehen mag, so sehr überrascht sie im Gebrauch.

(Foto: Ducati)

Die Ducati Diavel 1260 S ist ein unmögliches Motorrad, das enorm viel möglich macht. Eine teuflische Wunderwaffe auf Rädern, die mit ihrem Auftritt ebenso überrascht wie mit ihren Fahrkünsten. Selbst dann, wenn sie nicht perfekt ist.

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Mit 159 PS ist die Ducati Diavel 1260 S bei Bedarf auch richtig stark.

(Foto: Ducati)

Man schrieb das Jahr 2011, als in Bologna der Teufel los war: Ducati führte eine merkwürdige Cruiser-Baureihe ein und nannte sie Diavel. Mit diesem Ausdruck bezeichnen die Leute in und um Bologna den Teufel. Neun Jahre später müssen selbst anfängliche Skeptiker einräumen, dass das mit "unmöglichen" technischen Daten aufwartende Motorrad erstens tatsächlich ein Teufelsding ist und zweitens die Modellbezeichnung hundertprozentig trifft.

Es ist nachgerade teuflisch, wie man mit der Duc mit dem langen Radstand - er beträgt immerhin 1,60 Meter - unterwegs sein kann. Und diabolisch ist oft das Grinsen des Fahrers unterm Helm, wenn er Fahrmanöver absolviert hat, über die Fachkundige den Kopf schütteln: "Das geht doch gar nicht mit so einem Ding." Doch, es geht. Ok, nicht alles, aber vieles, vor allem viel mehr als gedacht.

Kurven gehen gar nicht?

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Normalerweise ist ein Radstand von 1,60 Meter, wie ihn die Diavel 1260 S hat, zum Kurvenfahren denkbar ungeeignet.

(Foto: Ducati)

Grundsätzlich ist ein langer Radstand in Kombination mit einem überbreiten Hinterreifen für die Kurvenagilität ungefähr so vorteilhaft wie der Leibhaftige als Bewacher des Weihwasserkessels in einer römisch-katholischen Kirche. Wenn man jetzt noch weiß, dass der hintere Pneu der Diavel sage und schreibe 24 Zentimeter breit ist, was für zügiges Kurvenfahrten enorme Schräglagen bedeutet und den Reifenaufstandspunkt weit aus der Reifenmitte driften lässt, dann ist jedem Biker eigentlich klar, dass man für dynamischen Fahrspaß lieber eine Monster wählen sollte statt einer Diavel.

Doch weit gefehlt: Die Diavel beherrscht auch das Metier des kurvenreichen Geläufs, sogar, ohne dass dabei die Rasten schleifen. Ein kurzer Druck am Lenker genügt, schon nimmt sie willig Position ein und durcheilt stabil jede gewünschte Biegung. Dass dabei 244 Kilogramm plus eine beträchtliche Motorleistung - wir sprechen von immerhin 159 PS - zwei weitere außergewöhnliche Faktoren sind, gehört ebenfalls zu dem teuflischen Spiel, das Ducati im Falle der Diavel mit unsereins treibt.

Druck im Keller, Feuer auf dem Dach

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Was die Ducati Diavel 1260 S gar nicht mag, ist der Stadtverkehr.

(Foto: Ducati)

Wir halten also fest: Die Diavel ist ein richtig gut fahrbares Motorrad. Zudem bei Bedarf bösartig stark: 159 PS leistet ihr Zweizylindermotor, dessen acht Ventile ganz nach bester Art des Hauses von einer desmodromischen Zwangsjacke betätigt werden; zusätzlich gibt es eine variable Ventilsteuerung. Die sorgt für Druck im Keller und Feuer auf dem Dach - zumindest theoretisch. Zwar herrscht sofort Vollbrand, sofern der Fahrer die Drosselklappen öffnet. Doch zu wessen bevorzugtem Geläuf der Stadtverkehr gehört, der wird die Sinnfrage stellen: Unter 4000 Kurbelwellenumdrehungen kann von Laufkultur keine Rede sein.

Nein, der mächtige V2 in L-Konfiguration - der "vordere" Zylinder liegt flach auf dem Rücken - ist einfach ein Sportmotor, giert nach Drehzahl und ist untenrum kein Schwarzenegger. 9500 U/min beträgt die Nenndrehzahl, das ist ungefähr das Doppelte jedes anderen Cruisers von Rang auf dieser Welt. Und deshalb fährt man am liebsten und zugleich am komfortabelsten mit Drehzahlen jenseits der 4000. Viel Sprit kostet der Spaß übrigens nicht: Der angegebene Normverbrauch von 5,4 Liter über 100 Kilometer lässt sich problemlos realisieren, wobei die Verbrauchsanzeige schelmisch noch deutlich günstigere Werte vorgaukelt.

Alles ist möglich

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Was die Ducati Diavel 1260 S mag, sind Ausflüge über Land.

(Foto: Ducati)

Kupplung, Getriebe, der Zweiwege-Schaltassistent - alles funktioniert leicht und behände. Auch die Bremsen sind feinste Ware des italienischen Nobel-Ausrüsters Brembo; sie beißen fest zu, sind aber fein dosierbar. Dass die Diavel ein solcher Schluchtenflitzer ist, verdankt sie zum Teil auch den exzellent abgestimmten, darüber hinaus aber vielfach einstellbaren Federelementen des schwedischen Premium-Herstellers Öhlins.

Die sorgfältige Abstimmung aller Komponenten dieser Ducati merkt man auch an den zahlreichen Regelsystemen, für die Bosch und Ducati gemeinsam geradestehen. Egal, ob Wheelie ja/nein, Katapultstart oder nicht oder Kurvenwetzen am Limit - alles regelt im Fall des Falles so, wie man sich das als Fahrer wünscht. Für Experten, Wagemutige oder Hasardeure sind alle Regelungstechnologien auch deaktivierbar.

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Das Display der Diavel 1260 S liefert alle Informationen, nur die aktuelle Uhrzeit verrät es nicht.

(Foto: Ducati)

Die Ausstattung der Diavel 1260 S ist insgesamt gut; sogar einen am luftigen Heck ausziehbaren Soziushaltegriff hält sie bereit. Was sie nicht kann - den Fahrer vor Wind und Wetter schützen beispielsweise - ist beabsichtigt. Das reichliche Werks-Zubehörangebot sorgt aber dafür, dass dem teuflischen Power-Cruiser auch solche Aufgaben abverlangt werden können, die ihm nicht wirklich in die Wiege gelegt wurden. Nicht so recht nachvollziehbar ist, dass die Entwickler den Diavel-Nutzer offenbar unabhängig von Zeit und Raum sehen wollen - eine Zeituhr ließ sich in der ansonsten reichlichen Bestückung des Bordcomputers nicht finden. Weitere wesentliche Ungereimtheiten jenseits der nicht ganz zufriedenstellenden Motorabstimmung haben sich während des Testzeitraums nicht in den Vordergrund gedrängt.

Klar: 23.500 Euro sind kein Pappenstiel. Dafür kriegt man auch was bei BMW, Triumph, Indian oder Harley-Davidson. Auch die teils hübschen Töchter anderer Mütter können faszinieren. Ein so diabolisches Grinsen wie die Ducati Diavel allerdings ruft keine hervor: So unberechenbar, wie das Teufelsding aus Bologna ist, ist keine andere. So harmlos lächelnd und dabei dermaßen gefräßig. Distanzen schnupft sie weg wie Pete Doherty frischen Schnee. Wer hätte je gedacht, dass die rote Schmiede prachtvoller Sportmotorräder auch eine Art Cruiser bauen kann.

Quelle: ntv.de, Ulf Böringer, sp-x