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959 Panigale dicht an der 1299 Ducati mit präzisem Schnell-Schuss

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Die Ducati 959 Panigale erfreut vor allem durch ihre Schräglagenfreiheit.

Bereits kurz nach der Motorradmesse EICMA bringt Ducati die neue 959 Panigale für einen ersten Test auf die Straße. Dabei rückt das erstarkte Einliter-Superbike der großen Schwester 1299 Panigale dichter auf die Pelle.

Superbikes haben's schwer am Motorradmarkt; die Begeisterung fürs Fahren in gebückter Haltung hat im Lauf der letzten Jahre nicht nur in Deutschland deutlich nachgelassen. Vierstellige Jahres-Zulassungszahlen vermeldet der Industrieverband Motorrad (IVM) in Essen alleine für die BMW S 1000 R, alle anderen Hersteller müssen sich mit maximal dreistelligen begnügen. Angesichts dieser Situation hat die nach dreijähriger Bauzeit jetzt ausgelaufene 899 Panigale mit gut 300 Exemplaren im bisherigen Jahr 2015 gar nicht schlecht abgeschnitten; für die rund 50 PS leistungsstärkere 1299 werden gut 500 Stück notiert. Der Abstand zwischen der "kleinen" und der "großen" Italienerin könnte künftig noch geringer werden, denn die neue 959 macht ihre Sache ausgezeichnet. Das zeigten die ersten Testrunden in Valencia.

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Mit 16.290 Euro steigt die Ducati 959 Panigale ein.

20 Grad, wenig Wind, überwiegend blauer Himmel: Ideale Bedingungen, um der neuen 959 Panigale auf dem Circuito Riccardo Tormo auf den Zahn zu fühlen. Der ziemlich winkelige Kurs stellt sich als ausgezeichnetes Testgebiet heraus, denn motorische Höchstleistung steht angesichts der vielen, überwiegend recht engen Kurven nicht im Vordergrund. Wichtiger ist Handlichkeit in Verbindung mit guter Stabilität, um die Biegungen harmonisch bewältigen und die Linie notfalls korrigieren zu können. Diese Disziplin beherrscht die 959 Panigale ausgezeichnet; dank unendlich scheinender Schräglagenfreiheit, voll auf die Fahrerbedürfnisse einstellbarer Federelemente und eines relativ kurzen Radstandes erweist sie sich als handliches Sportgerät, dem jede Nervosität fremd ist.

60 Kubik mehr Hubraum

60 Kubikzentimeter mehr Hubraum dank eines leicht verlängerten Kolbenhubs unterscheiden den V2 der 959 von dem der nicht mehr gebauten 899. Grund für die Veränderung ist die neue Emissionsnorm Euro 4, die 2017 in Kraft tritt und weniger Abgase sowie reduzierte Lärmemissionen vorschreibt. Um die bisherige Leistung von 148 PS und 96 Newtonmetern nicht zurückfahren zu müssen, hat sich Ducati zur Konstruktion eines neuen Motors entschlossen. Sechs Prozent Mehrleistung – das sind 157 PS -  und mit 107 Newtonmeter sogar acht Prozent mehr Drehmoment sind das höchst erfreuliche Ergebnis der teuren Maßnahme. Das Triebwerk fühlt sich über die gesamte Bandbreite kräftiger an, wobei der Durchzug bei mittleren Drehzahlen spürbar fülliger ist. Die Drehfreude des Ducati-V2 hat unter dem längeren Kolbenhub nicht gelitten. Der tadellos funktionierende Schaltassistent ist trotz leichtgängiger Kupplung höchst willkommen; Schade nur, dass er nicht auch das Herunterschalten beherrscht.

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Selbst groß gewachsene Fahrer finden auf der 959 Panigale ihre Position.

Die Elektronik-Ausstattung der 959er ist gegenüber der 1299 Panigale zwar reduziert, aber für sich betrachtet ausgezeichnet: Das Ride-by-wire-System ermöglicht die Bereitstellung von drei Motor-Mappings (Race, Sport, Nässe), deren Ansprechverhalten sich wahrnehmbar unterscheidet. Zudem ist mit dem jeweiligen Fahrprogramm die ABS-Regelung als auch die achtstufig einstellbare Traktionskontrolle gekoppelt. Für den Landstraßenbetrieb empfiehlt sich eindeutig die Sport-Einstellung; der Gasgriff spricht spontan genug an, das ABS schützt nicht nur beide Räder vor Blockaden, sondern hält auch das Hinterrad sicher am Boden. In "Race" sind die Helferlein weniger aktiv; wer will, kann aber auch "pur" fahren. Das Einstellungs-Menü des Bordcomputers ist sinnvoll gegliedert, die Ablesbarkeit des Anzeige-Displays einwandfrei.

Jetzt geht’s etwas dezenter

Weniger Lärm – auch diese Forderung der Euro 4-Norm erfüllt die 959 Panigale. In Vorbeifahrt hört sie sich tatsächlich zurückhaltend an, und zwar selbst beim Schalten in höheren Drehzahlregionen. Schade nur, dass Ducati sich genötigt sah, statt der bisherigen Unterflur-Auspuffanlage einen konventionellen Zweirohr-Endschalldämpfer an die rechte Fahrzeugseite zu montieren. Der mag nicht so recht zum überaus eleganten Erscheinungsbild der Panigale passen. Das geben auf Nachfrage sogar die für die Entwicklung dieses Motorrads verantwortlichen Herren aus Bologna zu; vieldeutig murmeln sie, "dass man sich für 2017 etwas überlegen wird" - was immer das auch sein mag.

Wichtig zu bemerken ist bei der nun mindestens 16.290 Euro kostenden 959 Panigale, dass sie trotz ihres supersportlichen Charakters kein zickiges Wesen hat, sondern recht umgänglich ist und sogar einiges an Komfort zu bieten hat. Die Sitzposition ist selbst für Menschen über 1,90 Meter okay, der Kniewinkel wie auch die Lenker-Positionierung tadellos. So reduziert sich die Kritik an diesem supersportlichen Motorrad auf eine im praktischen Umgang ärgerliche, eigentlich überflüssige Lappalie: Der Seitenständer ist so gut ins Fahrzeug integriert, dass er nur von Hand ausklappbar ist. Aber man ist auf der 959 ja eh' gebückt unterwegs.

Quelle: ntv.de, hpr/sp-x