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Nur noch mit Dreizylinder Opel Astra - ist der neue wie der alte?

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Mit einem Facelift läutet der Opel Astra die nächsten zwei Jahre ein, bis er von einem Astra mit PSA-Genen abgelöst wird.

(Foto: Holger Preiss)

Fünf Weltpremieren verspricht Opel für die IAA in Frankfurt, darunter auch den "neuen" Astra. Neu ist hier vor allem, dass der Kompakte nur noch mit Dreizylindermotoren fahren wird. Ein Grund mehr, dass sich n-tv.de in den Taunus aufmacht, um die Rüsselsheimer Eigengewächse zu einer Probefahrt zu bitten.

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Wer den "neuen" Opel Astra von der Seite betrachtet wird keine Veränderungen zum Vorgänger feststellen.

(Foto: Holger Preiss)

Noch vor der IAA in Frankfurt kündigt Opel den neuen Astra an. Hui, denkt der Kenner, die sind aber früh dran. Nach nur vier Jahren ein neuer Kompakter. Aber wie immer muss man zwischen den Zeilen lesen oder aber einfach nur genau hinschauen. Der Neue ist der Alte. Äußerlich hat es nämlich außer kleinen Retuschen keine nennenswerten Änderungen gegeben. Die Augenfälligste ist die Chromspange, die sich vom Opel-Logo aus der Mitte wie eine Vogelschwinge zu den Frontscheinwerfern zieht, die natürlich weiterhin mit Matrix-Licht strahlen dürfen. 

Auch im Innenraum wurde geliftet. Da gibt es jetzt ein neues Infotainment-System mit einem größeren Touchscreen, ein Navi mit Echtzeitinformationen und erstmals in einem Astra teildigitale Instrumente. Wobei die Mischung mit Chromspangen für die analogen Teile und dem digitalen Mittelteil echt schick aussieht. Zudem gibt es zeitgemäß eine kabellose Ladestation für das Smartphone und eine beheizbare Frontscheibe. Eine neue Frontkamera soll jetzt auch Fußgänger erkennen und die am Heck liefert bessere Bilder auf den Bildschirm in der Mittelkonsole. Aber am Ende gilt: Wirkliche Veränderungen gibt es nur bei den Triebwerken.

Groß gegen klein

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Auch am Heck und hinter der Klappe bleibt mit 370 Litern Kofferraumvolumen alles, wie es ist.

(Foto: Opel)

Nein, die stammen noch nicht aus dem PSA-Regal, sondern sind wahrscheinlich die letzten Eigenentwicklungen der sehr innovativen Motoren-Schmiede in Rüsselsheim. Zum einen gibt es auf der Seite der Benziner einen neuen Dreizylinder in drei Leistungsstufen, der seine Kraft aus 1199 Kubikzentimetern Hubraum schöpft. Zum anderen einen Diesel, ebenfalls mit drei Zylindern, der aus 1496 Kubikzentimetern Hubraum 105 und 122 PS generiert. Während der 1,2-Liter-Dreizylinder also die bis dato verbauten 1,0-Liter-Dreizylinder-Motoren ablöst, ersetzt der 1,5-Liter-Dreizylinder-Diesel den größeren 1,6-Liter-Vierzylinder.

Wenden wir uns zuerst dem Benziner zu. Der treibt in seiner kleinsten Ausführung mit 110 Pferden an, in der nächsthöheren Stufe sind es 130 und das Leistungsende bildet die Ausführung mit 145 PS. Den mittleren Motor hat n-tv.de dann auch zu einer ersten Testfahrt gebeten. Was alle genannten Leistungsstufen eint, ist der Umstand, dass sie ausschließlich mit einem manuellen Sechsganggetriebe angeboten werden. Wer sich also für die Sparvarianten entscheidet - das Einstiegsmodell gibt es ab 19.990 Euro - muss in jedem Fall rühren. Das ist in einer Zeit, in der sich immer mehr Käufer für einen Automaten entscheiden, schon ein erstaunlicher Schachzug. Grund ist aber wohl der, dass Opel für die nächsten zwei Jahre, bis wirklich ein neuer Astra mit PSA-Genen kommt, seine GM-Altlasten abtragen muss.

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Der 1,4-Liter-Dreizylinder-Benziner gefällt mit seinem sequenziellen Automatikgetriebe am besten.

(Foto: Holger Preiss)

Nun hört sich das schlimmer an, als es ist. Die kleinen Dreizylinder sind durchaus fahrbare Motorisierungen, wenngleich nicht verhehlt werden soll, dass, wer Leistung in allen Lebenslagen wünscht, hier nicht glücklich wird. Unten raus geht die Fuhre ganz flott voran, bei höheren Geschwindigkeiten wird es etwas zäh. Auch die traumhaften Verbrauchswerte, die Opel für die neuen Motoren angibt, dürften sich kaum erfahren lassen. Zum einen handelt es sich um Werte, die unter NEFZ-Bedingungen ermittelt wurden, zum anderen genehmigte sich der gestete 130 PS starke Dreiender beim ersten Lauf knapp zwei Litern mehr, als Opel angegeben hat. Was alle Dreizylinder von Opel eint, ist eine angenehme Laufruhe. Nein, das typische Knurren haben auch die Ingenieure in Rüsselsheim nicht unterdrücken können und auch das leise Pfeifen des Turbos auf der Autobahn ist geblieben, aber insgesamt hält sich das alles angenehm in Grenzen.

Nur ein Benziner mit Automatikgetriebe

Fakt ist natürlich, dass Opel mit der Reduzierung auf die Dreizylinder kein wirklich sportliches Astra-Modell mehr im Portfolio hat und in den Reihen der Benziner auch nur noch ein Angebot mit Automatikgetriebe: den 1,4-Liter-Dreizylinder mit 145 PS. Der startet bei 26.600 Euro. Allein das sequenzielle Getriebe, das wider Erwarten ausgesprochen geschmeidig die einzelnen Schaltstufen durchläuft, macht den 1,4er zu einer Überlegung. Nach wie vor ist ein solches Getriebe nicht dazu angetan, ein Auto besonders dynamisch voranzutreiben. Aber man ist mit ihm entspannt unterwegs und kann die vielen kleinen Helferlein wie Abstandstempomat, Spur- und Stauassistent in Gänze nutzen.

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Im Innenraum gibt es einen neuen TFT und eine Kombination aus analogen Rundinstrumenten und einem digitalen Display in der Matrix.

(Foto: Holger Preiss)

Dabei hat der kleine Dreiender mit seinen 145 PS und einem maximalen Drehmoment von 236 Newtonmetern unten raus echt Potenzial. Hier zieht er geradezu formidabel an. In 9,4 Sekunden ist die 100-km/h-Marke geknackt. Aber schon von Tempo 80 auf 120 wird es etwas betulicher. Für flotte Überholmanöver wünscht man sich dann Schaltwippen, die es im Astra nicht gibt. Wer per Hand schalten will, muss das über das Knüppelchen machen. Das bringt aber außer dem guten Gefühl der Selbstbestimmung für die Performance wenig. Aber das gilt auch für die Rührmaschinen in den 1,2-Liter-Modellen. Im normalen Fahrbetrieb erfreut der 1,4-Liter-Benziner mit seiner durchaus kultivierten Art der Tongabe. Das Dreizylinderknurren stört hier ebensowenig wie bei den kleineren Varianten.

Störend ist eher der Gedanke, dass Opel mit einem CO2-Wert von 99 Gramm/Kilometer für alle seine neuen Benziner wirbt. Die Verbrauchsangaben sind aber im alten Messverfahren NEFZ ermittelt. Nehmen wir, weil wir gerade dabei sind, den 1,4er her. Der 145 PS starke Dreizylinder ist mit 5,6 Litern im Datenblatt angegeben. Erfahren wurden im Taunus mit leichtem rechten Fuß 6,4 Liter. Ein grandioser Wert, der sich aber spätestens dann relativiert, wenn man den 1,3 Tonnen schweren Fünftürer die Berge hinaufjagt. Da rauscht die Anzeige dann mal locker in den zweistelligen Bereich. Und auf der Autobahn? Da waren es 8,4 Liter. Die Wahrheit liegt am Ende wohl irgendwo zwischen diesen Werten. Wie eben auch der CO2-Ausstoß.

Dreizylinder Diesel löst Vierender ab

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Die AGR-Sitze im Opel Astra sind nach wie vor eine Klasse für sich.

(Foto: Holger Preiss)

Wenden wir uns dem Diesel zu. Der neue 1,5-Liter-Dreizylinder, der für 23.385 Euro in der Liste steht, macht bei einem kurzen Ausritt einen guten Eindruck. Allerdings ist der 105-PS-Einsteiger wie die kleinen Benziner nur als Handschalter zu haben und mit einer Sprintzeit von 10,6 Sekunden aus dem Stand auf Landstraßentempo werden hier keine Spuren im Asphalt hinterlassen, aber lockeres Mitschwimmen im Verkehr sollte kein Problem sein. In seiner zweiten Ausbaustufen leistet der Diesel 122 PS und ist für 29.145 Euro sogar mit einer Neungangautomatik zu bekommen. Die soll auch maßgeblich zum grandiosen Verbrauch von 4,5 Litern (NEFZ) und einem CO2-Wert von 94 Gramm/Kilometer (NEFZ) beitragen. Während sie ihre Arbeit im Geradeauslaufen sehr souverän verrichtet, wird sie beim Gang über die Berge etwas nervös, verzettelt sich beim Schalten, um den Gang dann rabiat noch eine Stufe nach unten zu wuchten. Hier hätte man angesichts der neun Stufen etwas mehr Souveränität erwartet.

Unangefochten sind die AGR-Sitze im Astra, die mit dem Facelift verbesserte Lenkung und die standfesteren Bremsen. All das macht den kompakten Opel für die nächsten zwei Jahre, bis der wirklich neue Astra kommt, durchaus wettbewerbstauglich. Wer in der Zwischenzeit mit dem kompakten Opel in Gedanken spielt, hat nunmehr die Wahl zwischen sechs Ausstattungslinien. Neu sind hier Elegance für zusätzlich 4800 Euro für Menschen mit "höheren Ansprüchen" und die GT Line, die für Freunde der sportlichen Optik 4500 Euro mehr kostet. Wer sich vom gelifteten Astra selbst ein Bild machen möchte, hat dazu auf der IAA vom 12. bis 22. September Gelegenheit. Da steht der Kompakte als Fünftürer und Tourer neben dem wirklich neuen Corsa und Corsa e auf dem Messestand der Rüsselsheimer.

Quelle: n-tv.de

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