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Zwei neue Turbo-Benziner Fiat 500 X wird zum "Glühwürmchen"

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Neue Stoßfänger und Leuchten sollen die Optik des 500 X schärfen.

(Foto: Axel F. Busse)

Bis zu einem Fünftel Benzin-Ersparnis verspricht Fiat für die neue Generation von Turbo-Benzinern, die im Fiat 500 X ihren Dienst verrichtet. Ob dieses Versprechen in der Praxis einzulösen ist? n-tv.de hat die Probe aufs Exempel gemacht.

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Farbtupfer in den Rückleuchten gehören ebenfalls zu den optischen Änderungen.

(Foto: Axel F. Busse)

Er gilt als Musterbeispiel eines erfolgreichen Image-Transfers: Die knuffige Kleinwagen-Ikone Cinquecento wurde von dem italienischen Konzern 2007 als Fiat 500 der Neuzeit wiederbelebt und mittlerweile als Cabrio, Mini-Van und Crossover derivatisiert. Der Fiat 500 X wird seit 2014 als Abkömmling des 500ers wahrgenommen, obwohl er technisch herzlich wenig mit ihm zu tun hat. Als naher Verwandter ist eher der Jeep Renegade anzusehen, der im gleichen Werk wie der 500 X montiert wird.

Den Buchstaben X, der vielen Autofahrern Allradantrieb und Geländetauglichkeit signalisiert, trägt er in den meisten Fällen nur als Schmuck und nicht als Ausweis von Offroad-Technik. Europaweit werden etwa fünf Prozent der Fiat 500 X mit 4x4-Antrieb verkauft, in Deutschland waren es 2017 knapp sieben Prozent. Im ersten Halbjahr 2018 sank der Wert auf drei Prozent. Wenn es aber um Boulevardtauglichkeit, Lifestyle und schickes Ambiente geht, fährt der 500 X ganz vorne mit. Jetzt bekommt er eine technische Auffrischung, wozu zwei neue Turbo-Benzinmotoren gehören. Sie haben drei oder vier Zylinder, einen oder 1,3 Liter Hubraum.

Dass der Hersteller den Neuentwicklungen den Beinamen "Firefly" (Glühwürmchen) gab, soll Leichtigkeit und Effizienz zum Ausdruck bringen. Beide bekommen mittels Turbolader eine komprimierte Verbrennungsluft zugeteilt und sollen bis zu einem Fünftel weniger Benzin verbrauchen als die vergleichbaren Aggregate des bisherigen Motorenprogramms. Von den insgesamt sieben Varianten sind drei Benziner und vier Diesel, wobei die Selbstzünder in Deutschland eine eher unbedeutende Rolle spielen. Von rund 19.000 Neuzulassungen des 500ers (inklusive aller Varianten) in Deutschland seit Jahresbeginn waren nur 4,3 Prozent mit einem Dieselmotor ausgestattet.

Wiedererkennung durch Lichtsignatur

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Der neue Dreizylinder-Turbo im Fiat 500 X leistet 120 PS.

(Foto: Axel F. Busse)

Die Veränderungen an der Optik sind minimal, beschränken sich auf Kosmetik an den Leuchteinheiten vorn und hinten, die zum Beispiel durch die Signatur des Tagfahrlichts einen höheren Wiedererkennungswert garantieren sollen. Dazu kommen neue Stoßfänger, die den Auftritt robuster erscheinen lassen. Innen wurden ein neues Multifunktionslenkrad spendiert und die Instrumente überarbeitet, denen der Hersteller mehr Klarheit und Übersichtlichkeit zumisst. Von den Sitzen wünschte man sich mehr Seitenhalt und eine stärkere Konturierung, doch sie blieben von der Renovierung offenbar unberührt. Die Platzverhältnisse sind auskömmlich, was kein Wunder ist, denn mit 4,27 Metern Karosserielänge lässt der 500 X andere aufgeblasene Kleinwagen, wie etwa den Mini Countryman, deutlich hinter sich.

Wichtiger als die Retusche an einem ohnehin schon freundlichen Gesicht ist es heute, die Erwartungen der Kunden in Sachen Konnektivität und Assistenzsysteme zufriedenzustellen. In der Regel wollen sie immer online sein, Apps und Service-Leistungen aus dem Internet nutzen und sich gleichzeitig darauf verlassen können, dass ihr Auto sie schon warnt, wenn sie aus der Spur zu geraten oder in einen Auffahrunfall verwickelt zu werden drohen. Der neue 500 X erfüllt diese Erwartungen, bietet in Serie Verkehrszeichenerkennung und eine automatische Notbremsfunktion.

Allerdings bietet die Harmonisierung der verschiedenen Warnsysteme neue Aufgaben für die Ingenieure der Hersteller. Zum Beispiel dann, wenn, wie im 500 X das eine System auf der Wahrnehmung einer Frontkamera, das andere auf den Daten aus der GPS-Navigation aufbaut. Signalisiert der Standort des Fahrzeugs zum Beispiel eine City-Tour, in der 50 km/h als Limit gelten, könnte die Kamera zum Beispiel die Herabsetzung der Höchstgeschwindigkeit in einer Baustelle auf 30 km/h anzeigen. So kann es im Cockpit zu zwei widersprüchlichen Informationen kommen und der Fahrer tut gut daran, das jeweils niedrigere Tempolimit als das geltende anzusehen.

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Kontrastfarben nach Art des Außenlacks gehören auch zu den zentralen Designmerkmalen des Fiat 500 X.

(Foto: Axel F. Busse)

Darüber hinaus sind im Fiat 500 X nunmehr ein Spurhalte-Assistent und ein Tempo-Alarm an Bord, der an die jeweils gültige Höchstgeschwindigkeit erinnert. Ohne die Aufrüstung mit Apple Car Play und Android Auto traut sich heute ohnehin kaum noch ein Neuwagen zu den Kunden, natürlich bietet der 500 X auch diese Verbindungsmöglichkeit und damit den Zugriff auf Funktionen des Smartphones an. Große Erwartungen aber setzt Fiat in die neuen Benzinmotoren, die laut Hersteller-Prosa das Zeug hätten, "die Branche zu revolutionieren".

Ordentlich Druck aus vier Zylindern

Der Einliter-Motor schöpft seine Kraft von 120 PS aus drei Zylindern, wo ab 1750 Umdrehungen auf 190 Newtonmeter Drehmoment zugegriffen werden kann. Das mag für einen 1320 Kilo schweren Fünftürer auskömmlich sein, jedoch wird ein Vierzylinder mit 270 Newtonmetern den Wünschen nach ausgeprägtem Temperament naturgemäß besser gerecht. Die mobilisiert der zweite Neuling ab 1850 Umdrehungen und bei 5250 Touren erreicht er sein Leistungsmaximum von 150 PS. Erstaunlicherweise gibt Fiat das Leergewicht des mit einem Zylinder mehr ausgestatteten Wagens ebenfalls mit 1320 Kilogramm an.

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Bis zu 18 Zoll große Felgen kann man für den 500 X ab Werk bestellen.

(Foto: Axel F. Busse)

Erwartungsgemäß ging der Einliter-Motor bei den ersten Testfahrten mit einer herzhaften Klangfarbe zu Werke, wobei das manuelle Sechsgang-Getriebe gut abgestuft und geschmeidig schaltbar den Vortrieb umsetzte. Im Spurt soll der Wagen knapp unter elf Sekunden die 100-km/h-Marke reißen, maximal sind laut Datenblatt 188 km/h möglich. Noch zwölf Stundenkilometer mehr werden der 150-PS-Variante zugeschrieben, wobei der Spurt in 9,1 Sekunden absolviert sein soll. Das Fahrwerk präsentierte sich in der sportlich-robusten Attitüde, die von den Bezeichnungen der höherwertigen Ausstattungs-Varianten "Cross" und "City Cross" ganz treffend beschrieben werden. Allerdings kann Freude an der Lenkung nur im engen Innenstadt-Betrieb wirklich aufkommen, im Überland-Betrieb erscheint sie einem häufig als zu weich und indirekt.

Den Beweis unbedingter Sparsamkeit müssen die neuen Motoren erst noch erbringen. Das urbane Umfeld der Fiat-Heimat Turin ist am Ende nicht unbedingt typisch für das Fahrprofil mitteleuropäischer Fiat-500-Nutzer. Allerdings überraschten die erfahrenen Verbräuche um neun Liter je 100 Kilometer für den Dreizylinder auf der ersten Testrunde dann doch. Auf dem Prüfstand sollen es nicht mehr als sechs gewesen sein und so steht es auch im offiziellen Datenblatt. Das Vierzylinder-"Glühwürmchen" ist dort mit 6,5 Liter je 100 km verzeichnet.

Da trifft es sich gut, dass Fiat für die nachvollziehbare Wert- und Ausstattungssteigerung der einzelnen Varianten keine Aufschläge in der Preisliste vorgenommen hat. Das Einstiegsmodell (es hat einen 1,6-Liter-Benziner mit 110 PS) ist ab 17.490 Euro zu haben. Das Einliter-Glühwürmchen kostet mindestens 19.190 Euro, der stärkere der beiden neuen Motoren wird nur ab der höherwertigen City-Cross-Ausstattung angeboten und kostet dann 23.690 Euro. Wer den 150-PS-Diesel nebst Allradantrieb und umfangreicher Komfort- und Sicherheits-Ausstattung haben will, zahlt mindestens 28.990 Euro.

Quelle: n-tv.de

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