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Mercedes' Diesel-Alternative GLE 300 d - der Dicke zum "kleinen" Preis?

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Auch als 300 d zieht der GLE im bergigen Kurvengewirr sauber seine Bahn.

(Foto: Dirk Weyhenmeyer)

Wer mit einem Mercedes GLE liebäugelt, ist preislich locker über der 70.000-Euro-Marke. Mit einem 300 d, der Einstiegsvariante ins Segment, startet man unter dieser magischen Zahl. Aber reicht der Diesel aus und bleibt es am Ende bei dem Preis?

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Der GLE 300 d ist in der Reihe der Sparmeister.

(Foto: Dirk Weyhenmeyer)

So ein Mercedes GLE ist alles andere als ein preiswertes SUV. Dennoch haben die Stuttgarter versucht, mit dem 300 d eine Alternative für Sparfüchse zu schaffen, die unbedingt ein großes Sternen-SUV fahren wollen. Und um es an dieser Stelle kurz zu machen: Wir reden hier von einem Basispreis von 66.973 Euro. Ja, da stöhnt nicht nur der Autor und murmelt in seinen Bart: Richtig billig ist das nicht. Verglichen mit einem 350 d spart ein potenzieller Kunde aber bereits 3300 Euro und mit Blick auf einen 450 sind es sogar über 4000 Euro. Natürlich sind das alles Preise, die gelten, ohne dass auch nur ein einziges Kreuz in der Optionsliste gemacht wurde.

Was man aber auf jeden Fall für den Basispreis im 300 d bekommt, ist ein durchaus probates Mittel, die zwei Tonnen Lebendgewicht voranzubringen. Unter der Haube arbeitet nämlich ein neuer Vierzylinder-Diesel, der seine Kraft von 245 PS aus 1950 Kubikzentimetern Hubraum schöpft und dabei ein maximales Drehmoment von 500 Newtonmetern generiert. Im Verbund reicht das aus, um den 300 d aus dem Stand in 7,2 Sekunden auf Tempo 100 zu beschleunigen und bei anhaltenden Druck auf das Gaspedal am Ende mit 225 km/h über die Autobahn zu fliegen. Nun muss man aber Obacht geben. Die Werte lassen sich auf gerader Strecke ohne Wenn und Aber erfahren. Zumal die über neun Stufen schaltende Wandlerautomatik bei der Kraftverteilung nichts anbrennen lässt.

Keine Exzesse auf der Geraden

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Bis zu 225 km/h schnell kann der GLE 300d werden.

(Foto: Dirk Weyhenmeyer)

Wer aber aus den mittleren Drehzahlen spontan zu einem Überholmanöver ansetzt, der muss im Vorfeld den entgegenkommenden Verkehr gut im Blick gehabt haben. Denn genau hier fräst der 300 d keine Muster in den Asphalt. Vielmehr nimmt er sich die Zeit, sehr linear zu beschleunigen, ohne auch nur einen Gedanken daran zu verschwenden, dass es sich hier um einen kraftbetonten Sprint handeln könnte. Mit seiner Art des Antritts verweist er vielmehr auf seine Qualitäten als Langläufer. Aber noch etwas haben die Ingenieure bei dieser Art der Beschleunigung bedacht: Sie haben dem Turbo kein Loch gelassen. Der geht nämlich in der gleichen linearen Art an die Arbeit, wie der Wagen an Geschwindigkeit gewinnt. Wie gesagt, das ist ein sehr angenehmes Fahren, fordert am Ende aber nicht zu sportlichen Exzessen auf der Geraden heraus.

Versuche dieser Art bezahlt der Fahrer dann auch mit einem entsprechend hohen Verbrauch. Hier geht es dann schon in den zweistelligen Bereich. Wer sich aber in seinem GLE 300 d treiben lässt - und das muss nicht langsam sein - der dürfte mit gut acht Litern Diesel eine achtbare Strecke zurücklegen können. Das Ganze im Übrigen in einer ausgezeichnet gedämmten Kulisse, die Rollgeräusche sauber ausfiltert und auch aus dem typischen Knurren des Selbstzünders ein feines Schnurren macht. Zudem muss man sich auch über die Beschaffenheit der Straße keine Gedanken machen. Das erfreut umso mehr, als dass es sich hier um ein "schnödes" Fahrwerk mit Stahlfederung handelt. Was wiederum beweist, dass, wer mit seinem Mercedes sänftengleich über Unebenheiten schweben will, durchaus eine teure Luftfederung ordern kann, aber auch ohne keine Verwerfungen erleben wird.

Kein Verwischen der G-Kräfte

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Mit dem Vierzylinder-Diesel, der 245 PS leistet, ist der GLE 300d erstaunlich gut motorisiert.

(Foto: Andreas Lindlahr)

In einigen Fällen macht die einfache Ausführung sogar mehr Spaß. Verzichtet sie doch auf das weiche Sich-in-die-Kurve-Neigen und das Verwischen der G-Kräfte, das für sportliche Kurvenfahrer so wichtig ist, um den Grenzbereich des Wagens abschätzen zu können. Zumal die elektromechanische Lenkung auch beim 300 d keine Wünsche im Bezug auf ihre Direktheit offen lässt und den Zweitonner zielgenau durch die Kehren führt. Auch die Angst, man werde ohne Weiteres in einem Kurvengewirr, wie es auf der Transfogaraschen Hochstraße in Rumänien zu finden ist, von potenteren Fahrzeugen abgehängt, ist unberechtigt. Wenn der Vierzylinder im Sportmodus seine 500 Newtonmeter anlegt, dann schiebt der 300 d kraftvoll seine Passagier launig und vor allem standesgemäß ums Eck.

Apropos standesgemäß: Genau das ist ein Thema für die Kreuze in der Optionsliste. Denn den 300 d so ganz pur vor die heimische Tür zu stellen, kann dann wohl auch nicht das Ziel aller Sparsamkeit sein. Denn so ein schlüsselloser Zugang zum Fahrzeug und ein Startknopf sind schon was Feines. Kosten aber auch 900 Euro. Auch das Parkpaket, das das 4,92 Meter lange SUV geschmeidig in die Buchten schiebt, hat durchaus seine Vorzüge. Kostenpunkt für diesen Luxus: 870 Euro. Dafür spart, wer auf die Ledersitze verzichtet und die Nachbildung ordert. Dann bleiben sogar noch 1350 Euro für die Belüftung und die Heizung der elektrisch verstellbaren Polster. Bei dieser Aufzählung wird deutlich, dass sich auch der auf den ersten Blick recht preiswerte 300 d langsam über die 70.000 Euro hebt.

Einiges im Preis enthalten

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Die riesigen zwei Displays gibt's auch beim GLE 300 d schon im Einstiegspreis.

(Foto: Andreas Lindlahr)

Nicht unerheblich bei der Preisbildung ist der Umstand, dass in der Basis bereits der digitalisierte Arbeitsplatz des Fahrers mit dem Widescreen Cockpit und seinen riesigen zwei Displays enthalten ist. Ebenfalls im Preis enthalten ist das Multimediasystem von Mercedes MBUX. Leider litt es bei der Probefahrt wieder unter seinen Kinderkrankheiten: wenn das Wort Mercedes fällt, springt es sofort an, Fragen werden nicht beantwortet, sondern mit "Was kann ich für Sie tun?" quittiert, was letztlich zum resignierten Ruf "Abbruch" führte. Schade eigentlich, denn irgendwie hatte der Autor in Testwagen wie der B-Klasse das Gefühl, dass die Zeiten der Verständnislosigkeit vorbei wären.

Doch wir wollen das Thema an dieser Stelle nicht überstrapazieren, denn die Testfahrten fanden wie erwähnt in Rumänien statt und wer weiß, welche regionalen Verwirrungen des Systems zu dem Ergebnis geführt haben. Wenden wir uns lieber noch einmal der Preiskomposition eines GLE 300 d zu. Will man den auch äußerlich verschönern, muss für Metallic-Lackierung, 20-Zoll-Räder und getönte Scheiben noch etwas Geld locker gemacht werden. Unterm Strich stehen also am Ende mindestens 75.000 Euro. Wir erschrecken an dieser Stelle also ein zweites Mal, bedenken aber gleichsam, dass auch die anderen oben angeführten Modelle ohne Zusatzausstattung gelistet sind und bei entsprechenden Beigaben mindestens 10.000 Euro teurer werden. Letztlich bleibt der 300 d dann eben doch die Alternative für finanzbewusste Autokäufer. Denn es steht nach der ersten Testfahrt außer Frage, dass auch der kleine Diesel seine Reisenden, wie man es von einem Stern gewohnt ist, ans Ziel bringt.

Quelle: n-tv.de

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