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Li Shufu spinnt dichtes Netzwerk Geely bringt Elektro-Porsche Zeekr 001

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Einst war der Zeekr 001 die Studie Lynk & Co Zero Concept. Oder ist er doch ein Volvo oder Mercedes? Vom Antrieb schon. Optisch ist er dann aber eher ein Porsche.

(Foto: Zeekr)

Zeekr 001 - noch nie gehört? Wen wundert's, handelt es sich doch um den jüngsten E-Auto-Wurf des chinesischen Geely-Konzerns. 2023 soll der einem Porsche Panamera nicht unähnliche Stromer auch in Deutschland verkauft werden. Aber das Netz, das Geely-Chef Li Shufu mit Mercedes und Volvo spinnt, ist wesentlich dichter.

Es gibt wohl keinen chinesischen Autokonzern, der so konsequent auf Expansionskurs ist wie Geely. Bereits im Jahr 2010 kaufte Geely-Eigner Li Shufu von der durch die Autokrise angeschlagenen Ford Motor Company für 1,8 Milliarden US-Dollar die schwedische Automarke Volvo. Aus heutiger Sicht hat sich die Investition für beide Seiten gelohnt. Volvo hat dank der intensiven Geldspritzen der Chinesen überlebt und Geely hat ein Know-how ins Reich der Mitte ziehen können, das die dort als Premiumfahrzeuge angesiedelten Modelle von Geely im Vergleich zur heimischen Konkurrenz auf ein ganz neues Niveau gehoben hat.

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Geely-Gründer und Multimilliardär Li Shufu in einem Volvo S90.

(Foto: dpa)

Unterdessen haben Geely und Volvo ein Joint Venture gegründet, das die Antriebsstränge für beide Marken herstellen wird. Motoren, Gangschaltungen und Hybridantriebsstränge werden in Zukunft identisch sein. Allerdings ist ebenfalls geplant, dass genau diese drei Einheiten an andere Hersteller weiterverkauft werden sollen. Natürlich wird auch die Zusammenarbeit bei der Architektur von Elektroautos ausgebaut. So sollen Batterien, Elektromotoren und Konnektivitätslösungen in Fahrzeugen über die Marken hinweg Verwendung finden.

Wie gut das funktioniert, zeigt bereits die als Elektromarke bei Volvo ausgegliederte Marke Polestar. Nach dem Polestar 1 und 2 folgt im Jahr 2023 der Polestar 3. Während der noch auf der Scalable Platform Architecture (SPA2) steht, die auch der kommende Volvo XC90 nutzt, werden alle höheren Zählungen auf einer Plattform mit dem Kürzel PMA, mutmaßlich eine Variante der Sustainable Experience Architecture (SEA) von Konzernmutter Geely, aufsetzen.

Zeekr 001 - für die Generation Z

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Der Zeekr 001 soll eine Auto für die Generation Z sein.

(Foto: Zeekr)

Hier dürfte dann wohl auch die im vergangenen Jahr von Geely gelaunchte und ins Rennen geschickte Marke mit dem Namen Zeekr anknüpfen. Der erste Buchstabe des Namens, also das Z, steht übrigens für die Generation Z. Also die Konsumenten, die Mitte der 90er geboren wurden und bis in die frühen 2010er aufgewachsen sind. Glaubt man dem Marketing, dann ist das die Generation, die ein "einheitliches digitales Erlebnis im Büro, Zuhause und Auto" sucht und die "Elektrifizierung nicht als Alternative, sondern als Norm" ansieht. Der Rest des Namens leitet sich von dem Begriff Geek ab. Ein Begriff, der für die Menschen steht, die auf "Technologie fixiert sind und über ein umfassendes Wissen verfügen".

Mit diesem Bild im Hinterkopf wundert es dann auch nicht, dass das erste Auto der Marke, der Zeekr 001, der ab 2023 auch in Europa verfügbar sein soll, ein rund fünf Meter langer Shooting Brake ist, der einem Porsche Panamera nicht unähnlich sieht. Doch wer an dieser Stelle die Plagiatkeule zieht und Richtung China schwingt, der irrt. Gezeichnet wurde der Zeekr 001 in Göteborg. Und wer noch etwas weiter zurückblickt, wird feststellen, dass er auch weitgehend der Lynk & Co-Studie Zero Concept aus dem Jahr 2020 entspricht, die ebenfalls in Schweden erschaffen wurde.

Premium bei Ausstattung und Antrieb

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Im Innenraum des Zeekr 001 setzt man klar auf Premium und Digitalität.

(Foto: Zeekr)

Doch wie dem auch sei, der Zeekr 001 steht auf der schon oben erwähnten Sustainable Experience Architecture (SEA) und wird in der Einstiegsversion mit dem Namenszusatz WE, die in China knapp 39.000 Euro kostet, von einem Single Motor mit 272 PS angetrieben, der an der Hinterachse verbaut ist. Eine 100 kWh großen Batterie soll zudem für 700 Kilometer Reichweite sorgen. Mit gleicher Batterie und etwa 600 Kilometern Reichweite fährt die Dual-Motor-Variante You als Allradantrieb mit einer Systemleistung von 544 PS. Das ist dann auch gleich die Performanceversion, die in unter vier Sekunden auf Tempo 100 beschleunigen soll und in China nicht mehr als 50.000 Euro kostet. Wem das zu teuer ist, der bekommt den 001 mit Dual-Motor auch mit einer kleineren 86-kWh-Batterie.

Zur Ausstattung des 001 gehören übrigens neben einer Luftfederung, LED-Leuchten rundum, rahmenlosen Türen, Nappaleder-Sitzen und Yamaha-Soundsystem auch mehrere große Displayanzeigen im Cockpit, was den Shooting Brake dann wieder klar in Richtung Premium und Porsche Panamera rücken dürfte. Hier sollen sich dann auch endlich die großen Pläne des Li Shufu erfüllen, mit einer seiner Automarken ins Premiumsegment aufzusteigen. Denn bis dato hat das nicht in dem Maße geklappt, wie es sich der umtriebige Geschäftsmann vorgestellt hat. Sein angesagtes Wunsch ist es nämlich, "den ersten chinesischen Mercedes zu bauen". Das ist gar nicht so abwegig, denn bereits 2018 hatte sich Li für 7,5 Milliarden Euro 9,69 Prozent an Daimler gesichert und gilt seitdem als der größte Einzelaktionär des Konzerns.

Volvo, Polestar, Zeekr, Mercedes - alles eins?

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Die Studie Lynk & Co Zero Concept aus dem Jahr 2020.

(Foto: Lynk & Co)

Im November 2020 verkündeten Daimler und Geely dann auch die Kooperation bei der Entwicklung von Hybridantrieben. Aber nicht nur das. In der verkündeten Zusammenarbeit taucht ebenfalls die "Sustainable Experience Architecture (SEA) als Kernsäule im Engagement für die Elektrifizierung" auf. Und so könnten dieselben Antriebsstränge in Zukunft nicht nur bei Volvo, Polestar, Zeekr, Lynck & Co, sondern auch in der nächsten Generation der A-Klasse und ihrer Ableger, wie dem CLA oder GLA, zu finden sein. Rein elektrisch, aber ebenfalls von Geely übernommen, wird der nächste Smart als kompaktes SUV vorfahren. Der Firmensitz der nunmehr Smart Automobile genannten Firma befindet sich logischerweise jetzt auch im chinesischen Ningbo.

Wie den Zeekr 001 will Geely auch das Smart SUV 2023 nach Europa bringen. Doch während vom Zeekr seit Oktober 2021 bereits 6000 Exemplare in China verkauft wurden, steht der Marktstart für den Smart noch nicht fest. Für den Zeekr hat sich Geely jedenfalls Großes vorgenommen. 70.000 Fahrzeuge sollen bis Ende 2022 verkauft werden.

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Im Oktober 2021 ist die Produktion des Zeekr 001 in China angelaufen.

Damit würde Li Shufu noch einem weiteren seiner Ziele näherkommen: Tesla vom Elektro-Thron stoßen. Die Vertriebswege für die Modelle von Zeekr hat er jedenfalls schon angepasst. Traditionelle Händler wird es hier nicht mehr geben. Vielmehr soll der Vertrieb über eine Art Werksniederlassungen in großen Städten zu fairen Preisen direkt an den Endkunden erfolgen.

Hinzu kommt für Zeekr-Kunden ein begleitendes Lifestyle-Angebot. Neben exklusiven Club-Zugängen gibt es entsprechende Bekleidung und Accessoires. Und wer ganz dicht an die Marke rücken möchte, der kann sich zu seinem Auto auch noch einen Aktien-Optionsplan ins Handschuhfach packen.

Quelle: ntv.de

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