Bestseller deutlich überarbeitetHonda XL750 Transalp E-Clutch - kuppelfreier Reise-Allrounder

Honda wertet die Mittelklasse-Enduro Transalp mit einem einstellbaren Fahrwerk auf und rüstet sie mit der neuen Generation der innovativen Automatikkupplung E-Clutch aus. Die Honda XL750 Transalp E-Clutch ist ein harmonischer Allrounder mit Geländeeignung - doch reinen Sportsgeistern ist der ausgewogene Charakter nicht spannend genug.
Honda weckte 2023 mit der Wiederbelebung der legendären Transalp hohe Erwartungen. Der Wiedergänger des unverwüstlichen Reise-Allrounders konnte diese zwar nicht ganz erfüllen, doch die Mittelklasse-Enduro zählt inzwischen zu Hondas Bestsellern in Europa - 2024 war sie mit fast 14.000 Einheiten die bestverkaufte Honda-Enduro über 500 Kubik. Nun folgt eine Modellüberarbeitung, die es in sich hat: Die neue XL750 Transalp kommt in diesem Jahr ausschließlich mit der automatisierten Kupplung E-Clutch und bekommt ein umfangreiches Fahrwerksupdate zum überschaubaren Aufschlag: Bei 11.749 Euro liegt der Preis nur 300 Euro über dem Vorjahresmodell.
Hauptattraktion der Transalp ist die E-Clutch, erkennbar am Systemaufbau auf der rechten Motorseite. Schon 2024 führte Honda die innovative Technologie bei den Vierzylindermodellen CBR650R und CB650R ein, jetzt bringen die Japaner sie erstmals bei den Reihenzweizylindern CB750 Hornet und der Transalp. Damit wird das Anfahren, Anhalten und Schalten komplett ohne Griff an den Kupplungshebel möglich, die Feinarbeit des Ein- und Auskuppelns übernimmt elektronisch gesteuert das System; lediglich der Fußschalthebel muss zum Schalten betätigt werden.
Neu installiertes Untersetzungsgetriebe
Bei der Transalp bringt ein neu installiertes Untersetzungsgetriebe zwischen Stellmotoren und Kupplungsdruckstange die Betätigungseinheit 50 Millimeter nach vorn, was dem Fahrerfuß auf der rechten Seite mehr Bewegungsfreiheit bringt. Dazu tragen die Komponenten nun Schwarz und unterscheiden sich nicht mehr vom Motorgehäuse.
Im Rahmen der Überarbeitung bekommt die Transalp nun das viel verlangte, komplett einstellbare Fahrwerk. Bei der 43er-USD-Gabel lässt sich in bester Showa-Manier im rechten Holm die Zugstufendämpfung, im linken die Druckstufe justieren. Auch das Pro-Link-Federbein ist nun komplett in Zug- wie Druckstufendämpfung und Federvorspannung justierbar bei insgesamt etwas strafferer Grundabstimmung.
Gutes Sitzen auch auf längeren Strecken
Geblieben ist die aufrechte, sehr komfortable Unterbringung in 85 Zentimetern Höhe auf dem ausladenden Polster. Hier lässt es sich auf langen Etappen ermüdungsfrei aushalten, gleichzeitig ist der Grund für nahezu alle Staturen jederzeit erreichbar. Hinter der kleinen Scheibe sind Oberkörper und Helm gut geschützt vor Wind und Wetter, die endurotypischen Handprotektoren kosten jedoch Aufpreis.
Galt die Transalp bislang schon als gutmütiger Reisegefährte für alle Gelegenheiten, bringt die aktuelle Überarbeitung dank E-Clutch ein gehöriges Plus beim Bedienungskomfort. Nach dem kupplungslosen Einlegen des ersten Gangs unter einem kleinen Schlag fährt die Transalp mit dem ersten Dreh am Gasgriff merklich sanfter und kontrollierbarer an als die Reihenvierer mit E-Clutchsystem. Nach wie vor setzt sich der durchzugsorientierte 270-Grad-Reihentwin mit veritablem Druck aus dem Drehzahlkeller in Szene und schöpft unverändert 92 PS und ein maximales Drehmoment von 75 Nm aus einem Hubraum von 755 Kubik - am Triebwerk haben die Japaner nicht gebastelt.
Sanftes Schalten
Agiert das System bei niedrigen Drehzahlen noch leicht verzögert, agiert die E-Clutch mit höherer Dynamik geschmeidig und schnell. Seine ganzen Qualitäten spielt das System jedoch beim Herunterschalten aus: Überaus sanft und ohne Reaktionen des Hinterrades gelingt das Herunterschalten in jedem Lastzustand und bei jeder Drehzahl. Hier macht sich die Integration des elektronischen Ride-by-wire-Systems bezahlt, zugleich rückt die E-Clutch elektronisch gesteuert die Kupplung aus für geschmeidige Schaltvorgänge.
Die Arbeitsweise der E-Clutch hängt vom eingelegten Fahrmodus ab. Vier vorgegebene und ein frei belegbarer stehen zur Verfügung, die daneben die Leistungsentfaltung und Gasannahme, das Motorbremsmoment, die Traktionskontrolle und die ABS-Einstellungen von Straßenbetrieb über Offroad bis hinten aussteuern. Zudem lässt sich die Bedienkraft des Schalthebels fürs Rauf- und Runterschalten in drei Stärken einstellen.
Lässige Sorgenfreiheit
Nicht nur auf der Straße, auch im Gelände verschafft die E-Clutch eine lässige Sorgenfreiheit. Schließlich braucht in kniffligen Passagen niemand Angst vor einem absterbenden Motor zu haben. Notfalls hält der Transe-Treiber einfach an, ohne herunterzuschalten, die E-Clutch kuppelt ja automatisch aus. Dann gemahnt ein gelbes Lämpchen im Cockpit ans Zurückschalten. Das Anfahren geht dank der Automatik unter zähem Einschleifen sogar im sechsten Gang - empfohlen wird dies jedoch nicht.
Wer lieber selbst kuppeln möchte, kann dies jederzeit tun. Dafür genügt der Zug am Hebel, die Automatik wird überstimmt, und der Fahrer übernimmt, nach kurzer Zeit aktiviert sich das System wieder selbst. Die E-Clutch ist aber auch komplett deaktivierbar über das Menü, mit einem "M" im farbigen Fünf-Zoll-TFT-Display angezeigt. Dieses von den anderen Mittelklasse-Hondas bekannte Instrument bietet drei verschiedene Layouts und ist von Hause aus Bluetooth-fähig. Verbunden mit dem Smartphone und der kostenlosen Honda RoadSync-App lassen sich verschiedene Informationen wie das Wetter, Musik oder eingehende Anrufe anzeigen. Dazu gibt es eine praktische Pfeilnavigation.
Jetzt noch stabiler
Alle Modifikationen zusammen erhöhen das Gewicht der XL750 Transalp E-Clutch um 6 auf 216 Kilogramm, die sich durch die niedrige Lage jedoch nicht negativ aufs Fahrverhalten auswirken. Exakt dirigierbar, wenngleich nicht überhandlich zieht die Honda zuverlässig ihre Bahn. Jetzt noch stabiler: Der neue, maßgeschneiderte Alu-Unterfahrschutz bewahrt nicht nur den Motor vor groben Schlägen, vielmehr sorgen die zusätzlichen Halterohre für noch mehr Steifigkeit beim Stahlbrückenrahmen. Das erleichtert die Arbeit der USD-Gabel, die feiner ansprechen und damit mehr Feedback ermöglichen soll bei optimierter Hochgeschwindigkeitsstabilität.
Die aktuelle Modellpflege macht die neue XL750 Transalp zugänglicher und benutzerfreundlicher, gerade für Einsteiger und Wiedereinsteiger. Über das vielfach angemahnte Fahrwerksupgrade freuen sich eher die Versierten.
Honda XL750 Transalp E-Clutch - technische Daten
Motor: Flüssigkeitsgekühlter Zweizylinder-Viertakt-Reihenmotor, 755 ccm Hubraum, vier Ventile pro Zylinder, ohc, 67,5 kW/92 PS bei 9.500 U/min, 75 Nm bei 7.250 U/min; Einspritzung, 6 Gänge, E-Clutch, Kette.
Fahrwerk: Brücken-Stahlrohrrahmen; USD-Telegabel Durchmesser 4,3 cm vorn, Zug-, Druckstufendämpfung und Federvorspannung einstellbar, 20 cm Federweg; Aluminium-Zweiarmschwinge, Zentralfederbein, Zug-, Druckstufendämpfung und Federvorspannung einstellbar, 19 cm Federweg; Speichenräder; Reifen Metzeler Karoo Street 90/90 R 21 (vorn) und 150/70 R 18 (hinten). 31 cm Doppelscheibenbremse mit Nissin Doppelkolben-Schwimmsätteln vorn, 25,6 cm Einscheibenbremse mit Nissin Einkolben-Schwimmsattel hinten.
Assistenzsysteme: Vier Fahrmodi (Rain, Standard, Sport, Gravel) plus ein individuell konfigurierbarer Fahrmodus für Leistungsentfaltung (4fach einstellbar), ABS (2fach einstell- und abschaltbar), Traktionskontrolle (5fach einstell- und abschaltbar), Motorbremsmoment 3-stufig einstellbar
Maße und Gewichte: Radstand 1,560 m, Sitzhöhe 85 cm, Gewicht fahrfertig 216 kg, Zuladung 207 kg; Tankinhalt 16,9 Liter.
Fahrleistungen (Werksangaben): Höchstgeschwindigkeit 195 km/h. Standgeräusch 88 dBA, Normverbrauch lt. WMTC-Norm (EU 5+) 4,3 l/100 km.
Preis: ab 11.749 Euro inkl. Nebenkosten