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Ein ungleicher Kampf? Kia Proceed gegen Mercedes CLA Shooting Brake

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Die eleganteste und gleichsam sportlichste Art eines Kombi zeigt sich in einem Shooting Brake. So auch im Kia Proceed.

(Foto: Wolfgang Groeger-Meier)

Die sportlichste Form eines Kombis ist ein Shooting Brake. Das hat Mercedes frühzeitig erkannt. Jetzt schickt sich aber ausgerechnet ein koreanischer Autobauer an, dem Premium-Riesen in die Parade zu fahren. Kia schickt den Proceed ins Rennen und n-tv.de durfte ihn schon fahren.

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Ähnlichkeiten mit noch auf der Straße fahrenden Autos sind beim Kia Ceed rein zufällig?

(Foto: Wolfgang Groeger-Meier)

Mit dem neuen Ceed hat Kia bereits bewiesen, dass die Koreaner mit ihrem Kompakten auf einem sehr guten Weg sind. In sich stimmig präsentierten sich Hatchback und Kombi einmal mehr als Alternative zu etablierten Fahrzeugen in diesem Segment. Ja, die Rede ist von VW Golf und Co. Doch jetzt hat Kia noch einen draufgepackt. Mit dem Proceed bringt der Autobauer einen waschechten Shooting Brake, also die wohl sportlichste Variante eines Kombis, auf den Markt und stemmt sich gegen einen Big Player wie Mercedes. Denn als einziger Hersteller haben die Stuttgarter mit dem CLA Shooting Brake ein solches Fahrzeug im Portfolio. Natürlich bestreiten die Koreaner, dass sie sich hier mit den Schwaben in eine direkte Konkurrenz begeben wollen, werden aber nicht müde, den direkten Vergleich zu bemühen.

Mehr Platz für weniger Geld

Und weil das mit Blick auf den Proceed nicht ehrenrührig ist, soll das auch an dieser Stelle getan werden. Kurz gesagt, der Koreaner gewinnt - zumindest bei den Maßen - in fast allen Breichen. Er bietet mehr Bein-, Kopf- und Schulterfreiheit. Auch mit Blick auf den Kofferraum hat der Proceed mit 594 Litern ganze 99 Liter mehr Stauraum als der CLA Shooting Brake, obgleich der mit 4,64 Meter vier Zentimeter länger ist als der Koreaner. Selbst im Innenraum muss man kaum Abstriche machen. Unterschiede gibt es bei den Einstiegspreisen. Während Kia 27.690 Euro verlangt, möchte Daimler 31.178 Euro für seinen Shooting Brake haben.

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Der Kofferraum des Kia Proceed ist groß, aber der Bauform geschuldet nicht sehr hoch.

(Foto: Wolfgang Groeger-Meier)

Bei Kia hat man sich Mühe gegeben, eine wohnliche Atmosphäre für den Piloten und seine Fahrgäste zu schaffen. Das gelingt einmal mehr, weil der Proceed ausschließlich in der sportlichen GT-Line oder eben als GT angeboten wird. Für die Polsterung heißt das, dass sich Fahrer und Beifahrer in sportlichen Integralsitzen in einer Leder-Velourleder-Kombination platzieren dürfen, deren Nähte im GT rot abgesetzt sind und die ein GT-Logo ziert. Dass es eine Sportpedalerie gibt, ein beledertes Lenkrad und einen schwarzen Dachhimmel, versteht sich fast von selbst. Auch bei den elektronischen Helferlein haben die Koreaner nicht gegeizt. So sind elektronische Wächter für drohende Frontkollisionen, das Verlassen der Fahrspur oder zur Überwachung des Toten Winkels ebenso an Bord wie ein Abstandsradar, LED-Scheinwerfer und eine Rückfahrkamera. Für das Entertainment sorgen digitaler Radioempfang und USB-Schnittstellen mit Android Auto und Apple CarPlay. Selbst wer das Navi-Paket für 890 Euro ordert, zu dem auch die Verkehrszeichenerkennung und ein wohlklingendes JBL-Soundsystem gehören, wird mit dem Basismotor im Proceed die 30.000-Euro-Marke nicht knacken.

Porsche lässt grüßen

Nun hat Kia-Designchef Peter Schreyer aber nicht nur für ein sportliches Inneres gesorgt, sondern auch das Äußere ganz auf Dynamik ausgerichtet. Dass der Mann dabei deutliche Anleihen beim Porsche Panamera Sports Tourismo genommen hat, sei ihm verziehen. Tatsächlich ist vor allem am Heck die Ähnlichkeit nicht von der Hand zu weisen. Das fängt bei der Form an, setzt sich über die in 3D-Optik gehaltenen LED-Lampen mit dem verbindenden Leuchtband fort und endet in dem Schriftzug Proceed. Der ist nämlich nicht nur in der Platzierung, sondern auch in der Anzahl der Buchstaben mit dem Wort 'Porsche' identisch. In der Front hat der Designchef mit dem Tiger-Nasen-Grill für Eigenständigkeit gesorgt. Über Ähnlichkeiten in der Silhouette lässt sich streiten, die ist der Gattung entsprechend mit einer fein geschwungenen Dachlinie versehen, einer sehr schmalen Fenstergrafik und mindestens 17 Zoll großen Alus in den Radhäusern - was in Summe dann auch wieder eine optische Verwandschaft zum Zuffenhausener Sport Tourismo herstellt.

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Der Kia Proceed GT in der Silhouette.

(Foto: Wolfgang Groeger-Meier)

Doch genug über Äußerlichkeiten fabuliert. Die Frage ist doch: Wie fährt sich so ein Kia Proceed? Bei der Motorisierung sind die Koreaner natürlich wesentlich spartanischer als Mercedes. Dafür steigt der Proceed in Deutschland gleich mal mit 140 PS ein. Mercedes startet mit 122 Pferden unter der Haube. Neben dem 1,4 Liter Benziner bietet Kia noch sein Topmodell, das aus 1600 Kubikzentimeter Hubraum 204 PS schöpft. Zudem gibt es einen Diesel, der mit 136 PS an den Start geht. Keine Frage, wer es fliegen lassen will, der muss sich zwangsläufig für den großen Benziner entscheiden. Hier wird die Kraft entweder über ein manuelles Sechsganggetriebe verteilt oder für 2000 Euro Aufpreis über ein mit sieben Schaltstufen versehenes Doppelkupplungsgetriebe. Auch hier gibt es eine klare Empfehlung: Automatik!

Einer für den Rundkurs

Nicht das sich der Handschalter mühsam durch die Gassen führen lässt, im Gegenteil. Sein Nachteil liegt in der Übersetzung. So fehlt es unten heraus an der für einen Sportler nötigen Spontaneität und die Gänge Fünf und Sechs sind so kurz übersetzt, dass man auf der Langstrecke immer das Gefühl hat, man möchte noch eine Stufe höher schalten. Beim Automaten verschleift sich das, die Übergänge sind fließend und Gang Nummer Sieben sorgt für einen in jeder Hinsicht ruhigen Dauerlauf. Auf dem Parcmoto Castelloli, einer wunderschönen alten Rennstrecke in der Nähe von Barcelona, ist das allerdings egal. Hier drücken die Schaltstufen Zwei, Drei und Vier maximal 265 Newtonmeter auf die Vorderachse. Dabei spielt es auch keine Geige, ob die per Paddel, Schalthebel oder vollautomatisch eingelegt werden. Beflügelt von 204 Pferden kann der Proceed erstaunlich sportlich um Kurven flitzen, hält dank seines strafferen Fahrwerks die Spur, erfreut mit einer wunderbar direkten Lenkung und gutem Grip der serienmäßig aufgezogenen Michelin Sportpilot in der Dimension 18/255.

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Im Inneren des Kia Proceed GT wird der Fahrer nichts vermissen.

(Foto: Wolfgang Groeger-Meier)

Nach der langen Geraden beißen die Bremsen bei 200 km/h in 320er Scheiben vorn und 284er hinten. Die Verzögerung ist fein, lässt den Piloten frohlockend den zweiten Gang einlegen und am Kurvenausgang kräftig auf den Pin treten, um den Proceed auf ein Neues ohne Verzug zu beschleunigen. Das passiert unter einem lauten Getöse, das man der Abgasanlage zuspricht, welches aber künstlich generiert wird. Sound und Gaskennlinie orientieren sich natürlich am Fahrmodus. Kia bietet für den Proceed derer zwei: Sport und Normal. Das ist ausreichend, lässt nichts vermissen und wäre am Ende auch nur Augenwischerei, denn weder das Stahlfahrwerk noch die schon erwähnten Komponenten würden durch weitere Programme eine nennenswerte Aufwertung erfahren. Für die Datenfetischisten sei erwähnt, dass der Sprint des Proceed GT auf Tempo 100 in 7,5 Sekunden abgeschlossen ist und die Höchstgeschwindigkeit je nach Getriebe bei 225 respektive 230 km/h liegt.

Weniger geht, mehr wäre schön

Eingedenk der Tatsache, dass das Mutterhaus den Hyundai i30N mit 275 PS auf die Reise schickt, ist es mit Blick auf die Fahreigenschaften des Proceed mehr als schade, dass nach jetziger Aussage der Koreaner mit den 204 PS das Ende der Leistungs-Fahnenstange erreicht ist. "Wer mehr möchte, der muss sich bei uns für den Stinger entscheiden", so Kia Deutschland-Chef Steffen Cost. Doch das scheint kurz gedacht, denn zwischen den beiden Autos liegen etwa 13.000 Euro. Den Proceed GT gibt es nämlich in vollem Ornat und mit Automatikgetriebe für 31.190 Euro, während ein Stinger mindestens 44.490 Euro kostet.

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Im Kia Proceed erwarten den Fahrer bequeme Sitze, in denen er auch den Rundkurs nicht scheuen muss.

(Foto: Wolfgang Groeger-Meier)

Nun könnte es natürlich auch sein, dass das Interesse am Proceed schlicht und ergreifend durch sein ansprechendes Äußeres geweckt wird und das Verlangen nach Hochgeschwindigkeitsläufen oder Kurvenexzessen beim potentiellen Käufer nicht wirklich ausgeprägt ist. Dann empfiehlt sich der 1,4 T-GDI mit den schon erwähnten 140 PS. Der beschleunigt immerhin in knapp neun Sekunden auf Landstraßentempo und wird mindestens 205 km/h schnell. Was ihn aber vor dem GT auszeichnet ist die Tatsache, dass er mit einer einzigartigen Laufruhe punkten kann. Selbst bei erhöhtem Leistungsabruf wird er nicht wirklich laut, hält sich dezent zurück und überrascht mit seiner Genügsamkeit. In der ersten Ausfahrt gingen lediglich 7,4 Liter Benzin durch die Schläuche, während der GT sich mit 9,4 Litern beim Ausritt schon einen guten Schluck genehmigte. Allerdings reizt der, wie oben zu lesen, zu einer etwas anderen Fahrweise.

Wer richtig sparen will, der muss sich für den 136 PS Diesel entscheiden. Der erfüllt wie alle Motoren die Euro-6d-Temp-Norm und hat einen deutlich geringeren CO2-Ausstoß als die beiden Benzin-Kollegen. Auch der Selbstzünder begeistert durch eine angenehme Laufruhe und gibt sich damit ähnlich entspannt wie der 140-PS-Benziner. Am Ende wird auch er immerhin noch 200 km/h schnell. Alles in allem ist der Kia Proceed ein Auto, das seine Fans finden dürfte und das sich nicht hinter den Großen verstecken muss. Zumal die Koreaner natürlich auch hier sieben Jahre Garantie geben.

Quelle: n-tv.de

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