Auto

Wenn Porsche mit dem Biest tanzt Panamera GTS vs. AMG GT 63 Viertürer

_WR_4235.jpg

Nachts mit dem Porsche Panamera GTS auf der Formel-1-Rennstrecke in Bahrain.

(Foto: Daniel Wollstein)

Manchmal zwingt der Gleichstand der Technik einen einfach, Autos miteinander vergleichen zu müssen. So geschehen mit dem Porsche Panamera GTS und dem Mercedes AMG GT Viertürer. Doch am Ende reicht das Spiel mit dem Auto-Quartett doch nicht aus.

high_panamera_gts_sport_turismo_panamera_gts_2018_porsche_ag.jpg

Einen Kombi wie den Panamera GTS Sports Tourismo gibt es bei Mercedes in der GT-Liga nicht.

(Foto: Porsche)

Die Tatsache, dass Porsche jetzt den Panamera GTS als Highend-Familienflitzer in die Renn-Spur schickt, dürfte nicht nur den betuchten Familienvater freuen, sondern auch die Freunde des Autokartenspiels frohlocken lassen. Denn der Zuffenhausener Familien-Bolide stellt sich jetzt gegen das erst vor Kurzem von Mercedes ins Spiel gebrachte AMG GT 63 Coupé mit vier Türen. Allerdings, oh weh, bei den reinen Datenblattwerten steht der Porsche in allen Punkten hinter dem Sport-Daimler. Aus nahezu gleichen Hubräumen schöpft der Vierlieter-V8 des Panamera GTS mit 3996 Kubikzentimetern 460 PS. Das sind 20 PS mehr als beim Vorgänger, im Kartenspiel sticht der GT 63, der es mit seinem 4,0-Liter-V8-Turbo bei 3982 Kubikzentimetern Hubraum auf 585 PS und in der drakonischen S-Version sogar auf 639 PS bringt. Bei Porsche als auch bei AMG, liegt die maximale Leistungsentfaltung bei etwa 6000 Kurbelwellenumdrehungen.

Auch beim maximalen Drehmoment muss der Spieler mit der GTS-Karte den Stich abgeben. Hier stehen 800 beziehungsweise 900 Newtonmeter maximales Drehmoment des GT 63 und 63S Viertürers gegen 620 Newtonmeter beim Panamera. Allerdings liegen die einen Tick früher an, macht aber für das Kartenspiel keinen Unterschied, der Porsche ist weg. Na gut, bleiben noch die Sprintdaten. Porsche 4,1 Sekunden von null auf Tempo 100, der AMG macht es in 3,4 respektive 3,2 Sekunden. Bleibt zu guter Letzt noch die Endgeschwindigkeit: Mercedes 315, Porsche 289 km/h.

Friss Staub, Porsche?

AMG - GTS 2.jpg

So gleich und doch so unterschiedlich: Porsche Panamera GTS und Mercedes AMG GT 63S Viertürer.

(Foto: Holger Preiss)

Aber heißt das jetzt: Friss Staub, Porsche? Im Auto-Quartett schon! Tatsächlich übertrifft der AMG die Konkurrenz hier deutlich. Und das bei fast identischer Motorgeometrie. Warum man sich so zurückgehalten hat, erklärt Ruben van den Bergh, Chef der Motorabstimmung. "Wir haben innerhalb der eigenen Range unsere Rangfolge und der GTS ist da weit vorn. Wer die stärkste Variante des Panamera haben will, der kann den V8 mit Hybridunterstützung wählen. Die maximale Systemleistung beträgt hier 680 PS und das Drehmoment liegt bei 850 Newtonmetern. Bei den Daten müssen wir uns dann auch nicht vor der Konkurrenz verstecken."

Fakt ist, dass sich der Wettkampf an der Ampel mit dem GT-Viertürer für den GTS nicht lohnt. Jedenfalls nicht, wenn der AMG den V8 - in welcher Leistungsstufe auch immer - unter der Haube trägt. Beim Hybrid könnte es eng werden, denn der geht ebenfalls in 3,4 Sekunden auf Landstraßentempo. Doch kommen wir zurück zum GTS und gucken uns sein Fahrverhalten auf der Rennstrecke an. Schließlich ist Porsche bekannt dafür, dass die Fahrzeuge vor allem durch hervorragende Querbeschleunigung, eine extrem präzise Lenkung und wunderbare Spurtreue punkten. Auch hier stehen die zwei Kontrahenten in fast identischen Maßen am Start. Der Radstand ist mit 2,95 Meter gleich und die Länge der Fahrzeuge unterscheidet sich bei knapp fünf Metern um, Achtung: 0,01 Millimeter. Während n-tv.de den AMG GT 63S als Viertürer auf dem Circuit Of The Americans fahren durfte, erfolgt der Panamera-GTS-Test auf dem Bahrain International Circuit an. Also auch hier ein Formel-1-Track mit besten Bedingungen.

Der Zarte und der Harte

high_panamera_gts_2018_porsche_ag.jpg

Der Porsche Panamera GTS ist feinnervig in allen Details.

(Foto: Porsche)

Und hier zeigt der Panamera GTS, wes Geistes Kind er ist: Ferdinand Porsches. Wer die Sportsitze des Zuffenhausener Familienrenners entert, taucht sportwagentypisch tief ab. Anders als im AMG greift der Pilot hier aber im Vergleich in ein relativ schlankes Lenkrad. Und tatsächlich hat der Autor, der eigentlich das voluminöse Volant bevorzugt, an dieser Stelle das bestimmte Gefühl, dass er den Porsche besser in den Händen hält. Gegenüber dem Affalterbacher zeichnet den GTS eine unnachahmliche Leichtigkeit aus. Die Erklärung dafür gibt der Chef für die Fahrdynamik, Armin Köpke: "Die Begründung könnte darin liegen, dass wir im GTS eine permanente Wankstabilisierung haben." Selbstredend wird die im Track-Modus, der beim Porsche mit Sport Plus definiert wird, vieles weggeregelt.

Und tatsächlich ist der GTS im Fahrmodus Sport auf der Rennstrecke kinderleicht durch die Kehren zu führen. Fast zärtlich legt sich der Porsche hier die Kurven. Der Hardliner im Rundenkampf könnte aber genau das bemängeln und den Fahrmodi-Regler am Lenkrad auf Sport Plus drehen. Doch Vorsicht, der Sprung in den Systemen ist groß. Das Drehmoment fliegt jetzt zu einem großen Teil an die Hinterachse, das ESP wirft den Rettungsanker im letzten Moment und die schon erwähnte Wankstabilisierung geht in Deckung. Jetzt wird der Panamera GTS endlich zum Rennwagen. Zu einer viersitzigen Track-Maschine, die viel will, viel kann und noch mehr möglich macht, aber auch dem Fahrer mehr abverlangt. Klar unterstützt die mitlenkende Hinterachse, aber durch den erhöhten Druck auf die 315er Pneus geht er auch schneller quer und schiebt über die 275er Reifen an der Front.

Am Ende ist doch nichts gleich

_WR_3869.jpg

Die Leichtigkeit auf dem Track zeichnet den Porsche Panamera GTS aus.

(Foto: Daniel Wollstein)

Im direkten Vergleich der beiden schwäbischen Familien-Kampfmaschinen muss man am Ende eingestehen, dass es etliche Gemeinsamkeiten gibt, aber die beiden wahrscheinlich doch nicht in direkter Konkurrenz stehen. Der AMG ist ein wunderbarer Gewalttäter, der schwer und nahezu ungezügelt alles auf die Strecke wirft und soundtechnisch aus den Endrohren rotzt, dabei aber gleichsam die Konzentration und das Können seines Piloten fordert. Der Porsche ist die luftige Art, den Kurs zu bewältigen. Sanft und dennoch kraftvoll aus dem Diffusor spratzend, unterstützt er mit viel Geschick den Fahrer. Aber auch er kann entfesselt werden und seiner Führungskraft mehr abverlangen. Aber irgendwie hat der Pilot immer das Gefühl, von der Maschine ein- und aufgefangen zu werden.

Nun sind aber Race-Track-Ausflüge mit dem Panamera GTS im Alltag ebenso selten, wie die mit dem AMG GT Coupé. Was hier zählt, ist eher der Langstreckenkomfort, das Platzangebot und natürlich die Konnektivität. In beiden Fällen sind die Probanden auf Stand. Hier dem einen oder dem anderen den Vorzug geben zu wollen, wäre vermessen. Das ist letztlich Geschmackssache oder eine Frage des Auftritts, den ja auch immer mehr das Äußere als das Innere eines Fahrzeugs bestimmt. Im Porsche bilden zwei sieben Zoll große Screens das interaktive Cockpit. Ein 12,3 Zoll großer Touchscreen in der Mittelkonsole fungiert als zentrales Bedien- und Anzeigenelement des sogenannten Porsche Communication Management (PCM), zu dem auch die Online-Navigation gehört.

Platz bei der Hatz

P18_0716_a3_rgb.jpg

Der Porsche Panamera GTS ist mit 460 PS bestimmt nicht untermotorisiert.

(Foto: Porsche)

Eine ähnliche Aufteilung mit einem ebenso großen Zentraldisplay finde man im Mercedes. Allerdings ist die Bedienung im Zuffenhausener eine Nuance virtuoser. Nach persönlichem Gusto des Piloten lässt sich hier konfigurieren, was dem Fahrer im GT-Viertürer verwehrt ist. Mit vordefinierten Kacheln kann im Porsche relativ schnell ein Homescreen erstellt werden, der die bevorzugten Funktionen in den Vordergrund bringt. Zum Beispiel die Lieblings-Radiostation, das am häufigsten benötigte Navigationsziel, die Telefonnummer der Liebsten oder die Aktivierung der Sportabgasanlage. Auch die persönliche Gewichtung ist durch Größe und Platzierung auf dem Full-HD-Screen frei wählbar. Natürlich lässt sich der Porsche auch mit dem Smartphone koppeln, kann dieses sogar als Hotspot nutzen, wenn die integrierte SIM-Karte den Wagen nicht ohnehin dauerhaft mit WLAN versorgt. In beiden Fällen ist hier die sehr zu empfehlende Echtzeitnavigation möglich.

Werfen wir noch einen Blick in den Innenraum bezüglich des Platzangebots. Auch der ist bei beiden Schwaben nahezu gleich. Zwar gibt Porsche seinen GTS als 4 + 1 aus und AMG sagt, bei ihnen handle es sich klar um einen Viersitzer, aber am Ende ist das auch schnuppe. Denn ganz ehrlich, in der Besucherritze der zweiten Reihe des Porsches möchte ohnehin keiner sitzen.

Der Kofferraum des AMG GT Coupés fasst 456 Liter. Und an dieser Stelle sticht der Porsche ganz klar den Daimler. Jedenfalls als Sport Tourismo. Der Zuffenhausener mit der großen Heckklappe bringt es locker auf 520 Liter. Bei umgeklappter Rücklehne der zweiten Reihe wendet sich das Blatt wieder: 1390 Liter für den Benz, 1324 Liter für den Porsche. Besser beladen lässt sich in jedem Fall der Porsche auch dann, wenn der Ausschnitt der Heckklappe beim Mercedes recht breit ausfällt. Recht breit fällt auch der Preis beider Fahrzeuge aus. In den Panamera GTS steigt man ab 138.493 Euro ein, der Sport Turismo kostet ab 141.349 Euro. Einen AMG GT mit vier Türen und V8-Triebwerk entert man erst ab 150.118 Euro. Hier sticht also ganz klar der Porsche.

Quelle: n-tv.de

Mehr zum Thema