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Limousine trifft Offroader Maybach - Luxus-SUV für China

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Mercedes-Designchef Gorden Wagner erläutert die Philosophie hinter dem Vision Mercedes-Maybach Ultimate Luxury.

(Foto: Holger Preiss)

China ist ein Phänomen. Aller Unkenrufe zum Trotz bleibt das Reich der Mitte auch im Jahr 2018 ein Eldorado für Autobauer. Um dem gerecht zu werden, fährt Mercedes mit einer ganz ausgefallenen Maybach-Studie auf die Auto China nach Peking.

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Stummelheck und geteilte Heckscheibe wie beim Maybach gab es bei einem SUV noch nicht.

(Foto: Holger Preiss)

Wer in China reich ist, zeigt das auch. Nicht nur mit einem sündhaft teuren Auto, sondern vor allem dadurch, dass er gefahren wird. Wer selbst ans Lenkrad muss, hat zwar der Mehrheit der 1,4 Milliarden Einwohner des Landes etwas voraus, in der Luxus-Liga ist er damit aber noch lange nicht angekommen. Für die hat Mercedes jetzt eine Option auf die Auto China in Peking gestellt: den Vision Mercedes-Maybach Ultimate Luxury. Eine 5,26 Meter lange, 2,11 Meter breite und 1,76 Meter hohe Mischung aus Limousine und SUV.

Gewagte Mischung?

So gewagt dieses Ungetüm auf 24 Zoll großen Rädern dem europäischen Auge auch vorkommen mag, auf dem chinesischen Markt dürfte es einschlagen wie eine Bombe. Kombiniert es doch für den Geschmack im Reich der Mitte gekonnt zwei der angesagtesten Fahrzeugkategorien mit einem unglaublichen Luxus und einer extrem hohen Eigenständigkeit. "Der Vision Mercedes-Maybach Ultimate Luxury ist ein komplett neuer Archetyp, wie man ihn noch nie zuvor gesehen hat", erklärt Mercedes-Chefdesigner Gorden Wagener.

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Mächtige 24-Zoll-Räder in Turbinenoptik geben der Maybach-SUV-Limousine noch mehr Wucht.

(Foto: Holger Preiss)

Und tatsächlich, während sich bereits Bentley und Rolls Royce an Luxus-SUV probieren, hat bis dato keiner den Mut gehabt, eine Stufenheck-Limousine und ein SUV in ein Blechkleid zu schmieden. Dabei ist Wagener seiner Formsprache treu geblieben. Keine Knicke oder Kanten im Blech stören den Blick auf die Flächen. Das Spiel von Licht und Schatten wird lediglich durch sanfte Rundungen erzeugt. Um dieses Bild nicht zu stören, werden auch die Türgriffe im Blech versenkt. Markant ist hingegen der Kühlergrill, der "im Stil eines Nadelstreifen-Anzugs" die Front dominiert. Ein solcher Grill war erstmals beim Vision Mercedes Maybach 6 zu sehen. Eben jener Coupé-Studie, die bereits 2016 für helle Aufregung sorgte.

Limousine paart sich mit SUV

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Weißes, weiches Nappa, Roségold und Tee sollen die Passagiere im Maybach-SUV entspannen.

(Foto: Holger Preiss)

Konterkariert wird der edle Auftritt an der Front von den flachen Frontscheinwerfern mit drei Leuchteinheiten. Hinzu kommen großformatige Lufteinlässe sowie ein horizontaler Lufteinlass mit integrierten Chrom-Blades. In Kombination unterstreicht das die Sportlichkeit der SUV-Limousine ebenso wie die angedeuteten Trittbretter in geschliffenem Aluminium im unteren Türbereich. Sie sind weiß beleuchtet und tragen das Maybach-Logo. Am Heck nehmen die dreigeteilten Leuchten das Scheinwerfer-Motiv der Front wieder auf. Darüber sitzt die optisch vertikal geteilte Heckscheibe. SUV-typisch hingegen ist der modellierte Unterfahrschutz in Diffusor-Optik. Auch ihn durchzieht das Maybach-Muster der Front.

Das alles ist aber eigentlich nur für die Menschen am Straßenrand. Von dem, was sich im Inneren des Maybach-SUV abspielt, bekommen die nämlich so gar nichts mit. Dabei ist das doch gerade der Clou. Da wird zum Beispiel der gesamte Innenraum von einer großen Ebenholz-Fläche umschlossen. Damit der Kontrast richtig deutlich wird, haben die Designer dem feinen weißen Nappa nicht nur die in Roségold beschichteten Sitzschalen entgegengesetzt, sondern in die Holzoberfläche wellenförmig fließende Lichtlinien integriert, die "die analoge und digitale Welt optisch verknüpfen sollen".

Vorausschauend wie ein Buttler

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Fast filigran wirkt der Mercedes-Stern über dem riesigen Kühlergrill.

(Foto: Holger Preiss)

Dazu gehört auch, dass der Vision Mercedes-Maybach Ultimate Luxury wie ein Butler vorausschauend agiert. Anstatt also auf den Touchscreens lange Menüs und Listen anzubieten, spielt das Fahrzeug die Musik, die gerade zur Stimmung passt. Es kennt den Terminkalender und plant dementsprechend die Routen. Im Fond werden verschiedene Sorten Tee und Entspannungsprogramme angeboten. Aus der S-Klasse wurde die bereits bekannte Energizing-Komfortsteuerung übernommen. Systeme wie Massage, Beduftung, Licht und Musik werden miteinander kombiniert und unterstützen so die Regeneration und die Konzentration. Natürlich ist das Komfort- und Infotainment-System für jeden Markt in der Welt individuell programmier- und adaptierbar.

Nicht adaptierbar und auch nicht aus der S-Klasse ist die breite und beheizbare Mittelkonsole mit einem beheizbaren Tablett mit Teekanne und Tassen. Die Philosophie des Tees spielt in China eine tragende Rolle, um Körper und Geist in Balance zu bringen und den Weg zur inneren Ruhe und Kräftigung zu finden. Insofern wundert es nicht, dass das Teeservice aus handgefertigtem Porzellan und in ein Ebenholztablett integriert ist. Auf Knopfdruck kann es mit einem Schiebedeckel elektrisch abgedeckt werden.

Elektrisch bis zu 250 km/h schnell

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Der Arbeitsplatz des Chauffeurs ist mindestens so luxuriös wie die zweite Sitzreihe. Jedenfalls für Leute, die gerne Auto fahren.

(Foto: Holger Preiss)

Das ist aber nicht das Einzige, das am Maybach-SUV elektrisiert. Vier synchron arbeitende Elektromotoren, die in Summe 750 PS leisten, sorgen für einen permanenten Allradantrieb. Der im Unterboden verbaute Akku hat eine nutzbare Kapazität von 80 kWh und ermöglicht eine Reichweite nach NEFZ von über 500 Kilometern. Die Spitzengeschwindigkeit soll bei 250 km/h abgeregelt sein. Allerdings steht zu befürchten, dass die Reichweite bei anhaltendem Dauerlauf deutlich schmilzt. Wäre aber nicht so schlimm, denn durch Gleichstromladen auf Basis des CCS-Standards verspricht Mercedes, dass die Batterie in nur fünf Minuten wieder in der Lage ist, das Maybach-SUV weitere 100 Kilometer voranzutreiben. Möglich ist das durch die Ladeleistung von bis zu 350 kW.

Obgleich das Maybach-SUV als Chauffeursauto konzipiert ist, lohnt sich hier auch ein Blick auf den Arbeitsplatz des Fahrers, der auf das Wesentliche reduziert ist. Prägnant sind die Lüftungsdüsen, die das Kühlergrill-Motiv wieder aufnehmen. Sie umrahmen das frei stehende Widescreen-Cockpit mit jeweils 12,3 Zoll großen Doppel-Displays. Das hat sich so bereits in der aktuellen S-Klasse bewährt. Genau wie das ganzheitliche Touch-Bedienkonzept – ein Dreiklang aus Touchscreen, Touchpad auf der Mittelkonsole und Touch-Control Buttons im Lenkrad.

Neu sind die drei Ebenen des Bedienkonzepts: Homescreen, Basescreen und ein Untermenü. Die Sprachbedienung ist die Weiterentwicklung des MBUX-System, das momentan sein Debüt in der neuen A-Klasse feiert. Es stellt sich auf den Benutzer und seine Stimme ein und adaptiert neue Modewörter oder einen geänderten Sprachgebrauch. Zudem antwortet das System nicht stereotyp, sondern variiert im Dialog. Was sich nicht erklärt, sind die riesigen Schaltwippen am Lenkrad, denn E-Autos kommen bekanntermaßen ohne Getriebeübersetzung aus.

Quelle: n-tv.de

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