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Noch ein Stuttgarter Sonnenanbeter Mercedes C-Klasse Cabrio – nach oben offen

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Der nächste Sonnenanbeter von Mercedes fährt vor: Das C-Klasse Cabrio füllt auch die letzte Lücke im Portfolio der Stuttgarter.

(Foto: Holger Preiss)

Im Moment gibt es weltweit keinen Hersteller, der so viele Cabrio-Varianten im Programm hat wie Mercedes. Fünf sind es an der Zahl und der letzte Neuzugang ist das C-Klasse Cabrio. Eine 4x4x4-Lösung, die auch die letzte Nische besetzt.

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Die zackige Abrisskante gibt dem Heck etwas Eigenes. Die Form ist aber vor allem der Sichtbarkeit der dritten Bremsleuchte geschuldet.

(Foto: Holger Preiss)

Mercedes hat die C-Klasse-Familie um ein weiteres Mitglied erweitert: Ein Cabrio soll nun auch Frischluftfanatiker beglücken. Und tatsächlich passt sich der Sonnenanbeter nicht nur ins Segment ein, sondern bereichert auch das ohnehin üppige Cabrio-Angebot der Stuttgarter. Da steht nach 45 Jahren wieder das S-Klasse Cabrio bereit. Der SL für betuchte Sportfreunde, das E-Klasse Cabrio für die etwas Konventionelleren und der eben umgewidmete SLK, der jetzt unter dem Kürzel SLC firmiert und als Roadster die Fraktion der Kurvenräuber bedient. Aber ist da noch Platz für ein weiteres offenes Fahrvergnügen? Offensichtlich ja.

Entwicklungschef Thomas Weber beschreibt es so: "Mit dem C-Klasse Cabrio bieten wir die 4 x 4 x 4-Lösung an. Vier Plätze, vier Jahreszeiten, Vier-Matic." Gut, über den Allradantrieb müssen wir noch reden, den gibt es nicht in allen Fahrzeugen, aber die vier Plätze hat es mit Sicherheit und die sind nicht mal so knapp bemessen, dass sich die Fondpassagiere weigern, einzusteigen. Auch die Fahrt durch die vier Jahreszeiten ist wieder möglich. Daimler hat sich im Rechtsstreit um die Patente des Nackenföns geeinigt. Wie? Das bleibt ein Geheimnis der Rechtsabteilung. Letztlich ist das aber auch egal, der warme Luftstrom darf sich jetzt wieder um den Hals legen und der offenen Fahrt bei niedrigen Temperaturen Vorschub leisten.

Die Qual der Wahl

C-Klasse Cabrio AMG C 43

Der 3.0 Liter V6, der den AMG C 43 befeuert, ist in Kombination eine sehr empfehlenswerte Lösung.

(Foto: Andreas Lindlahr)

Bei der Wahl der Motorisierungen hat der Interessent inzwischen die Qual der Wahl. Fünf Benziner und drei Diesel gibt es mit einem Leistungsband von 156 PS bis 333 PS. Die Leistungsspitze bilden die AMG-Modelle C43, C63 und C63s mit 367 PS, 476 PS und 510 PS. So breit gefächert wie die Triebwerke sind auch die Preise. Einsteigen kann der Interessent ab 42.215 Euro für den C 180, bis hin zu 91.689 Euro, die für den AMG C63s aufgerufen werden. Wer sich über Geld keine Gedanken machen muss, hat das Glück, sich ganz auf die Auslegung des Wagens und seine persönlichen Neigungen konzentrieren zu können.

Denn so breitgefächert wie das Motorenangebot, so unterschiedlich ist tatsächlich die Interpretation der einzelnen Fahrzeuge. Für n-tv.de standen bei einer ersten Ausfahrt drei Probanden im Fokus: das C 300 Cabrio, der AMG C 43 4Matic und der AMG C 63s. Alle drei Fahrzeuge sind sportlich ausgelegt. Längst haben sich die Stuttgarter von der lange nachgesagten Behäbigkeit verabschiedet. Optisch und vom Antrieb setzt man auf Dynamik, ohne dabei das Segment und die Zielgruppe aus den Augen zu verlieren.

C-Klasse Cabrio AMG C 43

Wer den sportlichen Ausritt sucht, findet im C-Klasse Cabrio AMG C 43 den idealen Partner.

(Foto: Dieter Rebmann)

So stürmt der C 300 mit seinen 245 PS, die von einem Reihenvierzylinder aus zwei Liter Hubraum bereitgestellt werden, ausreichend kühn voran. Die 370 Newtonmeter werden gut dosiert auf die Hinterräder gebracht und der Sprint aus dem Stand auf 100 km/h geht in flotten 6,4 Sekunden vonstatten, ohne die Pneus arg zu belasten. Insgesamt erfreut der C 300 auch als Cabrio durch ein sehr ausgewogenes Fahrverhalten. Egal, in welchem Fahrmodus der offene Schwabe bewegt wird, er verzeiht viel und lässt kaum Fahrfehler zu.

Klar, wer das Cabrio, dessen Fahrwerk im Vergleich zur Limousine 15 Millimeter tiefer liegt, übermütig im Sport-Plus-Modus in die Kurve wirft, wird ein leichtes Schieben über die Vorderräder nicht vermeiden können, aber weitere Verwerfungen bleiben aus. Selbst bei stärkeren Unebenheiten in der Straße bleibt der C 300 bei flotten Kurvenfahrten mit Stahlfederung und selektiven Dämpfern ohne Versatz. Wer sich für den Benziner entscheidet hat nicht nur ausreichend Temperament, sondern auch absolute Sicherheit gekauft. Sogar für einen sportlichen Klang haben die Ingenieure gesorgt. Zwar ist es "nur" ein Vierzylinder-Husten, das sich mehr unter der Haube, denn über die Endrohre bemerkbar macht, hat aber dennoch seinen Charme.

Einstieg in die offene AMG-Welt

Innenraum C-Klasse Cabrio AMG C 43

Die Sportsitze im AMG haben zwar keinen Nackenfön, bieten aber ausgezeichneten Seitenhalt im C-Klasse Cabrio.

(Foto: Andreas Linlahr)

Wer will, kann natürlich auch ein Sportfahrwerk ordern, bei dem die Federung straffer ausgelegt ist und die Lenkung noch direkter arbeitet. Das hat der Fahrer eines AMG C 43 4Matic Cabrio ohnehin mitgekauft. Zudem pumpt unter der Haube ein 3,0-Liter-V6-Biturbo mit 367 PS, der 520 Newtonmeter bereitstellt, die wie beim C 300 über eine 9-Gang-Automatik verteilt werden. Nur dass das Ganze hier mit verkürzten Schaltzeiten deutlich schneller vonstattengeht. Zwar wird die Kraft immer noch hecklastig abgegeben, aber im Verhältnis 69 zu 31. AMG-Chef Tobias Moers sieht im C 43 den "idealen Einstieg in die AMG-Welt". Und die dreht sich schnell: in 4,7 Sekunden ist Tempo 100 erreicht, in der Spitze stehen abgeregelte 250 km/h. Bei aller Sportlichkeit glänzt der Affalterbacher Einsteiger aber durch ein ausgezeichnetes Handling. Mehr als im C 300 straffen sich in den unterschiedlichen Fahrprogrammen die Lenkung und das Fahrwerk, ohne dabei aber den ganz Harten raushängen zu lassen.

Klar ist es ein Klacks, mit Sportfahrwerk und adaptiver Dämpferverstellung mit mehr Schmackes ums Eck zu pfeifen, natürlich tönt ein V6 anders als ein Vierzylinder und selbstredend stürmt der C 43 kraftvoller voran. Und selbstredend birgt das dreistufige ESP mehr Möglichkeiten für individuellen Fahrspaß, ohne aber die gesamte Verantwortung in die Hand des Fahrers zu legen. Nicht liegen, aber sportlich sitzen, kann der AMG-Pilot in den ausgezeichnet geformten Integralsitzen. Anders als in den Sportsitzen des C 300 gibt es hier kein Verrutschen in den Kehren. Aber auch keinen warmen Wind in den Nacken, denn einen Airscarf bietet das Renngestühl nicht.

Die sportliche Breitseite

Kofferraum Mercedes C-Klasse Cabrio

Bei geschlossenem Dach im C-Klasse Cabrio gibt es unter der Heckklappe 360 Liter Stauraum. Ist das Dach geöffnet, sind es noch 285 Liter.

(Foto: Andreas Lindlahr)

Wer die komplette sportliche Breitseite haben möchte und das entsprechende Kleingeld parat hat, der entscheidet sich natürlich für den AMG C 63 oder den C 63s. Der 4.0 Liter V8-Biturbomotor bringt mit dem Kürzel "s" 510 Pferde zum Laufen und wuchtet ab 1750 Umdrehungen 700 Newtonmeter zu 100 Prozent auf die Hinterachse. Für den Fahrer heißt das allerspätestens im Fahrmodus "Race" allerhöchste Aufmerksamkeit. Denn jetzt ist das ESP so weit weg, das die Kommunikation nur noch zwischen Fahrer und Fahrzeug stattfindet. Wer sich hier missverständlich in seinen Befehlen ausdrückt, könnte schneller aus dem Rennen sein, als ihm lieb ist.

Wenn sich der Pilot hingegen klar und deutlich artikuliert, ist ihm ein Spielkamerad an die Hand gegeben, der gerne das Heck kommen lässt, der stramm in der Kurve steht und sich mit Millimeterbewegungen des Volants dirigieren lässt. Dabei hustet und prustet der Affalterbacher Sonennanbeter beim Öffnen und Schließen der Drosselklappen aus den Endrohren, dass es eine Freude ist, diesem wilden Lied zu lauschen. Natürlich kann auf Knopfdruck auch Stillschweigen bewahrt werden. Für die Schaltzeiten ist beim großen AMG im Übrigen die altbekannte 7-Gang-Speed-Shift-Automatik verantwortlich.

Lustvoll offen reisen

Wem Geschwindigkeiten bis 280 km/h aber egal sind, wer sich mehr für die lustvolle Art des offenen Reisens interessiert, der findet auch mit anderen C-Klasse Cabrios seinen Frieden. Zur Serienausstattung gehören im Übrigen LED-Scheinwerfer, Sportsitze, Aufmerksamkeitsassistent und der Kollisionswarner. Sparfüchse werden sich ohnehin für den kleinen Benziner, den C 180 oder den kleinsten Diesel, den C 220 d, entscheiden. Beide werden portemonnaieschonend mit Sechsgang-Handschalter angeboten. Auf Wunsch fahren die und alle anderen Cabrios mit der butterweich schaltenden 9-Gang-Automatik vor.

Gleich ist bei allen Modellen auch das Kofferraumvolumen. In der Tiefe, nicht aber in der Höhe lassen sich zwischen 285 und 360 Liter verstauen. Abhängig ist das natürlich immer davon, ob das Softtop sich im Heck versteckt. Dafür braucht es bei Geschwindigkeiten bis zu 50 km/h lediglich 20 Sekunden. Da nicht auszuschließen ist, dass Wetter und Temperaturen irgendwann so unwirtlich sind, dass die Mütze aufgezogen werden muss, empfiehlt sich das dreilagige Akustiktop. Wenn das geschlossen ist, gleicht die Geräuschkulisse sogar der des Coupés.

Quelle: n-tv.de

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