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Bulletproof fährt weiter V12Mercedes geht mit der Sonderschutz-S-Klasse in die zweite Lebenshälfte

05.05.2026, 07:36 Uhr Patrick-portraetfotoVon Patrick Broich, Stuttgart
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Auch die schwere Sonderschutz-S-Klasse mit Panzerung bekommt den neuen Kühlergrill des Facelift-Modells. (Foto: Mercedes)

Wer ein besonderes Sicherheitsbedürfnis hat und sogar unter Kugelhagel sicher ans Ziel möchte, bekommt von Mercedes seit jeher eine Lösung mit der Guard-S-Klasse. Sie ist außerdem die einzige Möglichkeit für Europäer, bei Mercedes noch V12 zu fahren.

Zunächst einmal ist der auffälligste Punkt am Mercedes S 680 Guard, dass kaum etwas auffällt. Kaum heißt in diesem Fall in der Tat nicht nichts, denn das geschulte Auge sieht sehr wohl die schwarzen Bereiche, in deren Rahmen sich das mehrschichtige Panzerglas der Seitenscheiben präsentiert, sowie die festen Bügeltürgriffe statt versenkbarer Öffner. Aber sonst?

Na ja, hier wäre man schon bei einem sehr markanten Punkt, der zwar vor allem Autonerds berührt, aber wirklich verrückt ist, wenn man genau drüber nachdenkt. Denn während das S-Klasse-Line-up bis hinauf in die höchste Etage (Maybach) nur V8-Ware bereithält, darf Kollege Sonderschutz per Zwölfzylinder durch die Gegend gleiten. Unfair, oder? Liegt an einer Ausnahmegenehmigung zwecks Erlaubnis, um den abgasmäßig nicht mehr ganz auf dem neusten Stand weilenden Sechsliter weiter zu betreiben. Und so wird der Zwölfzylinder plötzlich zum einzigartigen Merkmal der Sonderschutzausführung.

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Wer genau hinsieht, erkennt die gepanzerte S-Klasse an den schwarzen Bereichen in den Seitenfenstern. (Foto: Mercedes)

Das ist eigentlich Motorverschwendung, denn richtig auskosten wird der Fahrer das längsdynamische Potenzial dieser Maschine im Kontext mit dem Guard wohl kaum - er ist nämlich doppelt so schwer wie eine konventionelle S-Klasse. Über vier Tonnen waren es bisher, und das dürfte sich selbst im Zuge der Auffrischung kaum geändert haben.

Sicher, wirklich Mühe dürften die 830 Newtonmeter mit dieser Masse nicht haben, aber sportlich ist anders. Außerdem ist die Höchstgeschwindigkeit bei 210 Sachen begrenzt, was immer noch schnell ist, aber nicht State of the Art, falls ein Kunde mit unerschöpflichem Vermögen auf die Idee kommen sollte, einfach Guard zu bestellen, weil das hierzulande den einzigen Weg zum Zwölfzylinder-Mercedes bietet, nachdem der Maybach-V12 in Europa Geschichte ist.

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Die einzige Möglichkeit, bei Mercedes anno 2026 noch Zwölfzylinder zu fahren, besteht in der Bestellung eines S 680 Guard. (Foto: Mercedes)

Wer fährt gepanzerte S-Klasse?

Aber wer zum Teufel soll die Sonderschutz-Oberklasse denn bitte bestellen? Das Thema hat bei den Schwaben Tradition, seit 1928 schon bietet Mercedes Sonderschutz-Fahrzeuge an, das erste war der vor 98 Jahren debütierte Nürburg 460. Mercedes nennt vor allem Staatsoberhäupter und Wirtschaftsführer als Kernklientel. Na gut, Wirtschaftsführer ist ein ziemlich relativer Begriff. Also, wie wäre es?

In diesem Fall sind nicht Sonderwünsche wie Komforttüren oder Massagesitze begehrte Ausstattungsfeatures, sondern die "höchste zivile Schutzklasse VR10 nach VPAM-BRV". Bitte was? Wenn man den Begriff in eine Suchmaschine eingibt, dann folgt eine Liste der Handfeuerwaffen, deren Kugeln die Hülle dieses 223 trotzt.

Gut zu wissen jedenfalls ist, dass dieser besondere Benz eine Feuerlöschanlage mit selbstständiger Auslösefunktion besitzt. Und ein Frischluftsystem zum Schutz vor Reizgasen oder Rauch hält den Innenraum eine Zeit lang überlebenstauglich per Überdruckverfahren.

Außerdem sorgen PAX-Notlaufreifen auch dann noch für 30 Kilometer Fahrtüchtigkeit, wenn dem Pneu die Luft ausgeht. Mit der S-Klasse erkauft man sich das beste Sicherheitskonzept, das es bei einem Serienfahrzeug gibt. Das liegt nicht zuletzt daran, dass aus speziell gehärtetem Stahl gefertigte Sicherheitszelle parallel zum Fahrzeug mitentwickelt und als integraler Bestandteil auf die S-Klasse abgestimmt wurde. Selbst bei einer Granatenexplosion unter dem Fahrzeugboden bleiben die Passagiere unversehrt.

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Das Lichtdesign des Guard entspricht exakt dem der aufgefrischten S-Klasse der Baureihe 223. (Foto: Mercedes)

Herrschen nicht gerade Extremverhältnisse (was hoffentlich der Normalfall ist), glänzt der Guard mit anderen technischen Finessen. Während Fahrer gepanzerter Vehikel früher statische Seitenscheiben in Kauf nehmen mussten, können diese inzwischen längst geöffnet werden. Hydraulisch angesteuerte Heber hieven die schweren Elemente mühelos nach unten und folglich auch wieder nach oben. Eine Notfunktion erlaubt den Weiterbetrieb auch, falls das Bordnetz ausfällt. Darüber hinaus erlauben sogenannte elektromechanische Türaktoren ein leichtes Bedienen der 200 Kilogramm schweren Portale.

Dass der Antrieb mit der Baureihe 223 erstmals sämtliche vier Räder bediente, um größtmögliche Traktion zu gewährleisten, war beim Debüt des Modells ein Novum. Wer den S 680 mit dem Panzerglas als Familienkutsche einsetzen möchte, sollte bei der Gepäckplanung aufpassen - 390 Liter beträgt das Kofferraumvolumen wegen der Panzer-Schottwand (bei der regulären S-Klasse sind es 510 Liter). Ein optimaler Kühlschrank in der Mittelarmlehne versorgt die Passagiere immerhin auf langen Fahrten.

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Sitzt es sich gemütlich in der zweiten Reihe auf den Einzelsitzen? Wer sagt denn, dass es im Panzerwagen aus Stuttgart weniger gemütlich zugehen soll. (Foto: Mercedes)

Und der Kunde hat so manche Luxusoptionen, um das Flaggschiff komfortabler zu machen. So gibt es auch bei der gepanzerten Version die Möglichkeit, Einzelsitze im Fond zu ordern. Außerdem bekommt der 612 PS starke Luxusliner ein spezielles Fondentertainment inklusive Videokonferenztechnik.

Optisch gibt sich die zweite Serie der Sonderschutz-S-Klasse analog zu den konventionellen Varianten ebenfalls an den neuen Rückleuchten und Scheinwerfern mit der berühmten Sternenoptik zu erkennen. Auch der schutzbedürftige Kunde möchte schließlich nicht auf die Merkmale des Facelift-Modells verzichten. Unter einer halben Million Euro geht übrigens kaum etwas bei der Guard-S-Klasse. Doch wer in der Position ist, hinter Panzerglas sitzen zu müssen (oder zu wollen), dürfte das Finanzielle kaum stören. Staatsoberhäupter und Wirtschaftsführer eben.

Quelle: ntv.de

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