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Knackiges Zwischenspiel Der neue Mini - der Weg ist das Fahrziel

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Der Mini ist auch nach dem Facelift das, was er schon immer war: eine Fahrmaschine.

(Foto: Holger Preiss)

Bevor ein Autoleben eine Neuauflage erfährt, gibt es in der Regel ein Facelift. Feine Retuschen sollen den Käufer bei der Stange halten. Manchmal führen die aber auch dazu, dass alte Tugenden neu entdeckt werden.

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Der Cooper S kann wunderbar aus den Endrohren spratzen.

(Foto: Holger Preiss)

Manchmal stellt sich die Frage, ob es nötig ist, über das Facelift eines Autos zu berichten. Noch dazu, wenn es scheinbar so unauffällig vonstatten gegangen ist wie bei Mini. Ja, da sind die neuen LED-Leuchten in der Front, die es jetzt möglich machen, mit vollem Flutlicht zu fahren, ohne andere Verkehrsteilnehmer zu blenden. Die werden einfach aus dem Lichtkegel ausgeblendet. Zudem vereinen sich Tagfahrlicht und Blinker in einem LED-Ring und am Heck lässt diese Technik den Union-Jack leuchten. Zugegeben, das sieht schon heiß aus, aber macht aus dem Mini jetzt kein neues Auto. Auch die zur Individualisierung frei konfigurierbaren Anbauteile, über die auf diesen Seiten bereits berichtet wurde, verwandeln das Auto nicht vollends, sondern geben ihm lediglich innen und außen einen ganz persönlichen Touch.

Knackig mit neuem DSG

Doch spätestens wenn man in einem Cooper S sitzt und das Vergnügen hat, den über mallorquinische Bergstraßen zu steuern, wird klar, dass es doch etwas zu berichten gibt. Auch das ist nicht neu, begeistert aber immer wieder. Der Cooper S ist wie ehedem mit einem Zweiliter-Vierzylinder ausgestattet, der mithilfe seines Turbos 192 PS generiert. Sein maximales Drehmoment von 300 Newtonmetern kann weiter sanft oder brachial über ein manuelles Sechsganggetriebe oder über ein - und das ist jetzt wirklich neu - Doppelkupplungsgetriebe, das über sieben Stufen schaltet, an die Vorderräder gereicht werden.

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Innen ist jetzt ein 6,5-Zoll-Farbbildschirm mit Bluetooth-Einbindung Serie.

(Foto: Holger Preiss)

Dass es das besser kann als die alte Aisin-Sechsgang-Automatik, stellt es bereits seit einiger Zeit im BMW X1 unter Beweis. Aber ganz ehrlich, nicht so schön wie im Mini, denn hier macht das Zusammenspiel der Komponenten die Musik. Wenn nach dem spontanen Tritt auf den Pin der Turbo richtig Wind macht und die Drehzahlen über 2000 Umdrehungen gewuchtet sind, schiebt der Brite mit bayrischem Knowhow richtig an. Knackig laufen die Gänge ohne spürbare Verzögerung durch die Gassen und der Cooper S geht richtig nach vorn. 6,8 Sekunden vergehen, bis die Marke von 100 km/h geknackt ist, am Ende des Weges steht mehr als 230 km/h auf der Uhr.

Es bleibt beim Go-Kart-Feeling

Aber das ist es nicht, was hier zum freudvollen Jauchzen führt. Die Momente dazwischen machen den Mini aus und damit wird tatsächlich der Weg das Ziel. Bereits im normalen Modus ist die Lenkung wunderbar eng. Wer über den Kippschalter in der Mittelkonsole den Befehl Sport ausgibt, spürt, wie sich das Ganze strafft und das berühmte Go-Kart-Feeling aufkommt. Abgesehen von den kleinen Rennwagen mit dem Rasenmäher-Motor kann man nämlich nur einen Mini so um die Kurven werfen. Dabei regelt das ESP so feinnervig, dass es den Fahrspaß nicht mal im Ansatz unterbindet, ihn lediglich auf eine andere Stufe hebt. Die Sicherheitsregelung bekommt der Pilot am Ende nur mit, weil das entsprechende Lämpchen mit dem schleudernden Auto blinkt. Die Folge sind erstaunliche Kurvengeschwindigkeiten und -Radien.

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Für Frischluft-Fans, der Mini Cooper S als Cabrio.

(Foto: Holger Preiss)

Sportfahrer, die sich in der direkten Folge eines Lewis Hamilton sehen, müssen jetzt aber stark sein. Es gibt keine Schaltwippen hinter dem Lenkrad. Für die müssen beim Cooper S ein Häkchen in der Optionsliste gemacht und 150 Euro bezahlt werden. Wer händisch schalten will, muss den neu designten Stick über dem Mitteltunnel nutzen. Aber ganz ehrlich, dann eher 1800 Euro für das DSG sparen und den Handschalter kaufen. Bei dem lassen sich die Gänge über wunderbar kurze Wege präzise einrasten und der Sprint auf Landstraßentempo ist lediglich 0,1 Sekunden nach einem Cooper S mit Automaten abgeschlossen. Schaltfaule Fahrer können die Serpentinen ohnehin druckvoll im dritten Gang nehmen. In Sport erfreut zudem die Zwischengas-Funktion, die das Nachdrücken auf dem Gaspedal bei etwaigen Schaltvorgängen überflüssig macht und den Mini wie gewohnt frech aus den zwei mittig platzierten Endrohren spratzen lässt.

Grashüpfer im Liebesrausch?

Selbstredend gilt das Gesagte auch für das Cooper S Cabrio. Mit einer Einschränkung: Wenn das Dach geöffnet ist, ist nicht nur die Sicht nach hinten arg eingeschränkt, auch die Gewichtsverteilung leidet. Plötzlich liegt auf dem Heck deutlich mehr Druck - in Summe 115 Kilogramm - was den Mini in manchen Kurven hüpfen lässt wie einen Grashüpfer im Liebesrausch. Aber bis es soweit kommt, muss man es schon arg treiben. Mit großem Staunen durfte der Autor nach dem exzessiven Ausflug die Tankanzeige in Augenschein nehmen. In den Passagen mit schwerem Gasfuß, vielen Kurven und die Berge hinauf wetzend, liefen lediglich 9,2 Liter Benzin durch die Schläuche. Über die gesamte Strecke von 180 Kilometern waren es am Ende 6,4 Liter bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 65,7 km/h. Ein mehr als akzeptabler Wert für den leistungsstarken Briten. Der Cooper S durfte übrigens ob dynamischerer Fahrt einen Schluck mehr nehmen. Er lag am Ende im Schnitt bei 6,9 Litern.

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Wer möchte, kann seinen Mini jetzt mit einer Lederausstattung in "Maltbrown" veredeln.

(Foto: Holger Preiss)

Wie alles im Leben hat auch der Fahrspaß mit einem Mini Cooper S seinen Preis. Als Dreitürer und mit Handschaltung rufen die Bayern 25.600 Euro auf. Das sind 850 Euro mehr als beim Vorgänger. Soll es ein Cabrio mit nämlicher Motorisierung sein, dann müssen mindestens 31.300 Euro im Säckchen sein. Wer auf 117 PS verzichtet, der kann in den 75 PS starken und 550 Euro teurer gewordenen Mini One First Dreitürer ab 16.950 Euro einsteigen. Aber für das mehr an Geld gibt es natürlich auch eine materielle Gegenleistung. Innen ist jetzt ein 6,5-Zoll-Farbbildschirm mit Bluetooth-Einbindung Serie. Zusätzlich Geld kann der Mini-Enthusiast für neue Farben, Felgen, WLAN, Echtzeitnavigation, eine sehr schöne Lederausstattung in "Maltbrown" oder ein neues Multifunktionslenkrad mit feinem Nappabezug ausgeben.

Am Ende bleibt der Mini - und das ist wichtig - das was er immer war: eine Fahrmaschine, die in vielen Belangen erwachsener geworden ist. Dabei sind ein paar Pfunde auf die Rippen gekommen, was aber mit mehr Kraft wettgemacht wird. Zudem ist der Spaßmacher über die Jahre so alltagstauglich geworden, dass auch Partner überzeugt werden können, die den Enthusiasmus eines Piloten nicht teilen, der gerne an den Jet-Kippschaltern spielt und mit entsprechender Schärfe ums Eck fliegt.

Quelle: n-tv.de

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