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Britisches Power-Paket Mini JCW - Quantensprung auf 306 PS

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Mit dem neuen Vierzylinder und 306 PS wird der Mini Clubman John Cooper Works bis zu 250 km/h schnell.

(Foto: Bernhard Filser)

Er ist groß wie nie und nun auch noch stark wie nie, der Mini John Cooper Works. Ob als Clubman oder Countryman, der Brite unter bayrischer Ägide fährt jetzt mit 306 PS und katapultiert sich damit zahlenmäßig in eine ganz neue Klasse. Aber wie fährt sich der Mini-Bolide?

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Zweifarblackierung und Ralley-Streifen gehören zum Mini Clubman JCW natürlich dazu.

(Foto: Holger Preiss)

Ob der Mini John Cooper Works in Form des Countryman oder des Clubman ein Geschenk zum 60. Geburtstag ist oder ob es nur ein glücklicher Umstand ist, dass die beiden Sportfreunde jetzt endlich so motorisiert wurden, wie es sich gehört, ist eigentlich egal. Fakt ist, dass beide die Plattform des X2 benutzen. Somit war es kein Problem, das Powerpaket in Form des Vierzylinders mit TwinPower-Turbo-Technologie hinter das freundliche Gesicht des Briten zu packen. Wie im X2 M35i mobilisiert der Treibsatz 306 Pferde und feuert bei Bedarf ein maximales Drehmoment von 450 Newtonmetern an alle vier Räder ab.

Um den Leistungssprung hier einmal zu verdeutlichen, drehen wir das Zeitrad noch einmal zurück: In seiner letzten Ausführung fuhr der John Cooper Works mit 231 PS vor. Das war seinerzeit, also vor vier Jahren, eine Ansage. Doch gegen das, was da jetzt unter der Haube arbeitet, wirkt es einfach nur noch lächerlich. In Summe gehen hier nämlich 75 Pferde mehr an den Start und das macht sich auch in den Datenblattwerten bemerkbar. Der Clubman, den n-tv.de auch zu einer ersten Testfahrt bitten durfte, knackt die Tempo-100-Marke bereits nach 4,9 Sekunden. Und das steht eben nicht nur geschrieben.

Der fährt einen schnellen Strich

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Mit den neuen breiten Heckleuchten steht der Mini Clubman JCW wesentlich satter auf der Straße.

(Foto: Holger Preiss)

Mit unglaublicher Wucht schiebt der Brite mit seinen bayrischen Genen an. Drückt den Fahrer in seiner freundlichen, aber bestimmten Art in die Integralsitze, wenn das Sportgetriebe über acht Stufen die Gänge knackig und ohne jede Verzögerung durch die Gassen feuert. Dabei haben die Ingenieure aber peinlichst darauf geachtet, dass hier auch der Pilot selbst Hand anlegen kann. Wunderbar große Schaltwippen schreien förmlich danach, dass der Fahrer tätig wird. Denn bereits beim Wechsel von Normal zu Sport reißt es den Zeiger des Drehzahlmessers nach oben und die Gänge schießen nach unten. Das ist auch der Moment, wo es für den ambitionierten Fahrer eigentlich nur noch per Fingertipp weitergehen kann. Wer will, beschleunigt den JCW jetzt bis auf Tempo 250, dann wird elektronisch abgeregelt.

Wer mit einem JCW unterwegs ist, der verlangt natürlich auch ein exzellentes Kurvenverhalten. Allerdings muss schon gesagt werden, dass sich die Modelle seit einigen Jahren von dem einst so oft beschriebenen Gokart-Feeling entfernt haben. Am weitesten weg ist aber der neue Kraftprotz. Das ist aber gar nicht schlimm, denn statt spitz ums Eck zu stechen, kann man jetzt mit dem John Cooper Works wie mit einem echten Sportwagen Linie fahren. Wichtigste Beigabe dafür ist der Allradantrieb. Technisch verhält sich das folgendermaßen: Während das DSC in jeder Fahrsituation die ideale Kraftverteilung errechnet, sorgen ein Vorderachsgetriebe, eine zweiteilige Gelenkwelle und ein Hinterachsgetriebe mit elektrohydraulisch geregelter Hang-On-Kupplung für die Verteilung der Kräfte. Der Fahrer spürt davon erst etwas, wenn die Antriebsräder Schlupf bekommen, dann nämlich wird in Sekundenbruchteilen Drehmoment an die Hinterräder weitergereicht. Und genau das ist es, was am Ende die Kurvenhatz so freudvoll gestaltet.

Harte Nummer

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Auch im Innenraum des Mini Clubman JCW haben sich einige Details verändert.

(Foto: Richard Newton)

Was dem Autor allerdings nicht so gut gefiel, war die Lenkung. Die hätte gerne etwas direkter sein können, ja vielleicht sogar so spitz, wie man es von den BMW-Sportmodellen gewohnt ist. Denn wer schnelle Rechts-Links-Kombinationen fährt, möchte schon, dass der Wagen sich augenblicklich auf den Weg in die vorgegebene Richtung macht. Aber letztlich soll das hier als subjektives Empfinden verbucht werden, denn so oder so wurde im Test ein sehr flotter Strich gefahren. Womit sich aber der Pilot eines John Cooper Works in jedem Fall anfreunden muss, ist ein sehr straffes Fahrwerk. Wie in echten Sportwagen üblich, weiß man hier in fast allen Details über die Straßenbeschaffenheit Bescheid. Jedenfalls dann, wenn es der Käufer des mindestens 44.900 Euro teuren Mini-Boliden beim serienmäßigen Sportfahrwerk belässt. Andernfalls kann er natürlich auch ein adaptives Fahrwerk in der Optionsliste wählen, das dann bei Alltagsfahrten etwas mehr Komfort bieten sollte.

Doch wie auch immer das persönliche Popometer ausschlägt, für Sportfahrer ist der Mini mit den 18-Zoll-Rädern besser besohlt als mit den 19-Zöllern. Für den harten Stopp sorgen 360er Scheiben vorn und 330 Millimeter große Bremsscheiben am Heck, für optisches Aufsehen dann die rot lackierten Bremssättel mit dem John-Cooper-Works-Logo. Um die Bremsanlage optimal zu kühlen, wurden die Lufteinlässe an der Front vergrößert und der ebenfalls größere Dachspoiler trägt zur Reduzierung des Auftriebs bei hohen Geschwindigkeiten bei. Eine Veränderung, die ebenfalls der Aerodynamik geschuldet ist, sind die optimierten Außenspiegelkappen. Dem nüchternen Betrachter wird hingegen vor allem auffallen, dass die typischen "Micky-Maus-Ohren" des Mini verschwunden sind. Auch das ein sehr feiner Zug bei den sonst recht überschaubaren äußeren Änderungen.

Auch innen gibt es was Neues

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Die neuen Sitze im Mini Clubman JCW scheinen mehr Langstreckenqualität zu haben als die Vorgänger.

(Foto: Holger Preiss)

Im Innenraum gibt es neue Integralsitze, ein Sportlenkrad, einen ebenfalls neuen Gangwahlhebel in der Mittelkonsole und einen anthrazitfarbenen Dachhimmel als Aushängeschilder der John-Cooper-Works-Modelle. Zudem haben die britischen Spitzensportler LED-Scheinwerfer, schlüssellosen Zugang und ein 6,5-Zoll-Farbdisplay mit Touchscreen und neu gestalteter Grafik. Das lässt sich natürlich mit einem 8,8-Zoll-Display übertreffen, mit dessen optionalem Erwerb es auch gleich noch Echtzeitnavigation, den Concierge Service und den Zugang zum Internet-Portal Mini Online sowie Apple CarPlay gibt.

Bei all seiner Sportlichkeit bleibt der John Cooper Works als Clubman ein spaßiges Familienauto. Zum einen bietet er ausreichend Platz in der zweiten Reihe, zum anderen kann hinter der per Fußtritt aufschwingenden Doppeltür auch ordentlich was verstaut werden. 360 Liter sind es bei normal stehender Rückbanklehne. Ist die umgelegt, sind es 1250 Liter. Natürlich gelten diese Maße auch für die Clubman-Modelle abseits eines John Cooper Works. Hier erfolgt der Einstieg dann auch schon ab 24.300 Euro. Dafür gibt es den Dreizylinder mit 102 PS und die neuen Heckleuchten im Union-Jack-Design sind auch im Paket enthalten.

Quelle: n-tv.de

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