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"Wir stellen die Uhren zurück"Moto Guzzi V7 - alles auf Anfang

11.03.2021, 13:30 Uhr
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Mit neuer Technik und einer historischen Optik will die Moto Guzzi V7 neue Fans gewinnen. (Foto: Moto Guzzi)

Auch Moto Guzzi will den Trend zum Retro-Bike nutzen und stellt bei seiner neuen V7 "die Uhren zurück". Das betrifft aber nur die schlichte Optik. Ansonsten haben die Italiener die V7 frisch renoviert, um dem Fahrer alles an die Hand zu geben, damit er entspannt, souverän und zügig unterwegs ist.

Niemand hätte sich gewundert, wenn die frisch renovierte Moto Guzzi V7 unter der Modellbezeichnung V7 IV auf den Markt gekommen wäre, hieß doch das zuletzt gebaute Modell V7 III. Doch am Firmensitz in Mandello del Lario am Comer See entschied man anders: "Wir stellen die Uhren zurück und fangen wieder von vorne an", hieß die Losung - und so trägt die jetzt mit einem um 110 Kubikzentimeter größeren V2-Motor ausgerüstete Maschine die schlichte Typbezeichnung V7, ohne jeden Zusatz.

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In der Ausführung als Stone sind Chromteile bei der Moto Guzzi 7V Fehlanzeige. (Foto: Moto Guzzi)

Der Hinweis auf den größeren Motor findet sich lediglich auf der ab 10.100 Euro lieferbaren Special in Form eines Tank-Aufklebers; die Version Stone, stets matt lackiert und etwas zeitgeistiger als die klassisch aussehende Special, bleibt jeden Hinweis auf ihr erstarktes Herz schuldig und kostet 9100 Euro.

Der neue Motor ist von dem in der noch jungen Reiseenduro V85 TT eingebauten Triebwerk abgeleitet. Man hat dem luftgekühlten Zweiventil-V2 die Schärfe von 80 PS genommen und die Leistung auf 65 PS reduziert; für Fahrwerk und Bremsen der V7 wäre der stärkere Antrieb möglicherweise zu viel gewesen. Doch auch mit 65 PS liegt die verfügbare Leistung um 25 Prozent höher als bei der V7 III. Die musste seinerzeit mit 50 PS und 60 Newtonmetern Drehmoment aus 744 Kubikzentimetern Hubraum auskommen.

Zufrieden mit dem kurvenreichen Leben

Auch das maximale Drehmoment liegt bei der neuen V7 mit nunmehr 73 Newtonmeter höher und wird bereits ab 5000 Kurbelwellenumdrehungen zur Verfügung gestellt. In Summe ist der neue Motor ein echter Fortschritt: Insbesondere an Steigungen, aber auch im Zweipersonenbetrieb ist man weitaus souveräner unterwegs. Das für einen Zweiventiler prächtige Drehvermögen des V2 - der Begrenzer wird erst bei 7200 U/min. tätig - nutzt man in der Praxis bei Weitem nicht aus, denn am wohlsten fühlen sich Motor und Fahrer zwischen 3000 und 5000 Touren. Da schnurrt die Maschine zufrieden und der Fahrer freut sich des kurvenreichen Lebens.

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Die Veränderungen an der Moto Guzzi V7 sorgen für mehr Fahrvergnügen. (Foto: Moto Guzzi)

Grund zur Zufriedenheit hat er auch wegen einiger anderer Änderungen, die der neuen Moto Guzzi V7 zuteilgeworden sind. So findet sich am Fahrwerk eine neue Leichtmetallschwinge, der Rahmen wurde für mehr Stabilität verstärkt und die hinteren Stoßdämpfer neu am Chassis angelenkt. Deutlich mehr Federweg, nämlich 12 statt nur 9 Zentimeter, bieten sie obendrein. Was dem Komfort auf schlechten Straßen ausgesprochen zuträglich ist.

Zudem montierte Guzzi eine neue ABS-Generation von Conti, die ausgesprochen feinfühlig regelt, wenn es denn mal brenzlig wird. Die beiden Scheibenbremsen, je eine vorne und hinten, machen ihre Sache zufriedenstellend und wären noch besser zu bedienen, wenn die Italiener sich nicht an einer Griffweitenverstellung gespart hätte. Mindestens drei Finger am Hebel benötigt die Frontbremse, wenn hart verzögert werden muss. Vorteilhaft wären auch ein einstellbarer Kupplungshebel und eine Warnblinkanlage sowie selbstrückstellende Blinker.

Einfach stimmig

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Ein Sportler wird auch aus der neuen Moto Guzzi V7 nicht. (Foto: Moto Guzzi)

Am besten passt zur V7 ein Fahrstil mit der Charakteristik "entspannt-souverän-zügig". Aber ein Sportler war diese Guzzi noch nie und wird sie wohl auch nie werden. Dafür ist genug Kraft fürs Fahren in hohen Gängen vorhanden, viel Schalten ist nicht nötig und das Getriebe arbeitet leichtgängig und präzise. Insofern wird man mit dem schon in der historischen V7 Sport eingebauten 21-Liter-Tank zumindest sichere 350 Kilometer ohne Nachtanken fahren können.

Fahrkomfort und Ergonomie sind insgesamt stimmig. Man sitzt entspannt, die Vibrationen in den Füßen sind dank neuer Fußrasten praktisch verschwunden. Einen Windschutz gibt es nicht, die Lenkstange ist angenehm zu greifen, der Kniewinkel passt für alle zwischen 1,65 und 1,95 Meter. Der neue Sitz ist fein gepolstert und stilsicher gestaltet, samt Namensschriftzug am Heck. Die Fahrstabilität ist in Ordnung, auch die Rückmeldung in Kurven ist gut; der zwei Zentimeter breitere Hinterreifen bringt fühlbares Wohlbefinden in Schräglage.

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Zwei klassische analoge Rundinstrumente gibt es bei der Moto Guzzi V7 Speziale. (Foto: Moto Guzzi)

Als Special spricht die Moto Guzzi V7 primär jene Fahrer an, die Freude an klassischen Motorrädern haben. Ihr Lack glänzt, ihre neue Auspuffanlage ist verchromt, auch die gut nutzbaren Rückspiegel und der stabile Sozius-Haltegriff blinken. Und ihre beiden analogen Rundarmaturen im Cockpit sind ausgesprochen stilsicher. Das etwas klein geratene LC-Display stört das Auge nicht und bringt dafür eine Menge Informationen ins Blickfeld. Das leicht gelbliche, wenig auffällige Scheinwerferlicht entstammt einer Halogen-Glühlampe, die Möglichkeit zur Smartphone-Einbindung ins Fahrzeug bietet die Special nicht.

Diesbezüglich ist die stets matt lackierte V7 Stone zeitgemäßer. Chrom ist Fehlanzeige, Schwarz dominiert. Umso heller strahlt das LED-Licht aus dem natürlich weiterhin runden Scheinwerfer, in dem sogar ein Tagfahrlicht in Form der Guzzi-Adlerschwingen integriert ist. Weitere Merkmale der Stone sind ein nicht besonders gut ablesbares, kreisrundes LC-Display im Cockpit und Gummi-Faltenbälge an der Gabel.

Das Modell ist Geschmackssache

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Wer sich für die Moto Guzzi V7 Stone entscheidet, bekommt alle Informationen über ein digitales Rundinstrument.

Die Stone ist zudem für den Einbau der Moto Guzzi Konnektivitäts-Plattform vorgesehen, MIA genannt. Preislich reiht sich die Stone einen Tausender unter der Special ein. Die Entscheidung zwischen den beiden Versionen ist Geschmackssache. Nur dieses Jahr gibt es die in Sonderlackierung silber-grün mit braunem Sitz gehaltene Stone Centenario; sie kostet 200 Euro mehr als die Basis-Stone.

Die Moto Guzzi V7 des Baujahres 2021 passt perfekt in die Historie des Hauses: Sie wirkt stilsicher und gepflegt und deshalb insgesamt wertig; aufgesetztes Gehabe ist nicht zu finden. Allerdings hat sie einen "Pickel auf der Nase": Die beiden Lambdasonden sitzen arg unglücklich bestens sichtbar auf den sonst so schönen Auspuffkrümmern. Zum Glück nur ein Schönheitsfehler. Wichtiger ist, dass das Fahren und Hören - der Sound der neuen Schalldämpferanlage ist dezent bassig - den Fahrer unmittelbar in den Gute-Laune-Modus versetzen. Und dass den Augen viel Charakteristisches geboten wird. Und das passt ganz ausgezeichnet zum Jubiläum. Immerhin feiert Moto Guzzi am Gründungsort Mandello dieses Jahr den 100. Geburtstag.

Quelle: ntv.de, Ulf Böringer, sp-x

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