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Nur die Vernunft zählt? Motorrad-Trends 2018

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Mit seinen Retro-Bikes hat BMW seit 2013 einen Trend losgetreten.

Leistung und Optik sind Parameter die nicht nur beim Autokauf eine Rolle spielen. Auch bei den Zweirädern wird in diese Richtung geschielt. Überzeugen kann am Ende hier aber nur das Gesamtpaket, wie in einer guten Beziehung.

Welche Art Motorrad stellen sich deutsche Käufer - 15 Prozent davon sind weiblich – wohl in die Garage? Vorzugsweise die "PS-Granaten" der Kategorie 160 PS und mehr, mit denen der Fahrspaß eine besondere Dimension erreichen soll? Weit gefehlt: Weder die BMW R 1200 GS, Dauer-Verkaufsspitzenreiter seit ihrer Markteinführung im Jahr 2004, noch die 75 PS leistende Yamaha MT-07 noch die Kawasaki Z650 und auch nicht die Honda Africa Twin als Viertplatzierte der Top Ten, glänzen mit Leistungs-Maxima noch fallen sie mit ihrer Optik ganz extrem auf.

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Unter den Superbikes rangiert die BMW S 1000 RR auf dem ersten Platz.

Alle vier genannten Modelle dürfen trotz höchst unterschiedlicher Preise von unter 7000 bis rund 21.000 Euro als preiswerte Motorräder gelten. Das Fahrerlebnis mit allen steht auch über längere Zeiträume in einem guten Verhältnis zur Investition. Deutsche Käufer lassen auch bei einem emotionalen Kauf, den jedes Motorrad grundsätzlich darstellt, die Vernunft nicht außen vor.

Das gilt übrigens nicht nur für Zweiradkäufer in Deutschland: In Spanien beispielsweise, von wo gefühlt 80 Prozent aller Spitzen-Rennfahrer auf zwei Rädern stammen, sind 125er Roller die bei weitem meistverkauften Zweiräder. Sie werden total vernunftorientiert für die Fahrt zum Arbeitsplatz eingesetzt. In Frankreichs großen Städten kommen ebenfalls Motorroller auf sehr hohe Stückzahlen, allerdings sind sie dort oftmals hubraumstärker als in Spanien. Und auch Italiener lassen beim Zweiradkauf nicht nur ihr Herz sprechen, sondern kalkulieren sorgfältig zwischen Vorlieben und Nutzen.

Nicht nur die Sportgranaten reizen

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Auch die Honda CBR1000RR Fireblade erfreut sich großer Beliebtheit.

Doch wie sieht der Trend auf dem deutschen Motorradmarkt aus? Er wird sich trotz der im Herbst erfolgten Vorstellung neuer 200 PS-Tiefflieger nicht stärker in Richtung Höchstleistung verändern. Bei Ducati wird man Dankgebete anstimmen, wenn die neue Panigale V4 mit 214 PS es unter die Top 50 schafft. Dort jedenfalls stand im November die gut 20 PS "schwächere" Honda Fireblade mit rund 600 Einheiten als zweitplatziertes Superbike hinter der BMW S 1000 RR, die es mit 855 Verkäufen insgesamt auf Rang 34 schaffte.

An einen solchen Erfolg für den neuen Kompressor-Supersporttourer Kawasaki H2 SX denkt man beim Hersteller noch nicht mal in den kühnsten Träumen; wahrscheinlich wird der Marktanteil weit unter einem Prozent liegen. Sowohl das genannte Kawa-Modell, als auch manche ihrer Marken-Schwestern und auch die erwähnte Ducati stellen hohe Ansprüche an die Fähigkeiten der Piloten. Wer diese nicht in langer Fahrpraxis erworben hat, wird sich schnell überfordert als befriedigt fühlen. Das gilt selbstverständlich auch für manches andere Modell, das technisch fasziniert und fahrphysikalisch top ist, dass allgemeine Handling aber durch die unbändige Kraft hingegen wesentlich erschwert.

Wie eine gute Beziehung

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Voll im Trend liegt die Kawasaki Z900 RS.

Und deshalb muss es zwischen Mensch und Motorrad wie in einer idealen Beziehung rundum passen: Leistung, Gewicht, Sitzhöhe, Preis sollten in einem guten Verhältnis zueinander stehen. Genau darauf richten mehr Hersteller als noch vor zehn Jahre den Fokus. Das "Wir haben verstanden" zeigt sich an der häufigeren Entwicklung von emotional ansprechenden Bikes, die nicht totalen Hightech-Standard zelebrieren, sondern leichte Zugänglichkeit bieten.

Sehr gut repräsentiert diesen Ansatz die BMW R nineT eingeschlossen der mittlerweile vier Variationen dieses Typs. Sie hat der bayerischen Marke viele Kunden zugeführt, die vorher keine BMW gefahren sind oder schon viele Jahre nicht mehr auf eine aufgestiegen sind. Ganz neu in diesem Retro-Feld angekommen ist die Kawasaki Z900RS. An ihrem Markterfolg gibt es keinen Zweifel, auch wenn das Vierzylinder-Triebwerk "nur" 111 PS leistet. Auch die Scrambler-Varianten von Ducati – das jüngste Modell heißt Scrambler 1100 – haben der Marke ganz neue Kundenkreise erschlossen.

Mehr Resonanz für das Unspektakuläre

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Ohne Schnörkel, eines der beliebtesten Touren-Bikes sind die Yamaha Tracer 700 und 900.

Obwohl ganz ohne Retro-Schnörkel daherkommend, gehört auch die Yamaha MT-07 samt Schwester MT-09 und den tourentauglicheren Cousinen Tracer 700 und Tracer 900 in diese Kategorie der leichten Zugänglichkeit. Diese vier Japan-Bikes sind – verglichen mit einer MV Agusta 800 oder einer Ducati 821 weniger spektakulär, erzeugen aber dennoch eine größere Resonanz, was sich sehr gut an den Verkaufszahlen ablesen lässt. Der Trend geht also – nimmt man den Verkaufserfolg zum Maßstab – deutlich in Richtung Ausgewogenheit.

Es soll aber nicht unerwähnt bleiben, dass auch die Leistungs-Kracher beachtliche Erfolge einfahren. Die 165 PS leistende BMW S 1000 R rangiert zum Beispiel auf Rang neun der Verkaufs-Hitliste, die noch geringfügig stärkere KTM 1290 Super Duke R folgt ihr unmittelbar, die 160 PS-Rakete KTM 1290 Super Adventure rast auf Rang 13, das BMW-SUV S 1000 XR mit 165 PS auf Rang 16, was immerhin gut 1300 Zulassungen bedeutet. Dass so viele so starke Motorräder so gut abgesetzt werden, war noch vor fünf Jahren nicht absehbar. Dank der mittlerweile finessenreichen elektronischen Assistenzsysteme sind sie aber so gut beherrschbar, dass sie auf bedeutsame Stückzahlen kommen. Dieser Trend wird auch 2018 fortsetzen.

Quelle: n-tv.de, hpr/sp-x