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Mit der Studie zum gibt BMW in Genf einen Ausblick auf sein kommendes Luxus-Coupé.
Mit der Studie zum gibt BMW in Genf einen Ausblick auf sein kommendes Luxus-Coupé.(Foto: Holger Preiss)
Donnerstag, 08. März 2018

Vier gewinnt: Neue Viertürer auf dem Genfer Autosalon

Von Michael Gebhardt, Genf

Es gibt sie noch, die klassischen Viertürer. Auf dem Genfer Auto Salon finden alle, die kein SUV wollen, einige coole Limousinen-Neuheiten und -Studien. Und selbst wenn es unter der Haube nicht kracht, sind die Linien schnell.

Alle wollen SUV fahren? Schaut man in die Zulassungsstatistik, scheint an der Aussage viel Wahres dran zu sein: Hochbeiner jeder Form und Farbe erfreuen sich ungebrochener Beliebtheit und von Jahr zu Jahr gehen mehr der Off- und Softroader in Kundenhand über. Die Branche reagiert darauf, und wirft ein SUV nach dem anderen auf den Markt. Doch halt! Scheinbar gibt es da noch ein paar Käufer, die keinen Hausfrauenpanzer wollen, und auch keinen Familienkombi oder kleinen Stadtwagen – sondern einfach nur ein ganz normales Auto mit vier Türen. Wer zu dieser Randgruppe zählt, darf sich freuen: Auf dem Genfer Auto Salon gibt es dieses Jahr ein paar mehr oder weniger klassische Limousinen zu bestaunen, die nicht von schlechten Eltern sind.

Mercedes motzt den CLS auf

Keine Studie sondern Realität ist der Familien-Renner von Mercedes-AMG, das GT Viertürer Coupé.
Keine Studie sondern Realität ist der Familien-Renner von Mercedes-AMG, das GT Viertürer Coupé.(Foto: Holger Preiss)

Wenngleich der Viertürer also nicht aus der Mode ist – das Wort Limousine scheint es tatsächlich zu sein. Ein klassisches Stufenheck ist schon fast so altmodisch wie der Dieselmotor, alles muss irgendwie zumindest coupéartig – oder noch besser – gleich ein viertüriges Coupé sein. Dass sich, ganz nebenbei erwähnt, an der Begrifflichkeit seit der Geburt des ersten Mercedes CLS vor nunmehr 14 Jahren zahlreiche Traditionalisten reiben, und gebetsmühlenartig wiederholen, dass ein Coupé nun mal nur zwei Türen hätte, stört die Marketingfachleute der Hersteller dabei kaum.

Eben jener CLS, der erst kürzlich in dritter Generation seinen Einstand gab, bekommt jetzt einen sportiven Ableger: den Mercedes-AMG GT Viertürer. Ja, der heißt wirklich so und ja, das klingt ein bisschen spröde. Aber was will man machen: Die zuvor kolportierte Benennung GT4 verbietet sich gleichermaßen aus Respekt vor dem gleichnamigen Rennwagen und um Verwechslungen mit eben jenem auszuschließen. Schließlich handelt es sich beim dem aufgeplusterten CLS mit AMG-Genen nicht um einen Hochleistungssportler, sondern um einen mit elektrifiziertem Reihensechszylinder (457 PS) fast schon moderat motorisierten Family-Racer. Ok, wem das nicht reicht, der kann natürlich auch beim neuen viertürigen GT zu den bekannten V8-Modellen greifen, die dann bis zu 639 PS bereit stellen – allerdings wird’s mit dem geschätzten Einstiegspreis von rund 130.000 Euro dann nichts mehr.

BMW setzt beim 8er auf Sportlichkeit

Der BMW M8 Gran Coupe lebt als Studie vorerst vom Design.
Der BMW M8 Gran Coupe lebt als Studie vorerst vom Design.(Foto: Holger Preiss)

Über Preise diskutiert man am Nachbarstand noch gar nicht: Beim BMW M8 Gran Coupé geht es in erster Linie ums Design. Und das hat es in sich! Während der AMG GT Viertürer auf der Messe durchaus geteilte Meinungen hervorrief, sind sich beim großen Münchner fast alle einig. Die Studie ist gleich in zweierlei Hinsicht spannend: Zum einen stellt BMW damit schon eine Erweiterung der 8er-Familie in Aussicht, ehe das erste Modell überhaupt auf dem Markt ist; das klassische Coupé mit zwei Türen soll Ende des Jahres kommen, das Cabrio könnte im nächsten Frühjahr folgen. Zum andern gibt das Gran Coupé, das wohl nicht vor Mitte 2019 beim Händler steht, einen konkreten Ausblick auf die übrigen 8er-M-Versionen.

Die mächtigen Lufteinlässe, extrem schmale Scheinwerfer, die plattgedrückte Kühlergrill-Niere und vier armdicke Endrohre dürften auch die Sportabzeichen des "normalen" Coupés werden. Keine Aussagen lässt die in schillerndem Grün lackierte Studie über den Innenraum zu, der bleibt aktuell noch ebenso unter Verschluss wie die Motordaten. Man braucht allerdings nicht viel Phantasie, um sich den 4,4-Liter-V8 aus dem M5 unter der langen Haube vorstellen zu können. Der Bi-Turbo-Motor könnte im M8 auf 650 PS gepusht werden. Denkbar ist auch, dass die Drift-Taste aus dem M5 Einzug hält, damit könnte man zwischen alltagstauglichem Allrad-Modus und Heckantrieb für sportliche Runde wechseln.

Audi A6 bringt Schwung in die Business-Klasse

Der Audi A6 ist eher eine Limousine aus dem Bilderbuch denn ein Coupé.
Der Audi A6 ist eher eine Limousine aus dem Bilderbuch denn ein Coupé.(Foto: Holger Preiss)

Sportlichkeit darf man auch aus Ingolstadt erwarten, allerdings dauert es wohl noch ein wenig, bis S6 und RS 6 ins Rampenlicht geschoben werden. In Genf stand erstmal der klassische A6 im Mittelpunkt – eine Limousine, wie aus dem Bilderbuch. Hier ist nichts coupéartig, nichts geschwungen, aber trotzdem vieles anders als bisher. Zwar darf der 6er nicht ganz so progressiv antreten wie seine großen Brüder A7 und A8 und auch das durchgängige Lichtband am Heck ist im vergönnt; er bekommt nur eine auffällige Chromspange. Doch hat es Chef-Designer Marc Lichte mit geschickt platzierten Lichtkanten, dem deutlich breiteren Kühlergrill und den breiten Radläufen geschafft, mehr Sportlichkeit und Selbstbewusstsein in die Business-Klasse zu bringen.

Obwohl er mit 4,94 Metern kaum länger ist als sein Vorgänger, geht es im neuen A6 merklich geräumiger zu; vor allem im Fond gibt es mehr Platz als in einer Mercedes E-Klasse. Das allein reicht sicher noch nicht, um wieder zu den Stuttgartern – und zum 5er BMW – aufzuschließen, doch vielleicht ist das neue Bediensystem der entscheidende Trumpf, der zukünftig für mehr Absatz sorgt. Wie im A7 und A8 kommen jetzt auch im A6 zwei große, berührungsempfindliche Bildschirme zum Einsatz, die nahezu alle klassischen Schalter aus dem Cockpit verbannen. Der A6 hat sich aber noch mehr Features aus den oberen Klassen geschnappt: Alle aktuellen Assistenzsysteme stehen auch in der Mittelklasse zur Verfügung und Schmankerl wie das Einparken per Fernbedienung sollen auch hier nachgereicht werden, sobald sie fertig entwickelt sind.

Wenn man im A6 ein Coupé sehen möchte, dann muss man es am Heck versuchen.
Wenn man im A6 ein Coupé sehen möchte, dann muss man es am Heck versuchen.(Foto: Holger Preiss)

Motorenseitig setzt Audi weiterhin auf Diesel und schickt den A6 im Juni mit gleich drei Selbstzündern (204 bis 286 PS) ins Rennen, einziger Benziner ist zunächst der 3.0 TFSI mit 340 PS. Sämtliche Motoren fahren übrigens standardmäßig teilelektrifiziert vor, bei den Sechszylinder kommt serienmäßig ein 48-Volt-Bordnetz zum Einsatz. Auch der Allradantrieb ist bei den V6-Modellen Standard, zur Wahl steht außerdem auch die aus der Oberklasse bekannte Allrad-Lenkung, die auch dem A6 spürbar mehr Dynamik verleihen dürfte. Ein Plug-in-Hybrid und sogar eine rein elektrische Version sind zwar in Aussicht gestellt, werden allerdings noch eine Weile auf sich warten lassen.

Mit dem 508 will Peugeot zurück in die Mittelklasse

Wieder mitspielen im Wettstreit um die Limousinen-Kundschaft will zukünftig auch Peugeot. Während sich der bisherige 508 eher schleppend verkaufte, könnte sein Nachfolger durchaus gute Chancen auf Erfolg haben. Zumindest haben die Franzosen endlich wieder Mut bewiesen und ausgetretene Pfade verlassen: Das Heck, mit seinen dreidimensionalen Rückleuchten sieht einfach nur klasse aus, die stattliche Front blickt selbstbewusst in die Zukunft und Spielereien wie die rahmenlosen Türen gibt’s bei den meisten Mitbewerbern in der Mittelklasse einfach nicht. Und hier ist sie wieder: Die viel zitierte coupéartige Dachlinie! Die schränkt zwar die Kopffreiheit ein wenig ein, aber in den meisten Limousinen werden ja ohnehin nur die Plätze in der ersten Reihe regelmäßig besetzt.

Der Peugeot ist in seiner Neuauflage engetreten, Audi A5 und BMW 4er Gran Coupé die Kundschaft streitig zu machen.
Der Peugeot ist in seiner Neuauflage engetreten, Audi A5 und BMW 4er Gran Coupé die Kundschaft streitig zu machen.(Foto: Holger Preiss)

Wer dort Platz nimmt, schaut zukünftig auf das bekannte i-Cockpit, das schon vor einigen Jahren sein Debüt im 308 gab. Kleines Lenkrad, digitales Kombiinstrument und ein 10-Zoll-Infotainment-Bildschirm gehören bei den Franzosen inzwischen zum Standard. Dazu kommen ordentliche Verarbeitung und sorgfältig ausgewählte Materialien, mit denen sich der Peugeot keinesfalls hinter seinen Mitbewerbern verstecken muss. Wer die sind? Am liebsten würden die Franzosen Audi A5 und BMW 4er Gran Coupé die Kundschaft weg nehmen, wahrscheinlicher ist, dass VW-Arteon-Interessenten oder Skoda-Octavia-Kunden auf den Geschmack kommen. Um letzteren das Wasser zu reichen, dürfte vor allem die Kombi-Version nötig sein, die voraussichtlich 2019 die Bühne betritt. Dann soll auch der Plug-in-Hybrid fertig sein, bei dem ein E-Motor die Hinterachse antreibt und so gleichzeitig für Allradantrieb sorgt. Vorerst stehen klassische Benziner und Diesel mit 130 bis 180 PS in der Preisliste. Die fängt für die stärksten Motoren in der top ausgestattete First-Edition bei knapp unter 50.000 Euro an, die Einstiegsversionen dürften sich bei gut 30.000 Euro einpendeln.

Volkswagen elektrifiziert die Oberklasse

Preise, von denen der Volkswagen I.D. Vizzion weit entfernt sein dürfte: Das vierte Concept-Car aus der I.D.-Reihe gibt nach Kompaktklasse, SUV und Van jetzt einen Ausblick auf die Zukünftige Oberklasse aus Wolfsburg. Und die ist, wenn es nach den Visionen der Designer geht, ausgesprochen geräumig. Kein Armaturenbrett, kein Lenkrad, keine Pedalerie nimmt mehr Platz weg, stattdessen gibt es bequeme, mit weißem Leder bezogene Einzelsessel zum Lümmeln und weichen Flokati-Teppich. Das Interieur ist allerdings erstmal nur eine Gedanken-Übung, die für 2022 angekündigte Serienversion soll zwar das autonome Fahren beherrschen, aber nur auf Level 3 oder 4. Das heißt: Der Fahrer muss auf jeden Fall noch eingreifen und auf ein klassisches Cockpit lässt sich nicht verzichten.

Die Studie des I.D. Vizzion soll seriennah sein verspricht VW.
Die Studie des I.D. Vizzion soll seriennah sein verspricht VW.(Foto: Holger Preiss)

Seriennah sind dagegen das Exterieur und der Antrieb. Zwar wird es bei der Länge noch ein paar Korrekturen geben – 5,11 Meter wären doch etwas unhandlich – doch sollen die Proportionen und die geschwungene, richtig: coupártige!, Form beibehalten werden. Ob das auch für die gegenläufigen Türen gilt, bleibt abzuwarten. Sie bieten bei einem Lounge-artigen Interieur wie dem der Studie zwar den einfacheren Zustieg, haben in der momentanen Alltagswelt aber kaum Vorteile. Unterm Blech steckt wie in allen I.D.-Studien der Modulare Elektrobaukasten (MEB), zwei E-Motoren entwickeln im Vizzion zusammen 306 PS Leistung – das kennen wir schon vom I.D. Buzz und Crozz. In der Oberklasse-Limousine schlummert allerdings ein 111 kWh große Batterie, die Strom für bis zu 665 Kilometer speichern soll. Wenn die sich bis zum Serienstart auch noch in kurzer Zeit aufladen ließe, dürften die Reichweiten-Sorgen wohl endgültig der Vergangenheit angehören. Ganz anders als der klassische Viertürer…

Quelle: n-tv.de