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Das ideale Triebwerk? Neuer Diesel für den Opel Astra

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Wie 2015 steht der Opel Astra K auch heute noch in einer schnittigen Hülle auf der Straße.

(Foto: Holger Preiss)

Nach der Trennung von Opel und GM ist der Astra so etwas wie ein Scheidungskind. Da er aber in jeder Hinsicht erfolgreich war, bekommt er jetzt einen neuen Motor, einen BiTurbo-Diesel. Ein schönes Teil, dem nur eines fehlt.

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Hinter der Heckklappe des Opel Astra 5-Türer warten 370 Liter Stauraum darauf, befüllt zu werden.

(Foto: Holger Preiss)

Die Diesel-Diskussion ist noch lange nicht ausgestanden. Auch für Opel nicht. Stehen die Rüsselsheimer doch gerade im Verdacht auch ihre neuesten Modelle mit der zukunftsweisenden Abgasnorm Euro 6d-temp manipuliert zu haben. Das Verkehrsministerium hat jedenfalls das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) angewiesen, die Software einzelner Fahrzeuge zu untersuchen. Opel wirft sich mit breiter Brust gegen diese Vorwürfe und verwahrt sich entschieden gegen die Anschuldigung, illegale Abschalteinrichtungen in ältere, geschweige denn die neuesten, Diesel-Fahrzeuge eingebaut zu haben.

Und weil das so ist, hat Opel auch keine Scheu, den Astra mit dem neuem 1,6 Liter BiTurbo-Dieseltriebwerk einer Handvoll Journalisten zur Probefahrt zu überlassen. Zugegeben, die haben keine Messgeräte mitgebracht, die das Gegenteil beweisen könnten. Aber die Annahme, jemand könnte so keck sein und in Diesel-Zeiten wie diesen ein Auto mit einer illegalen Abschalteinrichtung präsentieren, ist schon etwas abwegig. Insofern nähert sich der Autor dem neuen Dieseltriebwerk ohne Dünkel und zeichnet auf, was es ohne Messgeräte eindeutig zu erfahren gibt.

Ein ideales Triebwerk

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Dem neuen Diesel-Triebwerk fehlt nur eins: ein Automatikgetriebe. Wer aber gerne schaltet, hat über kurze Wege auch keine Probleme.

(Foto: Thorsten Weigl)

Rein technisch gesehen, ist der 150 PS starke Selbstzünder ein geradezu ideales Triebwerk für den je nach Ausstattung bis zu 1,4 Tonnen schweren Fünftürer. Bereits zwischen 1500 und 2250 Kurbelwellenumdrehungen werden 350 Newtonmeter maximales Drehmoment an die Vorderräder geschickt. Das sorgt für einen knackigen Antritt und entsprechende Leistungsreserven in den höheren Gängen. Laut Datenblatt knackt der Astra mit dem BiTurbo-Diesel in 9,0 Sekunden die 100-km/h-Marke und wer aus Tempo 80 zum Sprint ansetzt, benötigt 7,1 Sekunden bis Tempo 120.

Das misst natürlich während der Fahrt keiner nach, aber das Gefühl, das sich beim Ampelstart als auch beim Überholvorgang einstellt, ist ein sicheres. Zum einen lassen sich die Kräfte im Testwagen über eine kurze und präzise manuelle Sechsgangschaltung ohne Verzug verteilen, zum anderen vollziehen sich beide Vorgänge angenehm druckvoll und ohne Kraftverlust in einem Turboloch. Schade ist allerdings, dass Opel den wirklich guten Motor nicht mit einem Automatikgetriebe anbietet. Das scheint nach der Trennung von General Motors auf der Strecke geblieben zu sein. Es noch ins Programm zu nehmen, macht wohl auch keinen Sinn, denn der nächste Astra wird ohnehin mit PSA-Motoren und Getrieben fahren.

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Bis zu 225 km/h kann der Opel Astra mit dem 1,6 Liter BiTurbo-Diesel schnell werden.

(Foto: Christian Bittmann)

Doch zurück zur Straße: Wer es darauf anlegt, der kann auf freier Strecke und ab 170 km/h mit etwas Geduld auch die Höchstgeschwindigkeit von 225 km/h erfahren, wird dann allerdings weit von dem im Test ermittelten Verbrauch von 6,9 Litern entfernt sein. Die verführerischen, von Opel ermittelten, Durchschnittswerte von 5,0 oder gar 4,8 Litern waren auf der Probefahrt nicht zu erreichen. Was sicher auch dem Umstand geschuldet war, dass nicht nur die kurvenreichen Straßen, sondern auch das Triebwerk im Astra für eine gehörige Portion Fahrspaß sorgten.

Tolle Lenkung, super Fahrwerk

Tatsächlich schlägt sich der auf n-tv.de 2015 zum Auto des Jahres gewählte Kompakte auch im Grenzbereich richtig wacker. Die Lenkung direkt, das Fahrwerk agil und die Dämpfung so abgestimmt, dass sich auch größere Schlaglöcher klaglos überwinden lassen. Und das bei einem Radstand von 2,66 Meter. Ja, das ist auch der Grund, warum Passagiere in der zweiten Reihe nicht ganz so bequem reisen. Dafür fährt man vorn auf den nach wie vor sehr bequemen AGR-Sitzen, die auch nach 300 Kilometern am Stück keine Fragen aufwerfen.

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Der Astra präsentiert sich heute im Innenraum weniger digital als die Konkurrenz.

(Foto: Opel)

Einzig beim Blick auf die Armatur mit den klassischen Rundinstrumenten in Tubenoptik fällt auf, dass der Astra bereits seit drei Jahren auf dem Markt ist. Wo andere inzwischen volldigitale Displays anbieten, gibt es hier nur eine Matrix mit den Standardinformationen. Das ist nicht schlecht, tut auch nicht weh. Aber Sie wissen ja, die Wünsche wachsen mit dem Wissen. Wer jetzt die Hoffnung hegt, dass mit dem Facelift im kommenden Jahr neue Technik in den Astra Einzug hält, der muss enttäuscht werden. Auch hier ist der Zustrom an modernster Technik versiegt, seit die Trennung von GM vollzogen ist.

Alles up to date?

Aber wir müssen jetzt auch mal halblang machen. Nur weil es kein volldigitales Cockpit gibt, ist der Astra alles andere als ein altes Auto. Die Assistenzsysteme sind alle up to date und das Matrix-Licht, das Opel für den Astra anbietet, steht ohnehin außer Frage. Und natürlich gibt es auf Wunsch auch die Anbindung von Apple CarPlay und Android Auto in das Infotainmentsystem. Das mobile WLAN sollte man aber vielleicht nicht mehr über Opels onstar buchen, denn auch das ist ein Relikt aus seligen GM-Zeiten und läuft nur noch bis 2021. Dann muss man sich ohnehin nach etwas anderem umsehen.

Ach so, werfen wir noch einen Blick auf den Preis. Wer den Astra als 5-Türer mit dem 150 PS Diesel vollends ausstattet, der wird bei etwa 36.000 Euro landen. Der Sports Tourer in der Linie Ultimate, wo ebenfalls alles drin und dran ist, kostet gar 1000 Euro weniger. Wer also keine Angst vorm Diesel mit 6d-temp hat, wer auf eine Automatik verzichtet und lieber mit der Hand schaltet und wer auch keinen Wert auf ein volldigitales Display legt, der kann  mit einem Opel Astra nichts verkehrt machen. Motorseitig und fahrtechnisch spielt der Rüsselsheimer noch in den vorderen Reihen mit.

Quelle: n-tv.de

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