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Rattenscharfe Sonderserie Nissan schenkt sich GT-R50 zum Geburtstag

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Italdesign und Nissan feiern zusammen den 50. Geburtstag des Tieffliegers.

(Foto: Anthony Puopolo, SpotPress)

Kein Sportwagen aus Japan hat mehr Tradition als der Nissan GT-R. Während die Fangemeinde auf die überfällige Neuauflage wartet, feiert der Hersteller jetzt erstmal den 50. Geburtstag - und legt dafür zusammen mit Italdesign eine spektakuläre Sonderserie des Supersportlers auf.

Normalerweise heißen seine Konkurrenten Porsche 911, Mercedes-AMG GT oder Chevrolet Corvette, und schon das ist für einen Nissan eher ungewöhnlich. Schließlich beschenken sich die Japaner sonst vor allem mit Kleinwagen, Crossovern und SUV.

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Kein Karosserieteil haben die Italiener vom Serienmodell übernommen.

(Foto: Anthony Puopolo, SpotPress)

Doch wenn der GT-R jetzt zum 50. Geburtstag in einer Sonderserie des italienischen Entwicklungsdienstleisters Italdesign an den Start geht, stielt er selbst Exoten von Lamborghini oder Bugatti die Schau. Vielleicht trifft das nicht auf Leistung und Spitzengeschwindigkeit zu, auch wenn sich der GT-R50 da weit jenseits dessen bewegt, was man von einem Nissan erwarten würde.

Aber auf jeden Fall ist das bei der Exklusivität der Fall: Denn mehr als 50 Exemplare wird es nicht geben, bei einem Grundpreis von 1.178.100 Euro sind die meisten anderen Supersportwagen schon Schnäppchen und der normale GT-R für 99.900 Euro ist kaum mehr der Rede wert.

Komplett neu in Karbon gekleidet

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Statt der maximal 600 PS der stärksten Straßenversion leistet der GT-R50 nun 720 PS.

(Foto: Anthony Puopolo, SpotPress)

Dafür bleibt fast kein Bauteil unberührt. Binnen acht Monaten kleiden die Italiener den ohnehin schon aufsehenerregenden GT-R mit einer Hülle aus Karbon komplett neu ein und machen ihn vollends zum Blickfang auf dem Boulevard der eiligen Eitelkeiten. Der Bug wird noch aggressiver. Die Flanken werden muskulöser. Das Dach duckt sich noch flacher, und über dem rund geschliffenen Heck mit der weiter nach unten gezogenen Scheibe thront ein hydraulisch verstellbarer Spoiler, der manchem Wirt als Theke dienen könnte.

Dazu gibt es vorne LED-Scheinwerfer mit einem Blick wie Laserkanonen und am Heck glühende Leuchtringe, die förmlich zu schweben scheinen. So ist einem alle Aufmerksamkeit sicher. Und wem das Gold des Geburtstagsmodells nicht gefällt, dem mischen sie bei Italdesign in Turin eine eigene Farbe, überlassen dem Kunden die originale Rezeptur und garantieren, dass es weltweit kein anderes Auto mit diesem Lack geben wird - egal von welchem Hersteller.

Noch einmal deutlich engeren Kabine

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Der riesige Spoiler garantiert die nötige Bodenhaftung.

(Foto: Anthony Puopolo, SpotPress)

Auch innen haben Nissan und Italdesign den GT-R gründlich umgebaut. Das von der Playstation inspirierte Cockpit des Originals weicht einer aufgeräumten Karbon-Konsole, aus der nur noch ganz wenige Schalter ragen. Hinter dem Lenkrad flimmert das grüne Digital-Cockpit aus einem Rennwagen und die straff konturierten Sportsessel tragen ein Leder, das so aufwendig vernäht ist wie sonst bei Bentley oder Rolls-Royce.

Allerdings merkt man schon bei Einsteigen, dass Schönheit ihren Preis hat. Denn so cool der GT-R von außen aussieht, so schwer macht es das Schaustück seinem Fahrer: Das ohnehin schon knappe Platzangebot schrumpft weiter, das Haupthaar kommt dem Himmel gefährlich nah und zumindest beim Prototypen sind die Spiegel so klein, dass man den Boliden im Blindflug steuert.

Renner der Rekorde

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Auch in der jetzt noch einmal deutlich engeren Kabine erinnert nicht mehr viel ans Serienmodell.

(Foto: Anthony Puopolo, SpotPress)

Unter der federleichten Karbonhaube mit den mächtigen Nüstern steckt auch beim GT-R50 der bekannte V6-Turbo mit 3,8 Litern Hubraum. Doch weil Italdesign sich nicht nur als Styling-Studio, sondern als umfassender Entwicklungsdienstleister versteht, haben die Italiener den Motor ebenfalls ein wenig optimiert. Während das Serienmodell in seiner stärksten Version auf 600 PS kommt, stehen jetzt 720 PS im Fahrzeugschein, und das maximale Drehmoment klettert von 652 auf 780 Nm.

Selbst wenn die letzten Tests noch ausstehen und es finale Daten erst zur Markteinführung im kommenden Frühjahr geben wird, sollte der GT-R50 in deutlich weniger als 3,0 Sekunden von 0 auf Tempo 100 beschleunigen. Und weil er windschnittiger ist und weniger wiegt, müsste es schon mit dem Teufel zugehen, wenn er nicht schneller wäre als die 315 km/h, mit denen der GT-R Nismo aktuell die Generationenfolge anführt. Damit würde der GT-R50 einen weiteren Superlativ sammeln und zum teuersten, stärksten und schnellsten Nissan in der Geschichte werden.

Für Sammlung statt Straße

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Der 3,8 Liter großen V6-Turbo wurde mit vielen Bauteilen aus dem Rennsport nachgeschärft.

(Foto: Anthony Puopolo, SpotPress)

Zum stärkeren Motor gibt es auch ein neues Set-up für das adaptive Fahrwerk des Allradlers. Die sechsstufige Doppelkupplung schaltet schärfer und die Bremsen haben spürbar mehr Biss: Wo schon der normale GT-R ein Biest ist, wird er in der Geburtstagsedition eine Bestie, die Kurven und Konkurrenten frisst, ohne mit der Wimper zu zucken. Zumindest in der Theorie.

In der Praxis allerdings wird das kaum je ein Kunde ausprobieren. Denn als rasende Rarität wird der GT-R50 eher in klimatisierten Garagen zu sehen sein als auf der Überholspur oder gar in der Boxengasse - und die Nissan-Fans werden ihn wohl allenfalls bei Ausstellungen oder Auktionen zu Gesicht bekommen. Und genau darin liegt ein großes Problem des Goldstücks.

Fazit: Ein lustvoller Lückenbüßer

Er mag spektakulär aussehen und auch so fahren. Doch so gelungen der GT-R50 als Geburtstagsgeschenk an die treuesten Fans auch sein mag, ist er doch nur ein lustvoller Lückenbüßer. Was die Bleifußfraktion von den Japanern eigentlich erwartet, ist keine Rarität für reiche Raser: Mehr als zehn Jahre nach dem Debüt des aktuellen GT-R wäre es so langsam mal Zeit für einen Nachfolger.

Quelle: n-tv.de, sni/dpa

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