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Der macht Druck, Druck, Druck Porsche Cayenne Coupé - die sportlichste Art SUV?

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Das Porsche Cayenne Coupé ist mehr Sportwagen als SUV.

(Foto: Manuel Hollenbach)

Nach BMW und Mercedes hat jetzt auch Porsche sein SUV-Coupé. Natürlich liegt das Augenmerk der Zuffenhausener Sportwagenschmiede darauf, ein besonders dynamisches Fahrzeug an den Start zu bringen. n-tv.de wollte wissen, ob das gelungen ist.

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In der Heckansicht sucht auch das Porsche Cayenne Coupé die Nähe zum 911.

(Foto: Manuel Hollenbach)

Mit dem Cayenne Coupé hat Porsche ein neues Segment aufgemacht und bereits für die Optik viel Lob geerntet. Die Frontscheibe ist flacher, die Dachlinie nimmt die des 911 auf und das Heck ist eine Mischung aus Panamera und 911. All das veranlasst viele zu der Annahme, dass es das schönste SUV Coupé ist, das der Markt bis dato gesehen hat. Nun, aus dieser Diskussion halten wir uns mal raus, denn das ist klar Geschmacksache. Wer also den BMW X6 oder das GLE Coupé schöner findet, dem sei das zugestanden.

Doch zurück zum Cayenne Coupé. Der Zuffenhausener SUV-Sportler orientiert sich im Innenraum zu 100 Prozent am Offroad-Bruder. Lediglich bei der Sitzhöhe auf der Rückbank gibt es einen Unterschied. Die ist nämlich drei Zentimeter tiefer, um die Kopffreiheit zu gewährleisten, die man aus dem Cayenne kennt. Das gelingt, Platzprobleme gibt es im Coupé jedenfalls nicht. Klar, der Kofferraum fasst mit 600 Liter 170 Liter weniger als das SUV, aber das dürfte für den Normalbetrieb keine wirkliche Rolle spielen.

Der V8 macht richtig Druck

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Der Grenzbereich des Porsche Cayenne Coupés liegt weit hinten. Aber der Physik kann auch er nicht trotzen, wie der Autor feststellte.

(Foto: Manuel Hollenbach)

Interessanter ist da schon das Motorenportfolio, das die Schwaben für Ihr Coupé anbieten. Vom Diesel hat man sich ja bereits mit der Neuauflage des Cayenne vor zwei Jahren verabschiedet. Das ist insofern schade, weil VW den einst auch im großen Porsche SUV verfügbaren Sechszylinder-Selbstzünder mit 262 PS immer noch im Touareg verbaut. Und in dem Wolfsburger Trumm macht das Triebwerk auch heute noch eine echt gute Figur. Aber dazu in einem anderen Artikel mehr. Konzentrieren wir uns auf die drei Benziner, die Porsche für das Cayenne Coupé anbietet. Da wäre der Sechszylinder, der aus 2,9 Litern Hubraum 340 oder 440 PS schöpft. Das Königstriebwerk ist allerdings der V8 mit 550 PS.

Arbeiten wir uns mal von oben nach unten. Der Vierliter-V8 mit Biturbo-Aufladung, den schon erwähnten 550 PS und ein maximales Drehmoment von 770 Newtonmetern antreiben, ist ein Power-Paket, das seinesgleichen sucht. Einmal auf den Pin getreten, schiebt das Kraftwerk ohne Unterlass an. Selbst während die Sport-Automatik die Schaltstufen über acht Stufen überfliegt, ist nicht der Hauch einer Pause zu erkennen. Die zwei Turbos beatmen ohne Unterlass und der Achtender dreht und dreht und dreht. In 3,9 Sekunden rauscht die Tachonadel an der 100 vorbei und Porsche versichert glaubhaft, dass das Cayenne Coupé seine 2,2 Tonnen bis auf 286 km/h beschleunigen wird.

Quer ist mehr

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Tatsächlich bringt das Porsche Cayenne Coupé mehr Spaß im Quer- als im Längs-Gang.

(Foto: Manuel Hollenbach)

Auf den kurvigen Straßen um Graz ist die Längsbeschleunigung aber gar nicht das Ziel. Hier gilt es das Augenmerk darauf zu richten, wie der Schwabe quergeht. Technisch steht hier natürlich an erster Stelle eine messerscharfe Lenkung, die das Cayenne Coupé genau dorthin bringt, wo der Fahrer es hinhaben will. Hinzu kommt der Allradantrieb, auf Wunsch eine mitlenkende Hinterachse und erstmals bei einem SUV-Coupé ein elektrisch ausfahrender Heckspoiler, der ab 80 km/h den Anpressdruck auf die Hinterachse verstärkt. In dieser Konstellation lässt sich der V8 im Sport- oder Sport-Plus-Modus selbst in engeren Kurven ganz hart am Gas halten. Hier muss nicht scharf eingebremst werden, um dann mit Schmackes aus der Kehre zu schießen. Durch diese konstante Kraftentfaltung zieht der Porsche einfach seine Bahn. Erst wenn die Kurve zumacht oder sehr spitz wird, muss die Sportbremsanlage ins Geschehen eingreifen. Wer hier richtig zutritt, hat das Gefühl, den Anker eines Tankers geworfen zu haben.

Verpasst der Pilot den Bremspunkt aber, muss er in jeder Hinsicht mit der Physik leben. Der Schwabe schiebt jetzt seitlich über alle vier Räder. Grund dafür war während der Testfahrt aber nicht nur das Gewicht, sondern auch die von Porsche in die Reifen gepresste Luft. Die Mischbereifung - vorn 285er-, hinten 315er-Schluffen auf 22-Zoll-Felgen (die es nur mit dem Leichtbau-Sport-Paket gibt) - hatten 2,7 bar drauf. Das schont mutmaßlich den Reifen, ist aber für die Kurvenhatz eher kontraproduktiv. Und noch etwas wurde bei den mächtigen Walzen, die als Satz so viel wie ein Kleinwagen kosten, deutlich: Sie folgen sehr willig Spurrillen. Hier muss der Fahrer schon etwas gegensteuern, um seine Linie zu halten.

Im V6 ist alles leichter?

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Mit dem Leichtbau Sport-Paket gibt es auch die 22-Zoll-Räder für das Porsche Cayenne Coupé.

(Foto: Manuel Hollenbach)

Warum erzählt der Autor das so ausführlich? Weil die Sechszylinder etwas anders zu Werke gehen. Nicht dass es den beiden mit 340 oder 440 PS an Kraft fehlen würde, aber gemessen am V8 muss hier doch mit gewissen Atempausen des Turbos gerechnet werden. Das spielt im Alltag bei Beschleunigungszeiten von 6,0 beziehungsweise 5,0 Sekunden von 0 auf 100 nicht mal im Ansatz eine Geige. Auch das PDK schaltet hier deutlich öfter als im großen Bruder. Das geschieht aber ebenso smooth und stört nicht die Bohne, wenn es auf die Endgeschwindigkeit von 243 oder 263 km/h geht. In den Kurven machen sich die 150 Kilogramm, die hier weniger auf den Rippen sind, und die schmaleren Reifen bemerkbar. Natürlich kann auch das Cayenne Coupé und das S Coupé im Grenzbereich über die Räder schieben, aber es geschieht einen Tick später. So gesehen vermittelt das Cayenne Coupé mit dem "kleineren" Motor tatsächlich ein wenig mehr das Gefühl von Leichtfüßigkeit.

Leichter fällt dem Besitzer der Basis mit 340 PS dann auch das Anfahren der Tankstelle. Denn über 100 Kilometer sind durch seine Schläuche lediglich 14,9 Liter gelaufen, während die nächste Leistungsstufe bereits 15,7 Liter Super verbrannt hat. Den größten Verbrauch weist selbstredend das Cayenne Turbo Coupé auf: 22 Liter genehmigte sich der V8 hier über die Standardstrecke von 100 Kilometern. Nun ist das aber in der bergigen Steiermark mit Nachdruck erfahren worden. Das geht auch anders. Porsche selbst gibt für den V8 im Drittelmix 11,4 Liter an. Die V6-Triebwerke sollen sich, egal in welcher Leistungsstufe, mit 9,4 Liter begnügen. Technisch lässt sich der Achtzylinder durch eine adaptive Zylindersteuerung auch als Vierzylinder betreiben. Dadurch lässt sich der Lastpunkt des Motors im Teillastbereich in verbrauchsoptimierte Betriebsbereiche verschieben. Die adaptive Zylindersteuerung, bei der Ein- und Auslassventile gezielt abgeschaltet werden, ist je nach Fahrzustand beziehungsweise abgefragter Motorleistung bis etwa 3000 Umdrehungen pro Minute und 235 Newtonmeter Drehmoment verfügbar.

Mehr geht immer

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Auch die Sportsitze mit klassischem Karomuster sind Bestandteil des Leichtbau-Sport-Pakets.

(Foto: Porsche)

Was unterscheidet die Coupé-Geschwister außerdem? Tatsächlich ist es der Kofferraum. Während die Sechszylinder hinter der in Serie elektrisch aufschwingenden Heckklappe 625 Liter Stauraum bieten, sind es beim Turbo nur 600 Liter. Auch das sollte für den Alltagsbetrieb keine entscheidenden Einschränkungen mit sich bringen. Interessanter sind hier schon die Preise, die Porsche für die einzelnen Leistungsstufen aufruft. Das Cayenne Coupé startet mit 83.711 Euro, schwingt sich beim S Coupé auf 99.657 Euro auf und endet mit dem Turbo Coupé bei 146.662 Euro. Aber wie bei anderen Autos auch sind das die Preise für die Serienmodelle. Mit großer Leichtigkeit lassen sich hier noch einige Kreuze in der Optionsliste setzen, die den Preis deutlich nach oben treiben können. Und die Begehrlichkeiten, die Porsche hier weckt, sind groß.

Das beginnt bei den adaptiven Sportsitzen mit 18-fachen Verstellmöglichkeiten, integrierter Kopfstütze und Memory-Paket für 1987 Euro, geht mit dem schon erwähnten Leichtbau-Sport-Paket für 13.210 Euro weiter und könnte durch die adaptive Luftfederung mit Niveauregulierung für 2136 Euro ergänzt werden. Auch die LED-Matrix-Hauptscheinwerfer für 2422 Euro und die LED-Rückleuchten für 833 Euro lassen das Coupé nicht schlechter aussehen und den Fahrer nicht schlechter gucken. Wer jetzt noch tief in den Kasten der Fahrassistenten greift und sich hier die Optionen für das teilautonome Fahren im Stau mit Spurwechsel, Abstandsregeltempomat bis Tempo 210 inklusive Nachtsichtgerät, Park-Assistent, Komfortzugang und Soft-Clos-Türen bestellt, muss weitere 9000 Euro einplanen. Die Liste ließe sich für das persönliche Wohlfühlprogramm mit Ambientelicht, Komfort-Fondsitzen und beheizbarer Frontscheibe fortsetzen.

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625 respektive 600 Liter Stauraum im Porsche Cayenne Coupé sollten auch für die größere Urlaubsreise ausreichen.

(Foto: Porsche)

Am Ende ist das Cayenne Coupé aber, egal wie es ausgestattet ist, die konsequente Sport-Interpretation des SUV. Vielleicht ist es sogar die konsequentere Art, ein Porsche-SUV zu fahren, weil es einfach dynamischer aussieht und sich auch so anfühlt. Ob das in allen Belangen so ist, könnte nur ein direkter Vergleich erbringen. Aber braucht es den? Für Porsche Fans, solche, die es werden wollen und die, die das nötige Kleingeld haben, stellt sich am Ende doch nur noch eine Frage: SUV oder SUV-Coupé. Und hier gilt wie immer: Wer die Wahl hat, hat die Qual.

Quelle: n-tv.de

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