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Mit dem neuen Cayenne e-Hybrid setzt Porsche seine Strategie zur Elektrifizierung weiter fort.
Mit dem neuen Cayenne e-Hybrid setzt Porsche seine Strategie zur Elektrifizierung weiter fort.
Dienstag, 15. Mai 2018

Hochspannung statt Diesel-Dampf: Porsche Cayenne jetzt auch als e-Hybrid

Von Axel F. Busse

Ohne viel Aufhebens sind die Dieselmotoren aus dem Porsche-Modellprogramm verschwunden, umso heftiger trumpfen jetzt die Teilzeit-Stromer auf. Mit dem Cayenne S e-Hybrid setzt der Hersteller die eigene Umlackierung in grüne Farbtöne fort.

Einst wurden sie von Öko-Aktivisten als "Klimaschweine" geschmäht, künftig soll die Cayenne-Baureihe aber nicht nur an grünen Bremssätteln als ökologisch vertretbar erkannt werden. Bis zu 44 Kilometer kann der neue Cayenne S e-Hybrid rein elektrisch, also emissionsfrei fahren, sagt der Hersteller, und das sogar mit bis zu 135 km/h. Wer es schneller braucht, tritt einfach kräftig aufs Gas und der Dreiliter-Sechszylinder schaltet sich zu. So angeschoben, ist erst bei 253 km/h Schluss.

Etwa 40 Kilometer rein elektrische Reichweite verspricht Porsche für den Cayenne e-Hybrid.
Etwa 40 Kilometer rein elektrische Reichweite verspricht Porsche für den Cayenne e-Hybrid.

Noch deutlich schneller wird der Cayenne Turbo S sein, auf den Tempojunkies aber noch bis 2019 warten müssen. Porsche hat schon angekündigt, dass künftig jedes Topmodell einer Baureihe elektrifiziert wird, also auch der Turbo S. Analog zum Panamera ist mit 680 PS und einem V8-Motor zu rechnen. Und mit grünen Bremssätteln.

Offiziell noch nicht entschieden ist, wann auch ein Diesel angeboten wird. Vorstandschef Oliver Blume wird es wissen, gibt sich aber bedeckt. "Wir schauen, wie dieses Jahr läuft und ob es auch ohne Diesel geht", sagte er im März. Der Selbstzünder ist ein europäisches Thema, in den für Porsche wichtigsten Märkten USA und China kümmert es niemanden, ob die Marke eine solche Motorvariante wieder ins Programm nimmt. Aktuell sind nicht nur der Cayenne Diesel, sondern auch Panamera und Macan mit Ölbrenner aus dem Angebot verschwunden.

Elektro-"Mission" schreitet voran

Der Innenraum des Cayenne e-Hybrid auf dem neuesten Stand und dennoch ganz Porsche.
Der Innenraum des Cayenne e-Hybrid auf dem neuesten Stand und dennoch ganz Porsche.

Ob sich Wendelin Wiedeking, der ehemalige Porsche-Chef, heimlich darüber freut, bleibt der Spekulation überlassen. Er war lange ein erbitterter Gegner dieser Varianten ("passt nicht zu Porsche"), ließ sich letztendlich aber wegen der zu erwartenden Stückzahlen überzeugen. Zeitweise hatte der Cayenne mit Dieselmotor in Deutschland einen Anteil von mehr als 80 Prozent bei den Neuzulassungen.

Der Diesel hat Porsche zwar wirtschaftlichen Erfolg, langfristig aber kein Glück gebracht. Das Dreiliter-Aggregat, ursprünglich eine Entwicklung des zwangsverheirateten Partners Audi, gehört zu den vom so genannten Abgasskandal betroffenen Motoren, dessen Verkauf Ende 2016 vom Kraftfahrtbundesamt neben 25 weiteren Modellen verschiedener Hersteller untersagt worden war. Inzwischen hat Porsche die Elektrifizierung der Modellpalette und die "Mission E" ausgerufen. Unter diesem Namen wird ein vollelektrischer, viertüriger Sportwagen auf den Markt kommen, für den gerade in Zuffenhausen ein neues Werk entsteht.

In der zweiten Reihe des Porsche Cayenne herrscht keine Platznot.
In der zweiten Reihe des Porsche Cayenne herrscht keine Platznot.

Die Verstromung des Angebots ist allerdings nicht als Konsequenz der Diesel-Malaise anzusehen, denn bereits 2007 rollte der erste Prototyp eines Hybrid-Cayennes auf die Straße. Dass die Elektrifizierungsstrategie von den Kunden positiv aufgenommen wird, meint Porsche daran zu erkennen, dass bislang rund 60 Prozent der in Europa bestellten neuen Panamera-Limousinen Teilzeit-Stromer sind.

Das Kabel, das den neuen Cayenne S jetzt zum temporär laut- und abgaslosen SUV macht, speist ein Batteriepaket, das etwa so groß ist wie ein Dreiwochen-Ferienkoffer. Im Unterschied dazu wiegt es aber 130 Kilogramm. Gemeinsam mit den notwendigen Nebenaggregaten sorgt die elektrische Ausstattung für rund 300 Kilo Zusatzgewicht. Offiziell bringt das Fahrzeug 2295 Kilo Leergewicht auf die Waage. Rechnet man die Assistenz- und Komfort-Ausstattungen hinzu, die Porsche-Kunden gern und reichlich ordern, dürften nur wenige Exemplare mit weniger als 2,4 Tonnen Eigenmasse in den Verkehr kommen.

Neu: Hybrid mit schaltbaren Sportauspuff

Fein verpackt der Sechszylinder des Porsche Cayenne e-Hybrid.
Fein verpackt der Sechszylinder des Porsche Cayenne e-Hybrid.

Angesichts dessen erscheinen die Fahrleistungen des e-Hybrids phänomenal. Der zweitürige Porsche Cayman wiegt weniger als die Hälfte und braucht eine Zehntelsekunde länger, um auf 100 km/h zu spurten als der Cayenne. Dazu ist allerdings die Aufbietung aller verfügbaren Kräfte nötig, was mittels des Drehschalters am Lenkrad geschieht. Steht der auf "Sport Plus" wird auch die neue Sportabgasanlage umgeschaltet und gibt einen herzhaften, zu rasanter Gangart bestens passenden Motorsound ab. Die wählbaren Fahrmodi passen sich der Leistungs- und Fahrwerk-Charakteristik an. Lediglich im Normalmodus ist eine gewisse Zurückhaltung bei spontanem Gasgeben spürbar, etwa so, als "überlege" die Steuerungselektronik einen Moment, wie das Zusammenspiel von Verbrennungs- und E-Motor wohl akut am besten zu organisieren sei.

Das Gefühl, es erneut mit einem "echten Porsche" zu tun zu haben, bleibt davon unbeeinflusst. Hohe Agilität, beeindruckende Längs- und Querdynamik, unmittelbare Reaktion und präzises Lenkverhalten kennzeichnen auch diese Neuschöpfung, denn das Zusammenspiel von 340 PS starkem V6- und 136 PS leistendem Elektro-Motor generiert eine Systemleistung von 462 PS und damit mehr, als seinerzeit der V8-Diesel aufbrachte. Maximal 700 Newtonmeter Drehmoment sind nicht nur für gewaltigen Schub aus dem Stand gut, sondern erfüllen auch Zugkraftwünsche für Pferde- oder Bootsanhänger bis 3,5 Tonnen.

Für den Praxisbetrieb nicht geeignet ist allerdings die Erwartung, das SUV könne mit dem offiziellen Verbrauchswert von 3,2 bis 3,4 Liter Superkraftstoff je 100 Kilometer auskommen. Er errechnet sich auf der Basis der auslaufenden EU-Norm und kommt aufgrund einer erhöhten Gewichtung des elektrischen Streckenanteils zustande. Wer zum Beispiel als Pendler seinen Cayenne an den jeweiligen Zielorten an eine Ladesäule anschließt, kann 100 Kilometer auch leicht mit Null Litern Sprit fahren. Dann werden um die 20 Kilowattstunden (kWh) je Normdistanz fällig.

Zu den Neuigkeiten in der Ausstattungsliste gehören ein Head-Up-Display, Lade- und Klimasteuerung per Smartphone, 22-Zoll-Räder, Massagefunktion für die Sitze, automatisches Ein- und Ausparken sowie eine Vielzahl anderer Annehmlichkeiten. Eine InnoDrive geheißene Funktion errechnet auf der Grundlage von Navigationsdaten optimale Beschleunigungs- und Verzögerungswerte für Kurven, Steigungen und Tempolimits. So kann man den Preis des Cayenne S e-Hybrid schnell in Richtung sechsstelliger Werte treiben. "Nackt" kostet er 89.822 Euro. Das ist – auch ein Signal in Richtung Attraktivitätssteigerung des Hybriden - weniger, als seinerzeit für den Cayenne S mit V8-Dieselmotor aufgebracht werden musste.

Quelle: n-tv.de