Klein-SUV überraschtPremiere des Kia EV2 - außen winzig, innen ziemlich erwachsen
Von Patrick Broich, Brüssel
Mit dem EV2 erweitert Kia die Palette der E-GMP-Fahrzeuge und bietet künftig einen erstaunlich universell einsetzbaren Kleinwagen. ntv.de hat schon mal Probe gesessen. Und dabei eine Überraschung erlebt.
Kia gibt Strom und baut das Portfolio der rein elektrisch angetriebenen EV-Modelle weiter aus. Der nächste Streich hört auf die Bezeichnung EV2 - erstmals zu sehen für die Weltöffentlichkeit auf der Brüsseler Motor Show, die ihre Pforten noch bis zum 18. Januar geöffnet hält.
Das Gestalterteam hat den 4,06 Meter langen Kleinwagen in der typischen Designsprache gezeichnet, aber durchaus so, dass er sich von der bisherigen Palette leicht absetzt. Vor allem die Heckpartie des Neulings fällt betont anders aus; zwar bleibt die geometrische Grundform der Schlussleuchten erhalten, aber die Einheiten präsentieren sich deutlich geschrumpft und weiter unten platziert. Front und Seite dagegen wurden nur moderat verändert. Das zweigeteilte Scheinwerfer-Layout ist allerdings eine dankbare Evolution mit Hingucker-Faktor.
Eine kurze Sitzprobe offenbart, dass man die guten Dinge beibehält, aber Kritikpunkte seitens der Kundschaft bei Kia anhört. So hat sich die große Display-Einheit bewährt - demnach ist sie auch beim EV2 am Start. Dafür macht Kia bei der Bedienlogik nahtlos dort weiter, wo bereits in jüngerer Zeit Verbesserungen eingeführt wurden. Also tschüss, doppelt belegte Touchleiste und willkommen, physische Taste analog zu EV3 und EV4. Und es ist nicht altmodisch, sondern schlicht besser vom Handling, wenn Dinge wie Innenraumtemperatur oder Lautstärke - also ständig genutzte Features - wieder per mechanischer Wippe oder Walze geregelt werden. Beim Kia EV2 der Fall.
Exklusiv für den EV2 ist die Option, ein etwas abgespecktes Human-Machine-Interface zu bekommen ohne integriertes Navi für die preisgünstigere Basis. Eine Smartphone-Integration ist aber inklusive, somit kann man sich eben per Apple CarPlay oder Android Auto navigieren lassen.
Allerdings ist es gar nicht die Architektur, die bei der ersten Sitzprobe wirklich überrascht, sondern die Sessel selbst. Was ist das denn bitte? Derart anschmiegsame und geschmeidige Polster würden sogar in der Businessklasse funktionieren, und hier ist die Rede von einem Kleinwagen. Das merkt man zwar an den Abmessungen, nicht aber an der Wertigkeit von Interieur und insbesondere Mobiliar. Diese Überraschung ist gelungen.
EV2 wird bei rund 30.000 Euro erwartet
Bei Antrieb und Batterie ist es dann ebenfalls wieder der Kleinwagen, der durchschimmert. Dass jetzt bloß 400 Volt zu erwarten waren - klar. EV2 überholt nicht EV3 und EV4 rechts, noch nicht jedenfalls. Und die Akkugrößen haben die Koreaner entsprechend angepasst, um einen moderateren preislichen Einstieg zu ermöglichen, sei jetzt einfach mal unterstellt. Von unter 30.000 Euro ist jedenfalls zu lesen (exakte Preise kommen später) - bekanntermaßen ist der Stromspeicher einer der Kostentreiber. Als segmentgerecht erachtet Kia offenbar 42 und 61 kWh, das ist mehr als beispielsweise beim ID.Polo (37 und 52 kWh) - ob das an der Realreichweite etwas ändert, wird man dann später in der Praxis sehen. Denn hier kommt es ja auch auf die Effizienz an.
Der Hersteller nennt 317 respektive 448 Kilometer Reichweite, was in dieser Kategorie in Ordnung gehen würde. Es macht bei dieser Disziplin allerdings sicherlich einen Unterschied, ob man 16- oder 19-Zoll-Bereifung (abhängig von der Ausstattungslinie) wählt. Bei der Motorleistung rangiert der EV2 unter den bisherigen E-GMP-Vertretern mit 147 PS bei der Version mit dem kleinen LFP-Akku. Und da der Hersteller offenbar noch nicht fertig homologiert hat, schreibt er noch keine Werte in die Pressemappe.
Aber die Variante mit großem Akku wird wohl mit 136 PS die niedrigere Motorleistung haben. Entsprechend beschleunigt der Fronttriebler mit dem größeren Stromspeicher etwas träger (9,5 Sekunden) auf 100 km/h als die kräftigere Ausgabe (8,7 Sekunden), die allerdings auch leichter ausfallen dürfte. Für das Laden der Batterie auf 80 Prozent ist mit rund einer halben Stunde zu rechnen.
Zum Schluss noch ein Wort zur Praxistauglichkeit: Man kann den EV2 sowohl als Fünf- als auch als Viersitzer ordern. In letzterem Fall lässt sich die Fondsitzbank um 16 Zentimeter verschieben, um dem Nutzer die Wahl zu geben, ob situativ mehr Beinfreiheit oder Kofferraumvolumen zur Verfügung stehen sollen. Letzteres beträgt 403 Liter - auch noch machbar für einen Familienurlaub.
Die Produktion des EV2 im slowakischen Zilina wird im Februar starten, während die Auslieferung im Frühjahr beginnen soll. Wer die Ausführung mit der großen Batterie haben möchte, muss sich bis zum Sommer gedulden.