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Dynamiker gegen die Konkurrenz Range Rover Velar - ein SUV für Sportler

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Mit dem Velar schickt Range Rover einen Gegner für den Porsche Macan ins Rennen.

(Foto: Michael Gebhardt)

Land Rover baut sein Angebot weiter aus und schickt mit dem Range Rover Velar ein Dynamik-SUV ins Rennen, das vor allem ein Ziel hat: Kunden von der Konkurrenz abwerben – und zwar auch sportliche Vegetarier!

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Der Range Rover Valar fährt nicht nur in der norwegischen Abendsonne ganz famos.

Bei Land Rover läuft’s richtig gut! Seit der Geländewagen-Spezialist zusammen mit seiner Schwester Jaguar unter der Ägide des indischen Tata-Konzerns steht, entwickeln sich die Geschäfte prächtig. "Wir können uns keinen besseren Shareholder vorstellen", betont Strategie-Vorstand Hanno Kirner selbstbewusst und meint damit, dass der Eigner den Briten weitgehend freie Hand lässt. Freiheiten, die sie zu nutzen wissen. Zum Beispiel, um ihr Modellangebot weiter auszubauen: Ab sofort geht mit dem Velar nämlich ein weiterer Landy auf Kundenfang – und zwar im Porsche-Macan-Millieu!

Sportlich und geräumig

Mit 4,80 Metern ist das neue SUV zwar nichtmal fünf Zentimeter kürzer als der Range Rover Sport, und doch er wirkt ein ganzes Stück dynamischer: Verantwortlich dafür sind das deutlich niedrigere Dach (Höhe: 1,67 Meter), die noch schärferen Linien, äußerst flache Scheinwerfer (mit Matrix-LED-Licht und 550 Meter Fernlicht) und ein kecker Dachkantenspoiler. Wer nicht genau hinschaut, könnte den Velar auf den ersten Blick zwar mit dem Evoque verwechseln, allerdings nur von außen: Innen geht’s deutlich geräumiger zu, und trotz des flachen Dachs haben auch große Menschen im Fond genug Luft nach oben; eng wird es höchstens für die Beine. Hinter der Rückbank ist Platz für bis zu 673 Liter Gepäck, und verzichtet man auf die Fondsitze, gehen bis zu 1731 Liter in den tiefen Kofferraum.

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673 Liter Kofferraumvolumen im Range Rover Velar sind eine Ansage.

Der Innenraum punktet aber nicht nur mit ordentlichen Dimensionen, sondern hält noch zwei Überraschungen bereit. Zum einen führt Land Rover im Velar eine neue Stoffausstattung ein, die zusammen mit dem dänischen Hersteller Kvadrat entwickelt wurde und keineswegs als billige Basis-Version dienen soll. Vielmehr will Land Rover die Textil-Version, die auf Tierhäute verzichtet und mit Velour-Einsätzen aus recycelten Plastikflaschen arbeitet, als "vegetarische" Premium-Variante verstanden wissen. Und die ist sogar noch ein Stück teurer, als das perforierte Windsor-Leder: Je nach Modell müssen mehr als 3000 Euro dafür aufbezahlt werden.

Noch ein Touchscreen

Zum anderen, und das ist noch deutlich wichtiger, fährt der Velar als erster mit Land Rovers neuem Bediensystem Touch Pro Duo vor. Das heißt: Zusätzlich zum optionalen, volldigitalen Kombiinstrument und dem bekannten Infotainment-Touchscreen hält – ein Stückchen weiter unten in der Mittelkonsole – serienmäßig ein weiterer, berührungsempfindlicher 10-Zoll-Bildschirm Einzug. Dort werden unter anderem Klima-, Sitz- und die Terrain-Response-Einstellungen gebündelt und die Tastenzahl nochmal deutlich reduziert. Die Bedienung erfordert zwar ein bisschen Einarbeitungszeit, geht dann aber reibungslos von der Hand. Nette Spielerei: Land Rover hat sich zwei klassische Drehregler bewahrt, die aber je nach gewähltem Menü andere Funktionen übernehmen – mal die Temperatur, mal die Massage, mal das Fahrprogramm.

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Touchscreens dienen als Bedienoberflächen im Range Rover Velar.

Apropos Fahrprogramme: Was die Offroad-Tauglichkeit anbelangt, ist der Velar genauso gut gerüstet, wie seine Geschwister. "Diese Kernkompetenz muss jedes unserer Autos beherrschen", erklärt Kirner. Und so kann man auch mit dem Velar über Felsen klettern, im rutschigen Matsch schlittern oder durch rauschende Bäche waten. Zahlreiche Assistenten, von der Geländeautomatik, die die Geschwindigkeit konstant hält, bis hin zu allerlei Anzeigen, die mit 360-Grad-Perspektive und Lenkwinkel-Darstellung (teilweise sogar im Head-up-Display) das Manövrieren erleichtern, unterstützen den Fahrer bei seinen Ausflügen abseits des Asphalts.

Liegt gut auf der Straße

Geländegängigkeit allein reicht allerdings nicht, wenn man einem Porsche Macan in die Parade fahren will – also haben die Ingenieure auch reichlich Zeit auf die Onroad-Abstimmung verwendet. Dass sie das können, haben sie jüngst mit dem robusten Discovery bewiesen, der in seiner neuesten Ausgabe deutlich straßentauglicher wurde. Und was ein Dickschiff wie der Disco schon gut macht, macht ein Dynamiker wie der Velar noch besser: Die 1a-Straßenlage und die gefühlvolle Lenkung lassen einen bei flotter Kurvenfahrt gern mal vergessen, dass man immer noch in einem über 1,8 Tonnen schweren SUV sitzt – ohne dass der Landy dabei hölzern oder gar hart wirkt. Das gilt sogar dann noch, wenn im Dynamik-Modus die Dämpfer gestrafft werden. Wer will, kann der Sportlichkeit mit der R-Dynamic-Ausstattung zusätzlich Ausdruck verleihen: Dann holt der Velar durch größere Öffnungen in der Frontschürze Luft und der Fahrer stellt die Füße auf Edelstahl-Pedalen ab. Und die bis zu 21 Zoll großen Räder tun ihr übriges, um den dynamischen Anspruch zu unterstreichen.

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Der Dreiliter-V6-Diesel mit 300 PS bildet die höchste Leistungsstufe des Range Rover Velar.

(Foto: Michael Gebhardt)

Die Sportlichkeit kommt aber nicht nur von einem knackigen Unterbau und schicken Turnabzeichen, dazu muss auch der Antrieb passen. Deshalb steigt Land Rover beim Velar auch mit mindestens 180 PS ein, die ein Zwei-Liter-Vierzylinder-Diesel (ab 56.400 Euro) bereitstellt – wie alle Motoren fährt er serienmäßig mit Allrad und Achtgang-Automatik vor. Die meisten Selbstzünder-Kunden dürften aber wohl mindestens 4200 Euro mehr investieren, um damit das Aggregat um einen zweiten Turbolader zu erweitern und die Leistung auf 240 PS anzuheben. Das Drehmoment steig von 430 auf 500 Newtonmeter, und gleichzeitig sinkt die Sprintzeit von 8,9 auf 7,3 Sekunden. Wem das an Souveränität nicht reicht, der kann zum mindestens 66.400 Euro teuren Dreiliter-V6-Diesel greifen, der mit 300 PS und satten 700 Newtonmetern wuchert – die sich bei der ersten Testfahrt in Norwegen mitunter als ziemlich gefährlich rausstellten. Zumindest für den Führerschein: Ehe man sich versieht, streift die Tachonadel die 80-km/h-Grenze – und mehr ist auf der Landstraße dort nicht erlaubt.

Kompressor-Power

Noch schneller übrigens kommt man mit dem ebenfalls drei Liter großen V6-Benziner (ab 67.100 Euro) in den legalen Grenzbereich: Der Kompressor-beatmetet Otto entwickelt 380 PS und schnellt in 5,7 Sekunden auf Tempo 100. Er ist auch der einzige Motor, dem der elektronische Begrenzer bei 250 km/h Einhalt gebieten muss, allen anderen setzt zuvor der Luftwiderstand eine natürliche Grenze entgegen. Richtig weit kommt man bei forcierter Gangart allerdings nicht mit dem großen Benziner: 63 Liter Sprit gehen in den Tank, und schon im besten Fall fließen pro 100 Kilometer 9,4 davon durch die Kraftstoffleitung – in der Realität eher mehr. Spätestens alle 500 Kilometer steht also der Halt an der Zapfsäule an. Die beiden ebenfalls angebotenen Vierzylinder-Benziner (250 PS und 300 PS, ab 56.400 Euro) begnügen sich laut Norm mit knapp unter acht Litern, die Diesel brauchen fünfeinhalb bis sechseinhalb Liter.

Der durch die Bank nicht gerade geringe Konsum dürfte allerdings die wenigsten Kunden abschrecken: Land-Rover-Käufer sind ohnehin bekannt dafür, dass sie das Portemonnaie gerne etwas weiter aufmachen und viele greifen auch zu den teureren Ausstattungen S, SE oder gleich HSE. Als R-Dynamic-Modell mit dem großen Benziner steigt der Basispreis dann auf bis zu 90.850 Euro. Es gibt allerdings durchaus so manches, was bei den Briten weder gegen Geld noch gute Worte zu haben ist: Sie hinken nicht nur in Sachen des teilautonomen Fahrens dem Markt ein wenig hinterher – Spurhalteassistent und Abstandstempomat sind das höchste der Gefühle –, sondern auch bei der Elektrifizierung. Selbst der brandneue Velar verfügt weder über ein 48-Volt-Bordnetz, noch ist derzeit eine Hybrid-Variante in Planung.

Quelle: n-tv.de

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