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Ein letztes Mal? Škoda Octavia RS TDI - schneller Langläufer

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Der Skoda Octavia RS TDI trägt ein dezent sportliches Kleid, das ihm sehr gut steht.

(Foto: Holger Preiss)

Dieselmotoren sind mehr oder weniger Geschichte. Dabei taugen sie wie kein anderes Triebwerk vor allem für die Langstrecke. Zudem sind sie inzwischen auch noch richtig sportlich geworden. Warum also nicht ein letztes Mal vor der endgültigen Elektrifizierung einen Skoda RS mit Selbstzünder?

So ein bisschen hat man den Eindruck, dass die Autohersteller ihre sportlichen Ableger mit Verbrennungsmotor im Augenblick im Akkord anbieten. Zum einen ist es mutmaßlich die letzte Gelegenheit, noch einen potenten Straßensportler mit echtem Herzschlag zu bekommen, zum anderen bietet es den Herstellern die Möglichkeit, der dynamischen Kundschaft auch die Teilelektrifizierung in Form eines Plug-in-Hybrids schmackhaft zu machen.

Bei Skoda zum Beispiel hat der RS als Plug-in-Hybrid dank zweier Motoren immerhin eine Nennleistung von 245 PS. Dass aber weder die Sportlichkeit noch die elektrische Reichweite des RS iV nachhaltig ist, wurde auf diesen Seiten schon besprochen und soll hier nicht noch einmal aufgekocht werden.

Warum nicht einen RS TDI?

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Die Abgase entweichen nur aus dem linken Endrohr des Skoda Octavia RS TDI.

(Foto: Holger Preiss)

Vielmehr soll der Blick auf einen anderen Ableger gelenkt werden: den Octavia RS 2.0 TDI. Ja, der Fachmann hat es am Namen erkannt, es handelt sich um den Zweiliter-Diesel. Jenes unschlagbare Triebwerk, das mit 200 PS und einem maximalen Drehmoment von 400 Newtonmetern anschiebt. Allein der Moment, wenn man den Start-Stop-Knopf betätigt und das digitale Vollfarbdisplay verkündet, dass der volle Tank eine Reichweite von 800 Kilometern möglich macht, beseelt den Fahrer. Keine lästigen Ladestationsstopps mit Aufenthaltsgarantie, keine Reichweitenangst, einfach nur fahren, fahren, fahren.

Ja, natürlich nicht emissionsfrei, 133 Gramm CO2 werden im Schnitt über einen Kilometer in die Luft geblasen. Und wer den RS TDI so fährt, wie man ihn fahren kann, der wird sicherlich noch etwas mehr aus einer der zwei Endrohrverblendungen entlassen. Am Ende muss das natürlich jeder Fahrer mit seinem Gewissen vereinbaren und vor allem mit seinen Fahrbedürfnissen. Denn, und da beißt die Maus keinen Faden ab: Wer viel fahren muss, der wird mit einem E-Auto nicht glücklich, muss letztlich feststellen, dass ein Plug-in-Hybrid auf der Langstrecke nichts taugt, ein Benziner zu viel verbraucht und nur noch ein Diesel infrage kommt. Und warum bitte dann nicht auf eine letzte Runde, einen RS TDI?

Schneller geht's nicht

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Der Skoda Octavia RS TDI ist mit 245 km/h in der Spitze angegeben. Das Tempo erreicht er real nicht ganz.

(Foto: Holger Preiss)

Neben den oben genannten technischen Daten, die dafür sorgen, dass der Tscheche in 7,4 Sekunden Tempo 100 erreicht, soll die Kombination auch dafür sorgen, dass der Diesel-Sportler mit seinem fein schaltenden Sieben-Gang-Doppelkupplungsgetriebe 245 km/h schnell wird. Hier muss leider seitens des Autors ein Veto eingelegt werden. Im Kurztest war maximal Tempo 230 drin. Und das lag nicht daran, dass die Topografie nicht mehr hergab, nein, der Wagen schaffte es einfach nicht. Es darf an dieser Stelle gemutmaßt werden, dass die Leistung zugunsten eines geringeren CO2-Ausstoßes hier etwas gedrosselt wurde. Ob freiwillig oder nicht, sei dahingestellt.

Nun sind 230 km/h nicht wirklich langsam und auf den gut 200 Testkilometern kam jetzt nicht das Gefühl auf, dass die 15 km/h zum Glück fehlten. Klar, wer sich auf der Autobahn mit Porsche und Co. batteln will, der wird wohl klein beigeben müssen. Aber ganz ehrlich, der Octavia ist auch in der RS-Version nicht als Rennauto ausgelegt. Weder auf der Straße noch auf dem Rundkurs. Skoda hat hier bei der Fahrwerksabstimmung ganz klar den Schwerpunkt auf Insassenkomfort gelegt. Was letztlich dazu führt, dass das adaptive Fahrwerk selbst im Sportmodus für eine wirklich dynamische Fahrt zu weich ist. Das hat vor allem zur Folge, dass der Octavia in sehr schnell gefahrenen Kurven zu tief eintaucht und dass die Stabilität des Wagens bei einer Vollbremsung aus sehr hohen Geschwindigkeiten leidet. Das ist jetzt aber kein prinzipielles Problem des Diesel, sondern eins, das alle Octavia-RS-Modelle haben.

Die V8-Hubschrauber-Orgie

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Im Innenraum gleichen sich alle Octavia RS-Modelle.

(Foto: Holger Preiss)

Bei der Lenkung ist die Spreizung deutlich größer als beim Fahrwerk. Die zeigt sich im Comfort-Modus immer noch zielgenau und direkt, wird in Sport aber deutlich enger. Was dem Fahrer am liebsten ist, kann er in der individuellen Einstellung neben der Gaskennlinie, Fahrwerksabstimmung und dem Motorsound festlegen. Letztgenannter kommt als künstlicher V8-Klang aus den Boxen zu Füßen der Fahrgäste in der ersten Reihe und entwickelt sich auf Dauer zu einem echten Martyrium. Nicht, weil es per se absolut albern ist, die Insassen bei jedem Start mit diesem Pseudosound zu befeuern, sondern vor allem, weil er auf langer Strecke wie ein über dem Auto kreisender Hubschrauber klingt.

Wie ehrlich sich dagegen so ein Vierzylinder-Diesel anhört, merkt man erst, wenn man der V8-Orgie den Ton abdreht. Und tatsächlich bietet der Diesel einen sehr zurückhaltenden, fast schon in sich gekehrten Brummton, der auch bei einem Leistungsabruf nicht unangenehm laut wird, was wiederum für die Dämmung spricht, die auch Roll- und Windgeräusche weitgehend außen vor lässt.

So gar nicht durstig

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Die Sportsitze im Skoda Octavia RS machen ihrem Namen alle Ehre.

(Foto: Holger Preiss)

Ein weiterer Vorzug des Diesels ist natürlich sein Verbrauch. Man muss nicht wie ein Max Verstappen auf Speed dauerhaft über die Piste fegen, um zu spüren, wie potent der Selbstzünder ist und wie bärenstark er durchzieht. Wer die Kraft braucht, der wird sie auch bekommen. Und das wie gesagt bei einem erstaunlich kleinen Durst. Auf der Landstraße waren es kaum mehr als 5,4 Liter, die durch die Schläuche liefen, beim Parforceritt auf der Autobahn 8,9 Liter. Wer jetzt noch den Stadtverkehr einberechnet, kommt im Schnitt auf 6,7 Liter über 100 Kilometer. Skoda selbst verzeichnet im Drittelmix 5,0 Liter.

Ansonsten bietet der Octavia RS TDI alles, was man von dem Tschechen gerade als Kombi gewohnt ist: viel Platz für die Passagiere, reichlich Platz im Kofferraum und viele kleine Dinge, die die Alltagsfahrt angenehmer machen, eben die Simply-Clever-Lösungen. Natürlich hält Skoda auch für den RS eine ordentliche Optionsliste bereit. Darin enthalten sind Pakete für den Komfort und zum Entspannen, Parkassistenten und Türöffnungswarner, ein Paket für die Reise, ein anderes für die Sicherheit, Dekorleisten, ergonomische Sportsitze, eine elektrisch aufschwingende Heckklappe, ein erweitertes Infotainmentsystem mit Navigationssystem, Seitenairbags hinten und 19-Zoll-Leichtmetallräder sowie ein Head-up-Display.

Sind die Kreuze hier erstmal gesetzt, präsentiert der Skoda-Händler strahlend eine Rechnung über 52.199 Euro. Das ist gemessen an anderen Fahrzeugen dieser Leistungsklasse immer noch nicht viel, aber deutlich mehr als der Basispreis von 40.910 Euro. Und dafür gibt es neben dem potenten Diesel bereits Matrix-LED-Scheinwerfer mit dynamischem Fernlicht, schlüssellosen Zugang und Parksensoren vorn und hinten. Außerdem lässt sich das Smartphone über Bluetooth mit der Multimediaeinheit koppeln und per Apple CarPlay oder Google Auto spiegeln. Und mehr braucht es eigentlich nicht.

Quelle: ntv.de

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