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Ausblick auf Tschechen-Stromer Škoda elektrisiert sich mit Vision E

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In der Silhouette zeigt sich der Skoda Vision E als waschechtes SUV-Coupé.

Die Autobauer haben die Signale auf alternative Antriebe gestellt. Insofern wundert es nicht, dass jetzt auch Škoda eine Studie zur Elektromobilität präsentiert. 2020 soll der Stromer in Serie gehen und alle Tugenden der Marke in sich vereinen.

Es war nur eine Frage der Zeit, dass auch die Lieblingstochter der Wolfsburger ein Elektroauto präsentieren würde. Nun gut, der Richtigkeit halber muss angemerkt werden, dass es sich bei dem, was in den heiligen Hallen des Designzentrums im tschechischen Mlada Boleslav präsentiert wurde, vorerst um das Modell aus Ton der kommenden Studie Vision E handelt. Die wird Škoda auf der Automesse in Schanghai der Öffentlichkeit präsentieren.

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Zwei schmale Leuchtbänder mit der typischen Lichtgrafik und ein dreidimensional modulierter Kühlergrill zieren die Front des Škoda Vision E.

Dennoch kann bereits an dieser Stelle einiges über das E-Auto, das 2020 in die Serienproduktion gehen soll und dessen Vorreiter der Škoda Superb als Hybrid im Jahr 2019 sein wird, gesagt werden. Zum Beispiel, dass auch die Vision E immer noch die Handschrift von Chefdesigner Jozef Kaban trägt. Der Slowake, der vor wenigen Wochen zum deutschen Premiumhersteller BMW gewechselt ist, hat hier nochmal die böhmischen Glasbläser aufleben lassen und ihr einen ganz besonderen Schein gegeben, der vor allem in den Front- und Heckleuchten strahlt.

Form des SUV-Coupé

Ansonsten wurde bei der Formgebung der Studie Vision E auch die Designhistorie bemüht. Ob die Coupé-Linie vom Škoda Garde, der von 1981 bis 1984 gebaut wurde, stammt, darf dabei nur gemutmaßt werden. Dem Zeitgeist entsprechend reiht sich das Konzept wohl eher neben einen Mercedes GLC Coupé oder einen BMW X4 im Stil eines SUV-Coupés ein. Škodatypisch ist dabei aber die die Form der Fenstergrafik, die etwas weicher gezeichneten Seiten und die scharfe Tornadolinie, die sich unterhalb der Schulterlinie – also am unteren Ende der Fenster – aus den Frontscheinwerfern bis in die Heckleuchten zieht, um dabei am Ende einen wunderbar scharfen Kante ins Heck zu schlagen. Da es bei einem E-Auto keines Kühlergrills mehr bedarf, der aber immer noch ein entscheidender Teil des Wiedererkennungswertes bildet, wurde der bei der Studie dreidimensional moduliert.

Dass die Linienführung auch einen Ausblick auf kommende Škoda-Modelle abseits der E-Mobilität gibt, dürfte klar sein. Natürlich wird es sich der Nachfolger von Kaban - wer auch immer es sein wird, die Gespräche laufen auf Hochtouren - nicht nehmen lassen, sein eigenes Credo auf die Fahrzeuge der Marke zu übertragen. Dennoch wird er nicht umhinkommen, das aufzugreifen, was der 43-Jährige vorgelegt hat. Ob sich allerdings die Portaltüren, der Leuchtstreifen unterhalb der Tornadolinie oder die Luftauslässe zwischen Kotflügel und Vordertür in die Serie retten lassen, darf bezweifelt werden. Obgleich es dem Wagen natürlich einen außergewöhnlichen Pfiff verleihen würde.

MEB und 500 Kilometer Reichweite

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Vor allen in den Heckleuchten dürfte die von Ex-Designchef Kaban so gern zitierte böhmische Glasbläserkunst strahlen.

Doch kommen wir zurück zur Vision E, die das klare Bekenntnis zur Elekromobilität ist. Fußen wird der kommende Stromer von Škoda auf der MEB, der Plattform, die auch VW für seine E-Autos unter dem Label I.D. nutzen wird. Das Wichtigste, was diese Architektur zulässt, ist Raum. Dank des langen Radstands von 2,85 Metern sowie der kurzen Überhänge vorn und hinten wurde ein äußerst großzügiger Innenraum geschaffen. In der Studie gibt es vier Einzelsitze, die natürlich in der Länge verschiebbar sind. Ansonsten verspricht Škoda das Prinzip "Simply Clever" auch bei den kommenden Elektroautos nicht zu vernachlässigen, ohne an dieser Stelle konkret zu werden.

Dass das Raumangebot noch üppiger ist als bei Superb und Kodiaq, die im Übrigen den gleichen Radstand haben, ist kein Zauberwerk: Verzichtet der Stromer doch auf ein herkömmliches Triebwerk unter der Haube. Die Batterie ist in Unterflurbauweise ins Zentrum der Bodenplatte gerückt, was dem Auto einen guten Schwerpunkt bescheren dürfte. Das ist nicht neu, darf seit Tesla sogar als Standard bezeichnet werden. Die Systemleistung des Lithium-Ionen-Akkus soll bei 225 kW liegen. Škoda verspricht hier eine abgeregelte Spitzengeschwindigkeit von 180 km/h und eine durch Rekuperation optimierte Reichweite von bis zu 500 Kilometern. Angetrieben wird der Vison E über alle vier Räder.

Gestensteuerung statt Touch

Auch das Bedienkonzept des Vision E ist selbstredend zukunftsweisend: Auf eine Mittelkonsole im herkömmlichen Sinne wird verzichtet. Dafür ist dort ein 10 bis 12 Zoll großes Display platziert, dessen untere Kanten abgeschrägt sind, sodass es zu einem verkürzten Sechseck wird. Bedient wird die Einheit natürlich nicht mehr als Touchscreen, sondern durch Gestensteuerung. Oberhalb des Dashboards befinden sich im Blickfeld von Fahrer und Beifahrer ebenfalls zwei miteinander verbundene Displays, die über die gesamte Breite der Armatur reichen. Dort werden die fahrrelevanten Daten eingeblendet, während dort, wo einst die Rundinstrumente mit Tacho und Drehzahlmesser prangten, nur noch ein schmales Display ist. Das Lenkrad ist oben und unten abgeflacht, wobei sich der Hebel für die Gangart rechts am Volant befindet.

Natürlich wird die Studie nicht mehr nur vom Piloten durch den Verkehr gesteuert. Vielmehr gibt Vision E einen Ausblick auf die von Škoda als dritte Stufe des autonomen Fahrens bezeichnete Art der Fortbewegung. Die Tschechen gehen wie andere Hersteller auch davon aus, dass ab 2030 bereits 15 Prozent aller Neuwagen vollautonom fahren sollen. Insofern kann die Studie selbstständig im Stau agieren, per Autopilot Strecken auf Autobahnen zurücklegen, die Spur halten oder ausweichen, Überholvorgänge durchführen, selbständig freie Parkplätze suchen und alleine ein- und ausparken. Möglich wird das durch diverse Sensoren mit unterschiedlichen Reichweiten und verschiedenen Kameras, die das Verkehrsgeschehen überwachen. Wie die Studie dann abseits der hier gezeigten Zeichnungen aussieht, wird Škoda auf der Shanghai Auto Show zeigen, die am 21. April ihre Pforten öffnet.

Quelle: n-tv.de

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