Auto

Škoda Enyaq Coupé RS Elektrosportler mit Kompromissen

DSC_0039.jpg

Das Škoda Enyaq Coupé ist optisch ein recht sportlicher Zeitgenosse.

(Foto: Holger Preiss)

Es gibt ja schon einige recht sportliche E-Autos. Jetzt hat auch Škoda mit dem Enyaq Coupé RS einen solchen emissionsfreien Flitzer am Start. Eine reine Rennmaschine ist es aber nicht, dazu sind die Tschechen nicht kompromisslos genug.

Es ist ja seit einiger Zeit nicht mehr so gern gesehen, wenn man sich frenetisch über die ganz eigene Klasse von sportlichen Autos mit Verbrennungsmotor äußert. Inzwischen haben die Hersteller im Zuge ihrer Elektrifizierungsstrategie auch Autos in der Pipeline, die rein batterieelektrisch betrieben werden und dennoch sportlich sind. Oftmals sogar mit Leistungsparametern, die jenseits von denen sind, die herkömmliche Sportwagen bieten. Das gilt auch für das sich nunmehr ankündigende Škoda Enyaq Coupé RS. So der etwas sperrige Name des ersten RS-Modells auf der Basis des Modularen Elektrifizierungsbaukastens (MEB) aus dem Volkswagen-Konzern.

DSC_0001.jpg

Mit 300 PS, die sich über zwei E-Motoren errechnen, und einem maximalen Drehmoment von 460 Newtonmeter hat das Škoda Enyaq Coupe RS beim Ampelstart die Nase vorn.

(Foto: Holger Preiss)

Und weil das mit den Leistungsdaten schon angesprochen wurde, sollen sie an dieser Stelle auch gleich benannt werden. Der RS generiert über zwei Elektromotoren, angebracht an Vorder- und Hinterachse, satte 300 PS und ein maximales Drehmoment von 460 Newtonmeter. Wer also hier mal ordentlich auf den Pin tritt, fliegt wahrlich und ohne Verzögerung durch Schaltvorgänge in 6,5 Sekunden auf Tempo 100. Und ja, man kann sagen, was man will, aber diese Art der ungehemmten Beschleunigung ist schon beeindruckend. Am Ende - und das konnte auf den kurvigen Straßen und limitierten Autobahnen in der Toskana nicht getestet werden - soll der RS dann auch bis zu 180 km/h schnell werden.

Der Fluch des Komforts

So raketengleich, wie das Enyaq Coupé RS nach vorne schießt, mag man da auch gar keine Zweifel hegen. Die kommen einem eher, wenn man - und eigentlich viel zu schnell - die nicht ganz so guten Straßen des früheren Etruria überfliegt. Genau da nämlich schwankt der RS von Bodenwelle zu Bodenwelle und gibt sich wie eine Schaluppe im Hochseesturm. Zugegeben, dieses eigenartige Schwanken ist zwei Dingen geschuldet: zum einen zieht das Gewicht der Akkumulatoren zwischen den Achsen ungemein an Federn und Fahrwerk, zum anderen ist auch der RS - und darauf legt Skoda Wert - ein Familienauto, das mit dem nötigen Komfort dafür sorgen soll, dass sich alle Reisenden auf allen Wegen wohlfühlen.

Alpina B3 und D3 S.jpg

Mit dem Enyaq Coupé verstößt Skoda natürlich auch gegen eines seiner ehernen Gesetze: Raum geht vor Form.

(Foto: Holger Preiss)

Nun scheint das aber kontraproduktiv, wenn die Passagiere in Reihe zwei hier in die Reisekrankheit geschaukelt werden. Zumal dieses weiche Ausfedern in einem krassen Gegensatz zu den harten Schlägen steht, die der RS bei knackigen Querfugen austeilt. Insofern ist es angeraten, das dem Coupé an die Räder gegebene adaptive Fahrwerk bei solchen Passagen zwingend auf Sport zu stellen. Jetzt strafft sich der Tscheche spürbar, die Progressivlenkung zieht an und lässt den Tschechen deutlich zielgenauer in die Kehren stechen. Dennoch bleibt ein Rest des Schaluppen-Gefühls, das aber ein sehr pfiffig arbeitendes ESP und eine ebensolche Traktionskontrolle einfängt. Man muss schon sehr übermütig ums Eck gehen, um den RS und seine Insassen in arge Bedrängnis zu bringen.

Lieber das Sportfahrwerk

Vielleicht sollte der sportlich interessierte Elektroautofahrer in diesem Fall beim RS doch lieber auf das reine Sportfahrwerk mit strafferen Federn und einer ebensolchen Dämpferabstimmung setzen. Die Tieferlegung an der Vorderachse um 15 Millimeter und hinten um 10 Millimeter gibt es dann gleich dazu. Das fühlt sich beim Fahren dann etwas trockener an, entspricht aber wesentlich mehr dem RS-Charakter und macht bei einer sportlichen Fahrweise deutlich mehr Spaß. Nun ist eine sportliche Fahrweise natürlich auch bei einem Elektroauto mit einem gewissen Mehrverbrauch verbunden. Da macht auch das Škoda Enyaq Coupé RS keine Ausnahme. Im ersten kurzen Test über knapp 150 Kilometer waren es 26,9 kWh. Eine solche Fahrweise dürfte also die 82-kWh-Batterie so belasten, dass die im WLTP-Zyklus ermittelte Reichweite von 540 Kilometern arg schrumpft.

14_ENYAQ_COUPE_iV_Moon_White.jpg

Im Innenraum gleicht das Coupé natürlich dem Standard Enyaq.

(Foto: Skoda)

Gerade mit Blick auf die Reichweite hat Skoda einen Kritikpunkt beseitigt und dem RS eine Ladeleistung von bis zu 135 kW verpasst. An der richtigen Schnellladestation lässt sich der 82-kWh-Akku also in knapp einer halben Stunde von 10 auf 80 Prozent aufladen. An der heimischen Wallbox mit 11 kW braucht es dann schon sechs bis acht Stunden. Das Aufladen an einer öffentlichen Wechselstrom-Ladestation mit gleicher Maximalleistung dauert dann etwa ebenso lange. Damit das auch funktioniert, gibt es beim Kauf in jedem Enyaq Coupé serienmäßig ein Mode-3-Ladekabel. Ja, und das darf nicht verschwiegen werden, natürlich gibt es das schnittige Coupé nicht nur als RS, sondern auch als iV 60 mit 180 PS und einer Batteriekapazität von 58 oder 62 kWh oder als iV 80 mit 203 PS.

Die Alternative zum RS

Eine echte Alternative zum RS wäre dann übrigens der iV 80x. Mit ebenfalls zwei Motoren, 265 PS und einem maximalen Drehmoment von 425 Newtonmetern beschleunigt er in 7,0 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100 und wird, wie die anderen iV-Varianten, bis zu 160 km/h schnell. Im sportlichen Alltagsbetrieb und abseits eines Vmax-Rausches auf der Autobahn kann man mit dem 80x also ähnlich sportlich unterwegs sein wie mit dem RS. Zugegeben, optisch macht der Tscheche mit dem Buchstabenkürzel noch mal eine andere Figur. Da gibt es Dekorleisten im Karbon-Look an der Instrumententafel und in den Türverkleidungen sowie Pedalabdeckungen im Aluminium-Design. Sportsitze mit integrierten Kopfstützen, die das RS-Logo tragen und Kontrastnähte am beheizbaren Sportlederlenkrad, das natürlich auch die RS-Plakette trägt.

collage.jpg

Die Sitze im Škoda Enyaq Coupé sind nicht anders als im Standardfahrzeug, nur in der zweiten Reihe schwindet wegen der Coupé-Form die Kopffreiheit.

(Foto: Skoda)

Aber gut, wem die Hoheitszeichen innen und außen wichtig sind und wer die 20 km/h mehr braucht, wird ohnehin zum RS greifen. Der ist ab 57.700 Euro ab sofort zu bestellen, wobei sich der Preis aufgrund der Innovationsprämie auf 49.725 Euro reduziert. Wann allerdings mit der Lieferung zu rechnen ist, steht in den Sternen. Denn angesichts der Chip-Krise und die momentan durch den Krieg in der Ukraine entstehenden Engpässe in der Zulieferung von Teilen kann keine Aussage darüber getroffen werden, wann denn irgendein Enyaq Coupé vom Band laufen wird. Auch die Preise für die anderen Modelle können augenblicklich nur geschätzt werden. Es gilt die wohl die Regel, dass das Coupé etwa 1500 Euro teurer ist als die baugleichen Schwestermodelle.

Mit der Software ME3

Gleich ist mit Blick auf die Modellvarianten dann auch die Ausstattung. Für das 4,65 Meter lange Coupé gibt es dann optional auch 19 bis 21 Zoll große Leichtmetallräder oder das größte je in einem Skoda verbaute schwarze Glaspanoramadach, das dünner als ein Volldach ist und den Coupé-Passagieren in der zweiten Reihe etwas mehr Kopffreiheit beschert. Optional sind auch die Voll-LED-Matrix-Scheinwerfer, eine Zwei-Zonen-Klimaautomatik oder das Zwei-Speichen-Multifunktionslenkrad. Auf Wunsch ist jetzt auch ein Head-up-Display mit Augmented Reality-Funktionen erhältlich und mit der Einführung der aktuellen Software ME 3 werden jetzt auch der aktuelle Akkuladestand und die Entfernung zum Ziel angezeigt - ein Feature, das der Kunde sich eigentlich mit dem ersten Modell schon gewünscht hätte.

11_ENYAQ_COUPE_iV_Moon_White.jpg

Mit 540 Litern ist der Kofferraum des Škoda Enyaq Coupés durchaus auch etwas für Ladefreunde.

(Foto: Skoda)

Neues gibt es auch bei den Assistenzsystemen. Die wurden nämlich um Online-Funktionen erweitert. Das heißt, der Travel Assist, der aktiv bei der Längs- und Querführung des Fahrzeugs unterstützt und neben dem adaptiven Abstandsassistenten (ACC) auch den adaptiven Spurhalteassistenten mit Baustellenerkennung, den Stauassistenten und den Emergency Assist umfasst, greift jetzt online auf aktuelle Schwarmdaten zu. Diese werden dem System anonymisiert von entsprechend ausgerüsteten Fahrzeugen aus dem Volkswagen-Konzern zur Auswertung und gemeinsamen Nutzung zur Verfügung gestellt. Das bedeutet, dass der Spurhalteassistent jetzt auch die Querführung in Engstellen im Stadtverkehr beherrscht und gelbe Fahrbahnmarkierungen in Baustellen erkennt. Auch Absperrungen und am Straßenrand parkende Fahrzeuge werden in die Datenauswertung einbezogen.

Mehr zum Thema

Und noch was: Als den ganz großen Clou sieht Skoda im Enyaq Coupé das "trainierte Parken". In dieser Funktion zeichnet das System die Anfahrt zu einem häufig genutzten Abstellplatz auf, etwa durch eine enge, verwinkelte Einfahrt. Diesen Weg kann das Fahrzeug bei Bedarf jederzeit reproduzieren und ohne eigenes Zutun des Fahrers wiederholen. Damit das klappt, muss der aber die schwierige Passage mindestens einmal selbst überwunden haben. Das braucht es bei Längs- und Querparklücken nicht. Die erkennt der Tscheche und schiebt das Coupé einfach in Eigenregie in die Lücke.

Ein letztes Wort sei noch über die Platzverhältnisse verloren. Wie im normalen Enyaq ist auch im Coupé dank großem Radstand und entfallendem Mitteltunnel ausreichend Platz. Selbst die Fond-Passagiere sind hier großzügig untergebracht. Obgleich hoch aufgeschossene Zeitgenossen baubedingt mit dem Kopf etwas aufpassen müssen. Der Kofferraum bietet üppige 570 Liter bei aufrechter Sitzlehne. Ist die umgeklappt, bietet das Gepäckabteil 1600 Liter Stauraum. Und natürlich wurde auch beim Enyaq Coupé auf die Verwendung von weitgehend recycelten Kunststoffen, Metallen und Glas geachtet, wie sich das für ein Elektroauto heutzutage gehört.

Quelle: ntv.de

ntv.de Dienste
Software
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.
Nicht mehr anzeigen