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Ein Unfall mit Folgen Vor 60 Jahren brannte Le Mans

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Wie aus dem Nichts schießt der Mercedes 300 SLR von Pierre Levegh in die Zuschauermenge. 83 Tote und 100 Verletzte sind das Resultat.

ASSOCIATED PRESS

Am Wochenende werden wieder Hunderttausende zu den 24 Stunden von Le Mans pilgern. Doch die 83. Ausgabe des legendären Rennens ist eine ganz besondere: Zum 60. Mal jährt sich eine der größten Katastrophen in der Geschichte des Motorsports.

Es war 18.26 Uhr, als auf dem Circuit des 24 Heures von Le Mans, die Hölle losbrach. Der Franzose Pierre Levegh rast am 11. Juni 1955 auf die Start-Ziel-Gerade zu, mit 240 km/h steuert er seinen Mercedes 300 SLR vorbei an den Zuschauerrängen, da entfacht eine kurze Kette verhängnisvoller Ereignisse eine verheerende Katastrophe.

Mercedes schießt wie Rakete in die Zuschauer

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Der Austin Healey mit der Startnummer 26 von Lance Macklin wird nach einem Ausweichmanöver zur Sprungschanze für Levegh, dessen Mercedes wie eine Rakete in die Höhe schießt und gegen eine Betonmauer prallt. Blech, Vorderachse, Reifen und Motor lösen sich noch während des Fluges vom 300 SLR und werden wie Geschosse über die Balustrade in die Zuschauer geschleudert. Hinzu kommt, dass der Tank explodiert und ein wahres Inferno entfacht, während der Motorblock in 100 Metern Entfernung wie ein Komet einschlägt. Die Wrackteile hinterlassen eine Schneise des Todes. Neben Levegh ließen 83 Zuschauer in Le Mans ihr Leben. Mehr als 100 wurden verletzt.

Am Wochenende erlebt eines der spektakulärsten Langstreckenrennen nunmehr seine 83. Auflage, die hochentwickelten Prototypen der LMP1-Serie gehören zu den größten Attraktionen, die der moderne Motorsport heute zu bieten hat. Aber damals, 1955, hatten die 24 Stunden für viele eine noch viel größere Bedeutung. Männer wie Juan-Manuel Fangio, Stirling Moss und Mike Hawthorn, der in seinem Jaguar D-Type die Katastrophe mit einem unbedachten Manöver auslöste, waren am Start auf dem 13,6 km langen Rundkurs.

Zerfetzte und verbrannte Körper

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Der Mercedes 300 SLR von Pierre Levegh ist nach dem Unfall nur noch ein Wrack.

(Foto: picture alliance / dpa)

250.000 Zuschauer säumten vor 60 Jahren die Strecke, das Fernsehen übertrug erstmals live - und die TV-Zuschauer sahen mit dem Unfall Bilder unvorstellbaren Grauens. Die Organisatoren überforderte das Unglück völlig. Nur sechs Krankenwagen waren vor Ort. Zerfetzte und verbrannte Körper wurden mit Werbebanden zugedeckt, Verletzte in den Trucks der Rennställe in Krankenhäuser gefahren, während das Rennen einfach fortgesetzt wurde. Der Grund dafür war aber ein sehr praktischer: Charles Faroux, seinerzeit Rennleiter begründete es so: "Wir wollten verhindern, dass die Massen beim Verlassen des Geländes die Zufahrtswege für die Ambulanzen verstopfen. Deshalb haben wir das Rennen fortgesetzt, um die Zuschauer auf ihren Plätzen zu halten."

Aber es gibt noch einen anderen Grund: Wäre das Rennen vorzeitig abgebrochen worden, hätte das wohl das Aus für die Rennserie bedeutet. Zuschauer hätten entschädigt werden müssen, Werbeeinnahmen wären nicht mehr geflossen. Auch die Konstrukteure hätten mit großer Wahrscheinlichkeit Geld eingefordert. Zumal die Regeln eindeutig waren: "Das Rennen wird nur abgebrochen, wenn die Piste nicht mehr befahrbar ist."

30 Jahre ohne Daimler

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Viele der 250.000 Zuschauer bekommen nichts von der Katastrophe an der Start-Ziel-Gerade mit.

(Foto: ASSOCIATED PRESS)

Mercedes nahm die verbliebenen beiden Autos, die im weiteren Verlauf des Rennens bereits wieder die Führung übernommen hatten, in der Nacht diskret aus dem Rennen und kehrte nach Deutschland zurück, schockiert, traumatisiert. Am Ende der Saison gab es den großen Schnitt. Die Stuttgarter zogen sich weitgehend aus dem Motorsport zurück und kehrten erst 1988 zurück. Der Unfall bestärkte Mercedes in der Entscheidung, der Hauptgrund war das aber nicht. Zumindest die Entscheidung zum Rückzug aus der Formel 1 soll schon Monate zuvor gefallen sein.

Die Sicherheit wurde von nun an kontinuierlich erhöht. "Natürlich hat es ein Davor und ein Danach gegeben. Im Rückblick müssen wir zugeben, dass die Sicherheitsmaßnahmen damals mit der Entwicklung der Boliden nicht Schritt gehalten haben", sagt Fabrice Bourigault, einer der Verantwortlichen des veranstaltenden Automobilklub des Westens.

Zu den spektakulärsten Änderungen gehört der 1970 abgeschaffte "Le-Mans-Start", bei dem die Piloten quer über die Fahrbahn liefen, um ihre Autos zu erreichen. Letztlich war es Jacky Ickx, der 1969 mit einer spektakulären Aktion die Änderung einleitete. Der Belgier wartete, bis alle Autos gestartet waren, ging dann seelenruhig über die Fahrbahn, fuhr in aller Seelenruhe los - und gewann. Mercedes konzentriert sich inzwischen längst wieder auf die Formel 1 und die DTM. Die Langstrecken überlassen sie Audi und Porsche. Die Zuffenhausener sind Rekordhalter mit 16 Titeln, Titelverteidiger Audi bringt es auf 13.

Quelle: n-tv.de, hpr/sid

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