Designerstück aus JapanWeltpremiere des Mazda CX-6e - elektrisches Lifestyle-SUV enthüllt
Von Patrick Broich, Oberursel
Kurz nachdem Mazda das erste Langstrecken-Elektrofahrzeug auf den Markt geworfen hat, kommt auch schon Nachschub in Form eines segmentgleichen SUV. Und das ist ein veritables Designerstück geworden. Vorhang auf für den Mazda CX-6e.
Auch wenn Mazda bisher noch kein größeres batterieelektrisches Fahrzeug in kompletter Eigenregie entwickelt hat (das kommt aber sicherlich noch), legt der japanische Autohersteller aus Hiroshima Tempo vor. Kaum ist der für Design-Gourmets spannende 6e auf dem Markt, schiebt der Hersteller nun den CX-6e nach. Und auch der muss sich optisch nicht verstecken, ist ein klarer Fall für Ästhetik-Enthusiasten.
Ohne in Marketing-Geschwurbel zu verfallen - der CX-6e hat schon ein paar Gags fürs Auge mit Potenzial auf Anerkennung. Die Heckpartie, die durch den bewusst höher (oben knapp unter der Heckscheibe) platzierten Markenschriftzug betont flächig wirkt, hat etwas. Und die Idee, den Markennamen ein weiteres Mal in großen Lettern - diesmal auf dem Schweller - anzubringen, ist zumindest neu und sieht fetzig aus. Dann wäre das noch die Front mit dem analog zum 6e ausdrucksstarken Lichtdesign im Bereich der Frontmaske samt illuminiertem Logo. Eine Sache ist mal klar: Die konservative Klientel wird den CX-6e vom Einkaufszettel streichen.
Der Autor durfte auch schon einen Blick in den Innenraum werfen und konnte feststellen: Man muss sich keineswegs darum sorgen, dass die CX-6e-Architektur mit der des 6e verwechselt werden könnte. Gleichwohl enthält sie einen Hinweis darauf, dass der chinesische Autohersteller Changan involviert ist. Ein derart riesiges Display auf der Mittelkonsole passt eben zum futuristischen Anspruch chinesischer Denkschule.
Und dann verwundert auch nicht, dass Mazdas neueste Kreation mit Kameras statt Außenspiegeln aufwartet - allerdings optional. Sieht einfach fancy aus. Das gilt außerdem ebenfalls für den neuen Lackton "Nightfall Violet", denn mit ihm bekommt das Futuristische zusätzlich einen Hauch von Noblesse.
Bei den Ladespezifikationen schon ordentlich
Das Mobiliar fühlt sich bei der ersten Sitzprobe gut an, muss seine Fähigkeit unter intensiver Nutzung allerdings erst noch beweisen. Gleiches gilt für eine neuartige Gestensteuerung, die die Bedienung vereinfachen soll. Hebt man den Blick, fällt dieser durch das für alle Ausstattungslinien serienmäßige Panorama-Glasdach von über einem Quadratmeter Größe.
Bleibt die Frage nach dem Antrieb. Mazda offeriert bloß eine einzige Motorvariante mit 258 PS und 78 kWh (brutto) großer Lithium-Eisenphosphat-Batterie. Damit entspricht der Speicher beinahe der großen Version des 6e - allerdings liegt die Peak-Ladeleistung beim CX-6e deutlich höher - nämlich bei 195 kW. Mazda beziffert den Hub von 10 auf 80 Prozent mit 24 Minuten. Jedoch weist der Hersteller vorsorglich darauf hin, dass die tatsächliche Ladezeit abweichen kann. Die WLTP-Reichweite soll bestenfalls 484 Kilometer betragen. Werden potente 21-Zöller montiert, sind es immerhin noch 463 Kilometer. Damit würde der Stromverbrauch pro 100 Kilometer die 20-kWh-Grenze unterschreiten.
Und damit der CX-6e auch in Europa gut ankommt, haben die Techniker aus Oberursel Hand angelegt. Bei den Federraten und der Abstimmung der Servolenkung beispielsweise bekommt das SUV andere Kennlinien für unsere Gefilde. Wie er dann wirklich fährt, darüber wird später zu sprechen sein.
Was man jedenfalls schon mal sagen kann, ist, dass der 4,85 Meter lange Mittelklässler geräumig ist, vor allem in der zweiten Reihe. An Beinfreiheit herrscht demnach kein Mangel. Allerdings kann der Newcomer offenbar keinen Packaging-Vorteil daraus ziehen, dass er auf einer reinen Elektroplattform basiert. Er ist 4,85 Meter lang und weist 2,90 Meter Radstand auf. Das ist ohne Frage großzügig, allerdings liegt der deutlich kompaktere CX-60 mit Verbrennungsmotoren (4,74 Meter) bei 2,87 Metern Radstand, hier ist das Verhältnis sogar geringfügig besser.
Vor allem beim Kofferraumvolumen zeigt sich, dass der 2,2-Tonner eher die Lifestyle- als Nutzwert-Karte spielt. Während der CX-60 richtig was einladen kann (1726 Liter), sind es beim CX-6 bloß 1434 Liter.
Dass der neue Stromer vor Sicherheitsassistenten strotzt, darf man wohl erwarten. Aber es gibt auch ein paar nette Komfort-Gimmicks: So fährt der Sitz ein Stück zurück, wenn man das SUV entern möchte, um dann wieder vorzufahren in die zuvor eingestellte Position.
Zum Schluss vielleicht noch ein Wort zur Fahrleistung. Mit einer Beschleunigung von 7,9 Sekunden bis 100 km/h fällt das SUV nicht völlig phlegmatisch aus. Und bei der Höchstgeschwindigkeit von 185 km/h sattelt Mazda noch mal 10 km/h drauf im Vergleich zur Limousine 6e.