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Limousinen mit Gardemaß Wer hat den Längsten auf der Auto China?

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Neben dem Maybach kommt die wohl atemberaubednste Studie auf der Auto China von Rote Fahne.

(Foto: Holger Preiss)

Wer in China etwas auf sich hält, fährt lang - also lange Autos. So feiert die Mercedes A-Klasse L Limousine ihre Weltpremiere in Peking. Aber auch chinesische Hersteller wissen sich und ihre Autos zu strecken.

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Die Langversion der Mercedes A-Klasse feiert in China ihre Weltpremiere und wirkt sehr stimmig.

(Foto: Holger Preiss)

Wenn Autobauer das chinesische Publikum begeistern wollen, müssen sie schon in die Länge gehen. Selbst bei Fahrzeugen, die in Europa im klassischen Kompaktsegment angesiedelt sind, wird für das Reich der Mitte der Radstand verlängert. So zum Beispiel bei der Mercedes A-Klasse, die ab Mai in Neuauflage auf den Markt kommen wird und deren Langversion auf der Auto China ihre Weltpremiere feierte. Statt der verfügbaren 2,73 Meter stehen die Achsen hier 2,79 Meter auseinander. Davon profitieren natürlich in erster Linie die Fond-Passagiere, die hier über weitaus mehr Kniefreiheit verfügen.

Die Jüngsten für das lange A

Die A-Klasse ist ein wichtiges Modell für Mercedes in China. Jeder dritte Kunde des Kompakten ist hier unter 30 Jahre alt. Für 40 Prozent der Käufer war es sogar das erste Auto überhaupt, wobei 50 Prozent der Kunden Frauen sind. Wer also in die Mercedes-Welt einsteigt, der macht dies über den Kompakten aus Stuttgart. In Summe wurden in den letzten 20 Jahren mehr als drei Millionen Mini-Benz verkauft.

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Auch die geliftete Mercedes C-Klasse zeigt sich in Peking gestreckt.

(Foto: Holger Preiss)

Und tatsächlich ist die lange A-Klasse auch mit europäischem Blick mehr als gefällig. Die Proportionen sind erstaunlich ausgewogen, die fließende Dachlinie zum Heck verhindert den inzwischen aus der Mode gekommenen eckigen Auslauf des Kofferraumdeckels. Zudem schaffen die optisch kurzen Überhänge es, der langen Limousine noch mehr Dynamik zu verleihen. Selbst die ausschließlich für den Markt im Reich der Mitte vorgesehene Lackfarbe in Roségold steht dem kleinen Luxusliner ausgesprochen gut. Eine Farbe, die übrigens auch außerhalb von China ins Portfolio aufgenommen werden soll.

So gesehen stellt sich die Frage, ob der gestreckte Kleine nicht auch eine Alternative zur C-Klasse wäre. Natürlich nur zur normalen, die in Europa vertrieben wird, nicht zur Langversion, die ebenfalls nach ihrem Facelift in Peking präsentiert wurde. Gegenüber dem normalen Stufenheckmodell verfügt die C-Klasse L Limousine über acht Zentimeter mehr Radstand - der wem zugutekommt? Richtig, den Passagieren im Fond. Damit es auch so richtig nach S-Klasse aussieht, lässt sich der Beifahrersitz auch vom Fond aus elektrisch verstellen. Angetrieben wird auch die Langversion von den neuen Vierzylindermotoren mit 48-Volt-Technik.

Audi streckt Q5

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Audi hat erstmals den Q5 gestreckt und ihn gleich abgesperrt auf die Messe in Peking gestellt.

(Foto: Holger Preiss)

Natürlich ist Mercedes nicht der einzige Hersteller, der sich auf den gesteigerten Platzbedarf in China einstellt. Audi beispielsweise hat erstmals in der Geschichte ein SUV gestreckt, den Q5. Der misst jetzt 4,76 Meter, ist also 11 Zentimeter länger als sein Standard-Bruder. Das Längenwachstum geht selbstredend mit einem weiteren Radstand einher. Der wurde um 8,8 Zentimeter auf 2,90 Meter erweitert. Ein Umstand, der auch hier in Gänze den Fondpassagieren zugutekommt. Befeuert wird das lange SUV, das in Realität gar nicht so viel länger wirkt, in China von einem 2.0-Liter-Vierzylinder-Turbo-Benziner, der 190 PS oder 250 PS leistet. Hergestellt wird der Q5 bei FAW-Volkswagen in China und soll ab 49.300 Euro (380.000 Yuan) zu haben sein.

Lexus ES

Aber auch die asiatischen Autobauer haben ihre Langversionen am Start. Toyotas Luxusmarke Lexus präsentiert in Peking zum Beispiel die siebte Generation des Lexus ES. Der wächst in der Länge um 6,5 Zentimeter und in der Breite um 4,5 Zentimeter, der Radstand gewinnt zugunsten der Insassen im Fond fünf Zentimeter. Ander als die oben genannten will Lexus den ES aber auch in Europa anbieten.

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Der verlängerte Lexus ES wird auch nach Europa kommen.

(Foto: Holger Preiss)

Angetrieben wird der ES 300h von einer Kombination aus 2,5-Liter-Vierzylinder-Benziner und Elektromotor, die zusammen auf 218 PS kommen. Den Verbrauch soll das auf 4,7 Liter pro 100 Kilometer drücken. Der Innenraum orientiert sich stark an aktuellen Modellen und ist auf Infotainment-Seite mit einem Head-up- und zwei weiteren Displays ausgestattet. Für Sportfreunde wird es ein entsprechendes Fahrwerk mit Spoiler und 19-Zoll-Rädern geben, außerdem ergänzt Lexus den "F Sport" um zwei dynamischere Fahrmodi.

Rote Fahne

Aber auch die Chinesen wissen inzwischen, wie man ansehnliche Autos mit entsprechendem Radstand baut. Die traditionsreiche Staatskarossenschmiede Rote Fahne hat zum Beispiel den H5 auf die Auto China gestellt, eine fast fünf Meter lange Limousine, die auf der Basis des Mazda 6 Atenza aufsetzt, der bei FAW in China gebaut wird. Die einzige Antriebsvariante ist ein 1,8-Liter-Vierzylinder-Benziner mit 178 PS und 250 Newtonmeter maximalem Drehmoment. Ja, das ist nicht viel und das Triebwerk stammt aus alten VW-Beständen, aber wer schon mal durch Peking gefahren ist, der wird wissen, dass Pferdestärken und Drehmoment das Letzte sind, was man in der Mega-City vermisst.

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In China sehr beliebt und inzwischen auch ansehnlich: der H5 von Rote Fahne.

(Foto: Holger Preiss)

Wer jetzt aber glaubt, dass man damit nichts reißen kann, der irrt: Der H5 hat auf der "Kunlun Lubrivan China Car Performance Challenge" mit dem oben genannten Motor den Audi A4L und einen Cadillac ATS-L geschlagen und damit das Rennen gewonnen. Letztlich interessiert das den, der im Stau steht, aber nicht die Bohne, er will einfach auffallen. Und das ist im H5 kein Problem. Mit dem mächtigen Kühlergrill, seinen vertikalen Streben und der roten Nase auf der langen Motorhaube sticht der H5 schon ins Auge. Im Innenraum zeigt sich der Chinese dann auch ganz digital. Die Bedienung von Klimaanlage, Sitzheizung und -belüftung erfolgt über Touchfelder und für den Rest gibt es ein entsprechendes TFT in der Mittelkonsole.

Wem das jetzt noch nicht reicht, dem präsentiert Rote Fahne ebenfalls auf der Auto China seine Zukunftsvision eines Luxusliners und der steht einer Maybach-Studie von Mercedes in nichts nach. In zartem Mint mit einer in LED-Licht stilisierten roten Fahne über die Motorhaube und riesigen roten 24-Zoll-Rädern zieht er nicht nur das chinesische Publikum in den Bann. Das Heck der Coupé-Limousine ist weit zum Asphalt gezogen, wobei die Abrisskante darauf hindeutet, dass unter der elend langen Haube mehr steckt als ein schnöder Vierzylinder. Die Studie ist in Summe ein Beweis dafür, dass die chinesischen Autobauer immer mehr in der Lage sind, ein eigenständiges und doch sehr ansprechendes Design zu entwickeln.

Geely Bo Rui GE

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Geely nutzt für den Bo Rui GE das Knowhow von Volvo.

(Foto: Holger Preiss)

Auch Geely hat in Peking sein neues Flaggschiff vorgestellt. Sie fragen sich, woher Sie den Namen kennen? Nun, Geely ist der Eigner von Volvo und hat unlängst 10 Prozent der Daimler-Stimmrechte gekauft. Der Mann hinter der Marke ist Li Shufu, der sehr geschickt seine Vorliebe für luxuriöse Autos umzusetzen versteht. Das aber nur am Rande, denn auf der Auto China spielt das keine Rolle. Hier interessiert das Produkt. Und das kann sich in Form des Bo Rui GE, eines PHEV-Plug-in-Hybriden, sehen lassen.

Der PHEV-Antrieb kombiniert einen 1,5-Liter-Dreizylinder-Turbomotor mit einem von Volvo entwickelten Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe, wobei Geely den Verbrauch auf 100 Kilometer mit sagenhaften 1,6 Litern angibt. Entwickelt wurde das Triebwerk mit Volvo-Ingenieuren, berichtet Geely stolz. Die Grundlage bildet übrigens der T5 Twin Engin der Schweden, wobei der Motor 180 PS leistet und ein Elektromotor weitere 75 PS beisteuert. Die Nennleistung gibt Geely mit 250 PS an und verspricht ein maximales Drehmoment von 400 Newtonmetern.

Neben dem PHEV wird es den Bo Rui GE auch als Hybrid-MHEV-Variante geben. Das 48V-Mild-Hybrid-Aggregat verfügt dann über einen Batterie-Starter-Generator (BSG), der einen Verbrauch von 5,8 Litern pro 100 möglich machen soll. Das sind immerhin 15 Prozent weniger, als der 1,5-Liter-Dreizylinder ohne die Unterstützung verbrennen würde.

Klären wir noch die Frage, wer den Bo Rui gezeichnet hat. Peter Horbury heißt der Mann, ist heute Geelys Senior Vice President of Design und war vormals bei Volvo. Bei Geely jedenfalls ist man sich sicher, dass der Wagen ein Erfolg wird. "Als einer der führenden chinesische Automobilmarke haben wir erkannt, dass der Wettbewerb in dieser neuen Ära in Form eines Technologiekrieges stattfindet und wir durch technologische Innovationen zur Vorhut dieses neuen Zeitalters werden müssen ", erklärt An Conghui, Präsident und CEO von Geely, bei der Enthüllung des Bo Rui GE in Peking.

Quelle: n-tv.de

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